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Spiritus: geistvoll in die Woche

"Oddly-Satisfying-Videos" - Meine neue Stille

"Oddly-Satisfying-Videos" - Meine neue Stille
Mit "Stille" werden die meisten Leser*innen, die diesen Blog regelmäßig lesen, etwas anfangen können. Assoziationen wie Gebet oder Meditation ploppen womöglich auf, beides machen sich nämlich quasi die Wirkung der "Stille" zu nutze, um Konzentration zu fördern oder behilflich zu sein, dem Alltag für einen kurzen Moment zu entfliehen. Laut dem Psychologen David Daniel Ebert schaffen das auch sog. "Oddly-Satisfying-Videos". Davon kursieren tausende im Netz, es werden täglich mehr und übersetzt heißt das "seltsam befriedigend". Die älteste Form sind wohl die in langen Reihen aufgestellten Dominosteine, die einmal angestoßen, gefühlt endlos nacheinander umkippen.

Inzwischen gibt es so viele verschiedene Arten dieser seltsamen Befriedigung, wie das kunstvolle Aufschneiden verschiedener Obstsorten, stundenlanges Säubern stark verdreckter Flächen mit einem Hochdruckreiniger oder es werden Handseifen mit einem Teppichmesser in winzig kleine Stücke zerlegt. Man kann auch dabei zuschauen, wie Gärten mit einer Motorsense von meterhohem Gras befreit werden.

All das wirkt beruhigend, diese Videos bieten Auszeiten im Alltag und helfen sogar einigen beim Einschlafen. Nicht jedes Video spricht jeden an, nicht jede Art erzeugt diese Befriedigung, da muss man sich schon auf die Suche begeben. Es kommt eben darauf an, was gesucht wird, bzw. was gerade gebraucht wird: Menschen, die viel an PCs arbeiten, schauen sich gerne Videos an, in denen  mit den Händen gearbeitet wird. Es entsteht ein Gefühl des Anfassens, das haben am Computer-Arbeitende nur noch wenig in Ihrem Alltag.

In diesen haptischen Videos hingegen finde ich so  gar keine Befriedigung. Ich selber könnte mir stundenlang Videos von einer Hydraulikpresse ansehen, die irgendwelche Dinge unter sich zerquetscht und irreparabel zerstört. Ähnlich gelagert sind die Videos in denen große Reifen schwerer Fahrzeuge über Dinge, wie z.B. zehn Zahnpastatuben, rollen, so dass diese platzen. Ich könnte stundenlang zusehen.

Keine Ahnung, was mir das sagen soll, evtl. schlummern in mir unterdrückte Aggressionen (ganz bestimmt sogar) oder aber die Zerstörungswut ist ein guter Ausgleich, zu der ständig aufzubringenden Empathie, die meinem Berufszweig abverlangt wird. Vielleicht aber fasziniert mich beim Anblick der Hydraulikpresse auch einfach die Kraft, die dieses Gerät besitzt. Wie damals die Posaunen von Jericho, die eine Mauer zum Einsturz brachten, vielleicht wünsche ich mir einfach auch gerade so sehr, diese Kraft Gottes zu spüren?!

Ich wünsche viel Spaß  auf der Suche nach Eurer "Seltsamen Befriedigung"!

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