Die täglichen Disruptionen

Sollte man im Internet künftig besser "so wenig Links wie möglich setzen"? Womit das ZDF und eine noch bei "Frontal 21" beschäftigte Redakteurin in die Geschichte eingehen. Wie Facebook (bzw. seine Löschkommandos) in die laufende "Frauenbild-Debatte" eingriffen. Durch welchen cleveren Kniff der neue WDR-Rundfunkrat plötzlich echte WDR-Kompetenz besitzt. Außerdem: Deutschland bekommt eine weitere Tageszeitung! Und wird Jürgen Todenhöfer ein Helmut Schmidt?

"Postfaktisch" und "Gruselclown" machen mehr her. Eigentlich aber hätten könnten, wenn schon wieder das Wort des Jahres gesucht werden wird, auch "Disruption" und "disruptiv" Kandidaten sein müssen.

Sogar die Bundeskanzlerin, bekanntlich kein digital native, verwendet das Adjektiv inzwischen ("Ich glaube zutiefst - das knüpft auch an das an, was der Präsident" Obama "eben gesagt hat -, dass die Digitalisierung eine, wie man heutzutage sagt, disruptive technische Entwicklung mit tiefgreifenden Veränderungen unserer Gesellschaft ist"). Ja, Disruptionen hagelt es täglich so viele, dass die einzelnen ihren disruptiven Charakter kaum mehr entfalten können.

Die wohl krasseste tagesaktuelle steht noch in keiner Zeitung.

twitterte gestern eine Rechtsanwaltskanzlei aus Leipzig und London. Und das meist bestens informierte netzpolitik.org schreibt:

"In einem von der Kanzlei Spirit Legal veröffentlichten Beschluss (Az.: 310 0 402/16, PDF) des LG Hamburg wurde ein Fall entschieden, in dem eine Urheberrechtsverletzung alleine durch Setzung eines Textlinks auf ein von Dritten rechtswidrig zugänglich gemachtes Bild behauptet wurde. In seinem Beschluss, der eine Urheberrechtsverletzung bejaht, stützt sich das LG Hamburg erstmals auf die im September veröffentlichte Entscheidung des EuGH, mit der dieser die Linkfreiheit eingeschränkt hatte. Dem EuGH zu Folge können kommerzielle Anbieter bereits durch das bloße Setzen eines einzelnen Links eine Urheberrechtsverletzung begehen, wenn das Ziel des Links rechtswidrig öffentlich zugänglich gemacht worden ist."

Das Resümee, zu dem Leonhard Dobusch gelangt:

"Wer keine (Abmahn-) Risiken eingehen möchte, wird in Zukunft so wenig Links wie möglich setzen – etwas, das den Grundideen von Internet und Web fundamental zuwiderläuft. Die Auswirkungen auf Informations- und Kommunikationsfreiheit sind deshalb massiv."

Ja, die genannte Kanzlei, zu der wir hier trotzdem schnell verlinken, beantwortet in einem flotten Q&A gar noch (selbst gestellte) Fragen wie "Gilt die Entscheidung nur für Webseiten oder auch für Social Media?" und "Ist die Entscheidung auch auf Onlinewerbung, zum Beispiel AdSense und Displaywerbung anwendbar?" mit der Ansicht, dass die Entscheidung auf grundsätzlich erst mal alles anzuwenden sei. "Selbst Auswirkungen auf den Bereich der politischen Meinungsbildung sind nicht auszuschließen." Für Medienjuristen ist dieses Urteil jedenfalls ein Geschenk.

Noch eine Interpretation hat heise.de:

"De facto ergibt sich aus dem Urteil für jedes Unternehmen und jeden Freiberufler die Verpflichtung, sämtliche Inhalte der verlinkten fremden Webseite – seien es nun Fotos, Texte oder Videos – daraufhin zu prüfen, ob sie die Grenzen des Urheberrechts einhalten. Man müsste also praktisch dort anfragen und eine Bestätigung dafür verlangen, dass der Betreiber sämtliche Vorgaben des Urheberrechts bei allen verwendeten Elementen uneingeschränkt einhält."

Hoffentlich hat heise.de also mit der DPA die Bildrechte am Symbolfoto eines überlebensgroßen Richterhammers geklärt, der den Artikel (der auch Links zum zugrunde liegenden Europäischer-Gerichtshofs-Urteil aus dem September und damaligen Reaktionen enthält) illustriert.

