Meine nackten Füße im Schnee

Geistvoll in die Woche
Meine nackten Füße im Schnee
G*tt ist Körper geworden. Was für eine Gedanke! Birgit Mattausch geht ihm nach.

Von Zeit zu Zeit die Welt beobachten. Diesmal: mein Körper und G*ttes Körper 

Einer der seltsamsten und wunderbarsten Gedanken des Christentums ist für mich dieser: dass G*tt ein Körper geworden ist. Mit Fingernägeln, Haaren, Lunge, Kniekehlen. Ein Körper: Gezeugt, geboren, gelitten, gekreuzigt, gestorben, hinabgestiegen, auferstanden. Mit der Möglichkeit von Nackenschmerzen, von Orgasmen, Zuständen zwischen Wach und Schlaf und Traum. Ein Körper, schwebend im Wasser des Sees, angezogen von der Wüste, gehend, stolpernd, liegend, gestikulierend, essend, heilend. 

Ich schreibe diesen Text mit Blick auf Berge und Schnee. Mit der Aussicht auf Sauna, Eisbecken, Whirlpool. Ich liebe solche Orte. Vielleicht weil ich selten so sehr mein Körper bin wie an ihnen. Meine sich lockernden Muskeln in der Hitze. Später meine nackten Füße im Schnee. Eine Krähe vor dem Weiß. Auch ich schwerelos im Wasser. Und die schwierigste Entscheidung, die ich in den nächsten Stunden zu treffen habe, ist die zwischen Ingwer- und Melissentee. 

Womöglich ist das die beste Weihnachtsvorbereitung. Jedenfalls für Grinchies wie mich. Den eigenen Körper spüren. Körper sein. Feiern, ein Körper zu sein. Und darin verbunden sein mit dem Körper G*ttes. Empfangen, geboren, gewickelt, gestreichelt, gestillt, gewachsen, gegangen, genossen. 

Wochenaufgabe: Eine Sache tun, bei der du ganz Körper bist.

weitere Blogs

Plakat "Liebe ist halal"
Wie können Menschen queer und muslimisch sein? Geht das überhaupt? Der Sammelband "Liebe ist halal" gibt darauf konkrete, lebensgeschichtliche Antworten und kontextualisiert das Thema gesellschaftlich und religiös.
Ein Banner von Präsident Donald Trump hängt vor dem US-Justizministerium in Washington.
US-Präsident Donald Trump wird in den USA teilweise zur messianischen Figur stilisiert.
Graffiti an einer Hausfassade erinnert ie Ermordung von Jina Mahsa Amini im Jahr 2022.
Am 21. März werde ich mit Freund:innen das persische Neujahrsfest Nouruz feiern. Doch in diesem Jahr ist die Feststimmung wegen des Iran-Krieges angespannt, schreibt evangelisch.de-Blogger Christian Höller.