Auch Böses kann zum Frieden führen

Ukraine-Krieg
Auch Böses kann zum Frieden führen
In Würzburg hat eine „Z“-Schmiererei an einer Kirche die Bemühungen für Frieden verstärkt

Die Würzburger Gethsemane-Kirche im Stadtteil Heuchelhof ist etwas ganz besonderes. Erst 2001 wurde der beeindruckende Rundbau eingeweiht. Und nun – im März fanden sich auf einmal Schmierereien an den Wänden. Nicht irgendwas, sondern das berüchtigte „Z“, das Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine verherrlicht und in Bayern strafbar ist. Dennoch - nicht ganz unerwartet im Stadtteil, in dem viele russische Aussiedler wohnen, die sich weiterhin eng mit Russland verbunden fühlen.

Aber das konnte die Gemeinde natürlich nicht so stehen lassen. Die benachbarte Mittelschule, Heim von etwa 50 Nationalitäten, sprang gerne ein: Die Schülerinnen und Schüler gestalteten ein Banner, das die Schmierereien verdecken sollte. Eine Friedenstaube und ein Herz aus farbigen Handabdrücken. Ein Zeichen des Friedens, das die Propaganda überdeckt! Die Schule beschäftigte sich nun erst recht intensiv mit dem Krieg in der Ukraine und mit der Sehnsucht nach Frieden.

Trotzdem: Die Schmierereien sollten nicht lange bleiben, auch nicht unter dem Banner. Die Entfernung mittels Trockeneis war schwierig und kostspielig. Aber das war nicht alles: Schon am ersten Sonntag nach der Entdeckung der Symbole reagierte die Gemeinde mit einem Friedensgebet. 350 Menschen nahmen teil, auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU).

Schon immer hatte sich die Gemeinde für den Frieden eingesetzt, doch dieses Ereignis sorgte dafür, dass sie ihr Engagement noch verstärkte. "Das hat etwas angezündet, damit wir uns noch mehr damit befassen", meint Kirchenvorstandsmitglied Armin Höfig. Eine neue Konzertreihe begann mit einem Friedenskonzert. Und alle zwei Wochen lädt die Gemeinde derzeit ein zu einem Friedensgebet.

So hatten sich die Propaganda-Schmierer das wohl nicht vorgestellt: Ihre Aktion hat dafür gesorgt, dass sich Schule und Kirchengemeinde noch viel mehr für Frieden und Versöhnung einsetzen.

Wie es Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis schrieb:

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes

entstehen lassen kann und will.

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