Was diese neue Disruption des unter Medienklägern berühmten Landgerichts Hamburg tatsächlich bedeuten wird, ließe sich noch lange abwägen, wenn nicht weitere Disruptionen ihr Recht einfordern würden.

[+++] "Nun dürfte ihr Fall in die Geschichte der deutschen Justiz eingehen",

berichtet die Berliner Zeitung, die kein Medienressort besitzt, im Wirtschaftressort aus Raum 513 im Berliner Arbeitsgerichts. Und in gleich noch eine weitere Geschichtsschreibung dürfte der Fall der "Frontal 21"-Reporterin Birte Meier eingehen:

"Zum ersten Mal in seiner Geschichte wird das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wegen Diskriminierung und ungleicher Bezahlung von Mann und Frau verklagt".

Und zwar, weil Meier "im Gespräch mit einem mittlerweile pensionierten Kollegen" erfahren hatte, dass dieser "netto mehr erhält als sie brutto". Auch dieser Fall ist also krass, der Ausgang allerdings durchaus unklar. Offenbar scheint der Arbeitsrichter nicht willens, dem wiederum vom EuGH gesetzten Recht, demzufolge gleiche Arbeit gleich bezahlt zu werden hat, folgen zu wollen:

"Es könne ja sein, dass Männer schlicht härter verhandelten und aus diesem Grund die besseren Einkünfte erzielten. Als er der kinderlosen Klägerin vorhielt, dass ja auch Schwangerschaften der Grund für ein geringeres Einkommen sein könnten, murrten die Zuhörerinnen im Saal lautstark. 'Willkommen im Mittelalter', rief eine von ihnen und schrammte damit knapp an einem Ordnungsgeld vorbei",

heißt es in Christine Dankbars Gerichtsreportage so stimmungsvoll, dass sich gleich eine Fernsehverfilmung vorstellen lässt. Und bevor Sie nun vom ZDF (dessen Anwalt "gerne einen Vergleich..., der beinhaltetet, dass die renitente Reporterin ihren Job bei 'Frontal 21' aufgibt", schließen wolle) zu schlecht denken: Immerhin die Emanzipation vergangener Jahrhunderte vollzieht es fiktional gerne nach, z.B. heute (um 20.15 Uhr auf Arte) die des vorvergangenen. "So herzig kann sich wirtschaftliche Gleichberechtigung durchsetzen" überschreibt der Tagesspiegel Nikolaus von Festenbergs in diesem Kontext lesenwerte Besprechung des Spielfilms "Die Glasbläserin" ...

[+++] In die gestern hier erwähnte Frauenbild-Debatte, die die Bild-Zeitung in ungewohnter Wortwahl ("Die große Debatte um das Frauenbild von Flüchtlingen"), aber erkennbarer Absicht anstieß und zu der der Titanic-Chefredakteur das passendste Bild getwittert, aber auch gefacebookt hatte, hat Facebook eingegriffen - also eines der anonymen, mutmaßlich von Bertelsmann-Arvato betriebenen Löschkommandos

"+++ Pressemitteilung: Facebook sperrt TITANIC-Chefredakteur Tim Wolff +++",

tickerte die Titanic selbst ("Aufgrund eines abfotografierten Nacktmodels hat Facebook nun den TITANIC-Chefredakteur gesperrt, da dies den sog. Gemeinschaftsstandards widerspräche"), die solche Aufmerksamkeit natürlich braucht und verwerten kann. Außer gewohnten "Facebook, wir müssen reden"-Posts von Hanseln, die immer noch nicht begriffen haben, dass den Löschkommandos Reden streng untersagt ist und nur, wer seehr viele Likes generiert, von Tina Kulow ein paar aus dem kalifornischen Englisch übersetzte Worthülsen spendiert bekommt, gibt's u.a. ein hübsches Kurzinterview Andrea Dieners mit Wolff bei faz.net.

"Facebook ist komplett ironieunfähig, während sehr hetzerische Inhalte ganz gut funktionieren. Da muss man auch nicht länger drüber nachdenken. Offenbar darf man nicht mehrdeutig sein, Eindeutigkeit wird verlangt",

sagt Wolff dort im schönen Brustton. Schön auch der Ausstieg aus dem Interview:

"Was machen Sie denn jetzt einen ganzen Tag ohne Facebook?"

