Manchmal stell ich mir vor

Manchmal stell ich mir vor
Von Zeit zu Zeit die Welt beobachten - und sich G*tt vorstellen.

Manchmal stelle ich mir vor, dass G*tt eine alte Frau ist.
Sie hat langes weißes Haar, nicht mehr alle Zähne, aber dafür tausend Fältchen um die dunklen Augen.

Ihre Brüste sind weich und schwer. Ihre Zehen krumm. Ihre Hände arthritisch. An jedem Finger ein silberner Ring mit Halbedelstein.
G*tt läuft am liebsten strümpfig, auch draußen.
Sie weiß alles über Vögel, wilde Orchideen und Quantenphysik.
G*tt macht die besten Brioches der Welt. Und das beste Lahmacun.

Manchmal stelle ich mir vor, dass G*tt das Licht ist, das durch die bunten Glasfenster meiner Kirche in ihr Inneres fällt.
Es hinterlässt bunte Flecken auf dem Boden. Und leuchtendes Haar.
G*tt kommt von außen und anderswo, von sehr fern und ist sehr nah.?Wäre G*tt nicht, wäre nichts.

Manchmal stelle ich mir vor, dass G*tt in den Tulpen ist, die noch abgeschnitten weiter wachsen.?In der Saatkrähe hoch oben im Nest, die ihre frisch geschlüpften Küken wärmt.
G*tt ist die Kraft der Regeneration. Ist Heilen. Und Neu-Werden.
Ist, was erst noch werden wird. Noch nicht erschienen und doch schon erschienen.

Manchmal stelle ich mir vor, dass G*tt lächelt, leuchtet und wird. Mir ein Stück Brioche gibt und sagt: Nimm und iß. Leuchte. Es wird.


Wochenaufgabe:
Brioches essen. Und/oder Lahmacun.
 

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