7 Wochen ohne Martenstein

7 Wochen ohne Martenstein
7 Wochen ohne: Harald Martenstein macht sich Sorgen um die evangelische Kirche. Wir uns eher um Harald Martenstein.

„7 Wochen ohne“. Eine Aktion, die seit vielen Jahren dazu aufruft, die Fastenzeit einmal anders zu erleben. Fasten – das ist eben nicht griesgrämiges Verzichten auf irgendwelche liebgewordenen Dinge. Fastenzeit soll keine Zeit sein, die unerträglich langsam und voller Entbehrungen herumgeht, während die Mundwinkel immer länger werden.

Nein: Fasten, das ist Freiheit. Sich befreien von Dingen, die sonst den Alltag, das Selbstbild, die Wahrnehmung der Welt bestimmen. Sich besinnen auf das, was wirklich wichtig ist. Auf solche Dinge legt „7 Wochen ohne“ den Fokus. Wohl wissend, dass das nicht immer so einfach ist. Wohl wissend, dass man als Christin oder Christ mit den Vorschlägen auch mal anecken wird. Wohl wissend, dass das jeweilige Motto im „normalen Leben“ nicht immer durchzuhalten sein wird.

Harald Martenstein hat im ZEITMAGAZIN 11/2015 vom 27. März 2015 den Finger genau in diese Wunde gelegt. Genüsslich zerpflückt er die Slogans der letzten Jahre, die aus seiner Sicht völlig weltfremd sind. Ja, natürlich. Das sollen sie ja auch sein: Etwas Fremdes in dieser Welt, die so sehr auf Erfolg, Karriere, Egoismus aufgebaut ist. Eine Entfremdung von der „diesseitigen“ Welt.

Aber genau das ist es doch, was Christen ausmacht: Wir sind nicht Bürger „dieser“ Welt. Sondern gehören jetzt schon zum Reich Gottes. Dass uns ein dem entsprechendes Leben nicht immer gelingt, ist klar. Kaum jemand wird so konsequent darin sein wie Jesus, der ständig aneckte, der von seinen Positionen nicht abrückte, selbst nicht, als er dafür gekreuzigt werden sollte.

Ja, um auf die von Martenstein genannten Slogans nochmal zurückzukommen: Jesus war verschwenderisch. Verschwenderisch in der Liebe, wohl auch im Geld, wenn er denn mal welches hatte. Es war nicht wichtig, nur Mittel zum Zweck, und Gott wird schon für uns sorgen, wenn wir nichts mehr haben. Jesus zauderte auch nicht, er ging auf Menschen zu, er sagte anderen ohne Scheu die Wahrheit ins Gesicht, suchte die Nähe auch von wildfremden Menschen, und seien es Aussätzige oder andere Außenseiter der Gesellschaft. Denken Sie nur an Zachäus, den Zöllner.

Bei Jesus gab es aber auch keine falschen Gewissheiten. Er wusste oft nicht, wo er am nächsten Tag zur Ruhe kommen sollte. Nur eine, die wahre Gewissheit, die gab es bei ihm: Dass Gottes Liebe unerschütterlich gilt, durch nichts und niemanden wegzunehmen, nicht einmal durch den Tod. Und schon gar nicht durch Menschen, die seinen Lebenswandel belächelten.

Um das Motto dieses Jahres noch aufzugreifen: Die eine Gewissheit, dass vor Gott jeder Mensch gleich „schön“ ist. Dass wir zwar in Wahrheit und Aufrichtigkeit anderen auch ihre Fehler vorhalten können und sollen – aber trotzdem gemeinsam und „schön“ vor Gott stehen.

Ja, mit so einer Haltung kommt man vielleicht nicht weit in dieser Welt. Wir müssen Kompromisse eingehen, wenn wir es zu was bringen wollen. Jesus hat keine Kompromisse gemacht. Und hat es zu etwas gebracht. Aber ganz anders, als wir uns das für uns vorstellen würden.

Ob in zweitausend Jahren noch jemand den Namen Harald Martenstein kennen wird? Also, außer Gott natürlich. Vor Gott ist nämlich auch er – schön.

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