"Ach, ich twitter ein bisschen, ich schreibe Pressemitteilungen, ich schreib die Titanic voll. Ich habe ja noch genügend Möglichkeiten, mich zu äußern ..."

Vielleicht passt an dieser Stelle mal wieder der Hinweis, dass Facebook davon lebt, dass alle, die sich genau so gut überall sonst im Internet oder außerhalb dessen aufhalten könnten, wähnen, bei Facebook sein zu müssen.

War das jetzt, jenseits von Wolffs Facebook-Account, eine Disruption? Wohl nicht. Aber dies könnte eine werden, sofern man Heiko Maas' und/ oder Günther Oettingers Was-mit-Medien-Bemühungen ernst nimmt:

"Mit Deutschland und Frankreich sucht Österreichs Medienminster Thomas Drozda (SPÖ) eine 'Allianz', um soziale Medien wie Facebook und Onlineplattformen medienrechtlich gleichzustellen",

also um Facebook für die Inhalte, die dort zirkulieren, juristische Verantwortung zuzuschreiben (die sogar vorm Landgericht Hamburg verhandelt werden könnte!). Facebook will so etwas unbedingt verhindern, und auch sonst gibt es sehr unterschiedliche Ansichen, wie sinnvoll das wäre.  Aber Oettinger, der noch bis Jahresende im Digitalen amtierende EU-Kommissar, "stehe einer medienrechtlichen Gleichstellung sozialer Netzwerke 'sehr aufgeschlossen gegenüber'. Drozda räumt ein: 'Schade, dass Oettinger uns abhanden kommt, aber er hat zugesagt, weiterhin in der Kommission einen Blick darauf zu haben'", berichtet der Standard.

[+++] In allen klassischen Medien werden Arbeitsplätze abgebaut, auch im öffentlich-rechtlichen Sektor. Zwar kommen die Rundfunkbeiträge verlässlich herein, aber aus ihnen müssen ja stark ansteigende Kosten etwa für Fußballfernsehrechte und die Pensionen vor allem männlicher Ex-Mitarbeiter erwirtschaftet werden. Nur in einer Nische des Mediensystems steigt die Mitarbeiterzahl immer weiter: in den Rundfunkräten. Es gibt immer mehr Gremen-Gremlins (die zwar keine Gehälter beziehen, aber Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgelder, die in anderen Sphären des Mediengeschäfts durchaus stattlich erscheinen).

"BR-Rundfunkrat und BLM-Medienrat werden nun um jeweils drei Mitglieder auf 50 aufgestockt. Neu aufgenommen würden Vertreter der Migranten, Menschen mit Behinderung und ein Verbandsvertreter etwa aus dem Bereich Freizeit", meldet etwa die Süddeutsche heute. Und der Rundfunkrat des WDR ist von 49 Mitgliedern auf 60 vergrößert worden. Auf dieses neu (noch nicht ganz) zusammengesetzte Gremium wirft die Medienkorrespondenz einen instruktiven Blick. Und erkennt eine ziemlich bahnbrechende Neuerung.

Die Kompetenz der von Verbänden entsandten Gremien-Gremlins wird außerhalb der Gremien gelegentlich bezweifelt. Was jedenfalls für Kenntnis zum Beispiel des WDR bürgt: beim WDR gearbeitet zu haben. Der neue WDR-Rundfunkrat enthält gleich zwei Ex-Mitarbeiter der Anstalt. Unter anderem: Jürgen Bremer,

"68, arbeitete beim WDR ab 1987 unter anderem als stellvertretender Leiter der Pressestelle. 1999 wechselte der studierte Jurist zum von ARD und ZDF veranstalteten Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix. Bei dem in Bonn angesiedelten Sender, für den auf ARD-Seite der WDR zuständig ist, war Bremer ab 2008 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2013 auch stellvertretender Programmgeschäftsführer. Dem WDR-Rundfunkrat gehört Jürgen Bremer nun als Vertreter der Deutschen Initiative für den Nahen Osten (DINO) an, dem vom NRW-Landtag für zunächst fünf Jahre ein Rundfunkratssitz zugesprochen wurde ... "

Honorarprofessor sowie Geschäftsführer einer u.a. im Bereich Beratung engagierten Firma sei Bremer überdies. Wenn also ehemalige Pressesprecher und Programmgeschäftsführer-Stellvertreter mit zweifellos schönen Pensionen künftig ihre alten Anstalten mit, wie heißt der Fachbegriff ... beaufsichtigen, dürften Disruptionen so weit irgendmöglich ausgeschlossen sein.

