Ohne Kirche klebt es nicht

Ohne Kirche klebt es nicht
Die weltbekannten Post-Its gibt es seit 50 Jahren – sie wurden in einem Kirchenchor erfunden.

Gerne hätte ich pünktlich zum "Geburtstag" am 9. März berichtet – doch in den letzten Wochen waren andere Themen im Vordergrund. Nun ja, das sind sie immer noch irgendwie, aber so langsam sollten wir doch mal die Ehre geben, wem Ehre gebührt. Nämlich: Den Kirchenchören. Denen, die gerade nicht mehr singen dürfen, weil sie eine große Ansteckungsgefahr darstellen. Ohne sie gäbe es nämlich diese gelben Klebedingse vermutlich nicht. Und gleichzeitig ist die Geschichte auch so eine typische "Gott kann auch die Versager brauchen"-Geschichte.

Also von vorne: Es begann alles mit einem Kleber, der nichts taugte. Der Superkleber, den der Chemiker Spencer Silver für 3M entwickeln sollte, war alles andere als das. Also, er klebte schon irgendwie so ein bisschen, aber "super" ist anders. Und man konnte nicht mal fliegende Autos mit ihm betreiben, so wie Pippi Langstrumpf (noch so ein Jubiläum in diesen Tagen) mit Konrads Spezialkleister. 

Silver wusste zwar nicht so recht, was er mit seinem Nichtsuperklebstoff eigentlich anfangen sollte. Aber sicherheitshalber reichte er dann doch ein Patent ein: An jenem schicksalsträchtigen 9. März 1970, also vor 50 Jahren und … na ja, inzwischen ein paar Tagen, aber lassen wir das mal coronabedingt unter den Tisch fallen und tun so, als wäre heute der 9. März. 

Es war wohl erst einmal ein ziemlicher Kampf mit dem Patentamt, das nicht so richtig verstand, wozu man einen Klebstoff anmelden will, der eigentlich so gut wie gar nicht klebt. Ging dann aber letzten Endes doch. Aber dann passierte jahrelang nichts – bis Silvers Kollege Art Fry, der sich im Kirchenchor (Achtung, ja, hier ist er!) wichtige Stellen in den Noten mit kleinen Zetteln markiert, die jedoch die schlechte Angewohnheit hatten, der Schwerkraft folgend ihren angestammten Platz zu verlassen und zu Boden zu fallen, während Fry noch blätterte und mühsam versuchte, seinen bereits kräftig singenden Kirchenchormitgliedern zu folgen, äh, wo waren wir? Ach ja: Bis er DIE Idee hatte. Da war doch mal dieser nichtsnutzige Kleber von Kollege Silver. Könnte der nicht genau das erledigen? Ein bisschen kleben, aber eben nicht zu viel?

Tja, und das war dann die eigentliche Geburtsstunde des Post-it. Zunächst testweise nur in Idaho ausgeliefert, gingen die gelben Klebezettel dann ab 1980 – zehn Jahre nach dem Patent! – in den gesamten USA in Serie. Und hörten einfach nicht mehr auf. Also: Wie gut, dass es die Kirchenchöre gibt! Blöd, dass sie gerade nicht singen können. Und auch ein Klebezettel vor Mund und Nase werden wohl leider nicht ausreichen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. So müssen wir noch ein wenig auf die nächste bahnbrechende Erfindung aus Kirchenchorkreisen warten. 

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