[+++] Eine Disruption am Kiosk muss noch erwähnt werden: Deutschland bekommt eine weitere Tageszeitung! Bzw.:

"Die Fußball-Bundesliga steht vor einer der spannendsten Rückrunden ihrer 54-jährigen Geschichte. An der Spitze der zweiten Liga drängen Traditionsvereine auf die Rückkehr in die höchste Spielklasse und ... Fußball ist in Deutschland so beliebt wie nie zuvor. Europas größte Tageszeitung wird diese Entwicklung ab Januar 2017 mit einer neuen, bundesweiten Fußballzeitung begleiten",

also mit der seit August (Altpapier) in zwei süddeutschen Ballungsräumen getestete Nur-Fußball- Ausgabe der Bild-Zeitung. Das meldet der Springer-Verlag, der nun auch die Domain fussballbild.de erworben hat. Im August waren werktäglich 60.000 Exemplare für München und Stuttgart gedruckt worden.

Was Springer nun zu dieser interessantesten Frage sagte?

"Zur Höhe der Auflage machte der Verlag auch auf Nachfrage keine Angaben" (Süddeutsche-Medienseite).  


Altpapierkorb

+++ Die Disruption bei der ziemlich linken Wochenzeitung Freitag ist der neue Herausgeber und heißt Jürgen Todenhöfer (siehe Altpapier gestern). Für den Chefredakteur und Eigentümer des Blatts, Jakob Augstein, soll er sozusagen sein Helmut Schmidt werden, sagte dieser der TAZ. +++

+++ Eine Olympiade sind nicht Olympische Spiele, sondern ist der Zeitraum dazwischen. Insofern vergleichsweise langsam kommt also die beträchtliche Disruption, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die die Spiele "erst zu jenem weltweit wahrgenommenen Ereignis promoviert" hatten, "als die sie das IOC nun vermarktet", sie in Deutschland vermutlich erst mal nicht mehr übertragen werden. Dietrich Leder befasst sich im Medienkorrespondenz-Leitartikel ohne die sonst auch dazu gern geäußerte ARD-ZDF-Kritik (Altpapier gestern), aber gründlich mit dem Thema. Er schaut in die Vergangenheit bis 1936 und in die Zukunft: "Ob die Verhandlungen ... mit Discovery wirklich endgültig gescheitert sind, bleibt im Übrigen noch abzuwarten. Das US-Unternehmen ... wird eine Mindereinnahme von 200 Millionen Euro, die ARD und ZDF für die nächsten vier Olympischen Spiele geboten haben sollen, nicht so einfach wegstecken. Sollte sich die Lage des Unternehmens möglicherweise ändern, kann man sich durchaus vorstellen, dass es im nächsten Jahr einen neuen Annäherungsversuch zu ARD und ZDF unternimmt." +++

+++ Schöne Geste von Ulrike Simon in ihrer RND-/Madsack-Medienkolumne (kaum dass sie schon wieder recht gehabt hat mit den Meldungen, dass der Spiegel nach allerlei Hin und her seinen Online-Chef abfinden wird): eine Hommage ans Warten auf das Erscheinen des neuen Spiegel. "Am vorigen Freitag fiel mein Feierabend kurz aus. Um 21 Uhr saß ich schon wieder vor meiner Kiste. Seit dem frühen Morgen war ich gespannt auf das neue 'Spiegel'-E-Paper. Selbst die eigenen Redakteure bekamen das neue Heft nicht wie sonst am Nachmittag, sondern erst um 21 Uhr an der Pforte. Auch das E-Paper wurde nicht vorher freigeschaltet ..." Daraus entwickelt sich dann Kritik an Journalistenkollegen, die die "Football Leaks"-Recherchen schon wieder doof fanden, bevor sie sie rein rechnerisch zu Ende gelesen haben konnten. +++

+++ Neues zur Pressekodex-Frage (um die es ebenfalls gestern überm Strich im Altpapier ging): "Der Pressekodex sei nicht mehr zeitgemäß, sagt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer" zu Springers Welt. "Die Herkunft von Opfern und Tätern sollte grundsätzlich erwähnt werden." Wobei der Kodex Herkunftsnennungen bekanntlich nicht verbietet, sondern bloß viele Journalisten im Alltag lieber drauf verzichten lässt. +++ "Schweden geht einen Schritt weiter: Die Polizei darf keine Kriminalfälle nennen, bei denen Flüchtlinge beteiligt sind", berichtet passend dazu der Deutschlandfunk. +++

+++ "Dummerweise geht die Entprofessionalisierung der amerikanischen Nachrichtenmedien Hand in Hand mit dem Zynismus, mit dem Fake-News-Autoren auf ihren Websites für lukrative Klick-Reichweiten sorgen". Und: "Mit dem Einwand, dass etwas nicht stimmt, mit der Frage nach Belegen oder auch dem Gegenbeweis kommt man in den Vereinigten Staaten inzwischen keiner Falschdarstellung oder Lüge mehr bei". Diese krassen Sätze stehen auf der FAZ-Medienseite im Artikel, in dem sich Nina Rehfeld sehr grundsätzlich mit #Pizzagate und der Lage in den US-amerikanischen Medien befasst. +++

+++ "Der Lebensmittelhändler Netto rechnet vor, dass er für seine viertausend Läden und achtzehn Lieferlager rund 145.000 Euro Rundfunkbeitrag pro Monat zahlt, wohingegen eine Firma mit zwanzigtausend Mitarbeitern an einem Standort 3.150 Euro zu entrichten habe. Dass dies den Richtern nicht als Ungleichbehandlung gilt, ist merkwürdig", überrascht Michael Hanfeld (ebenfalls FAZ) aber natürlich nicht. +++

+++ Auf der SZ-Medienseite geht's um Gruner+Jahrs Entscheidung, in Hamburg in die Hafencity zu ziehen. "Lange war auch über einen Sitz in Hamm spekuliert worden, um den leicht schmuddeligen Stadtteil aufzuwerten", aber womöglich hätte er den Verlag, der sehr viele irre renommierte Flaggschiffe ja nicht mehr publiziert, auch runtergezogen. "Das alte Gebäude am Baumwall hat indes die Stadt übernommen, der Kaufvertrag sei bereits am vergangenen Mittwoch beim Notar unterschrieben worden, heißt es. Über den Kaufpreis ist offiziell nichts bekannt, in früheren Berichten lokaler Medien wurde über 156 Millionen Euro spekuliert." +++ Außerdem geht's ebd. um den Umgang eines "der profiliertesten britischen Medienjournalisten", Steve Hewlett von der BBC, mit seiner Krebserkrankung. +++

+++ Die, nett formuliert: Finanzinvestoren von KKR könnten von der GfK, also den deutschen Einschaltquoten-Messern, so viele Anteile wie möglich kaufen wollen (dwdl.de). +++

+++ Woran in der ARD gerade kein Mangel herrscht: an sich formierenden Arbeitsgruppen zur Strukturoptimierung. Um eine davon, die "als Teil des Zukunftsprogramms 'Kompass 2022'" beim NDR die "Nachrichtenproduktion neu ausrichten" soll, geht's bei meedia.de. +++

+++ Der Bundesmux ist keine alte Stefan-Raab-Idee, sondern hat was Digitalradio zu tun. Ab kommender Woche soll der zweite Bundesmux ausgeschrieben werden, "um Mitte 2017 auf Sendung gehen" zu können (radiowoche.de). +++

+++ Noch mal zur "Glasbläserin": "Sieht man von der seifigen Geschichte einmal ab, ist 'Die Glasbläserin' allerdings für einen Weihnachtsfilm durchaus gelungen zu nennen. Der Kameramann Hannes Hubach arbeitet stimmungssicher mit dem Licht, mit den Hell-Dunkel-Kontrasten, die an holländische Meister erinnern. Das macht das Flammenspiel und die Arbeit der Glasbläser umso eindrucksvoller. ... Und ein Fernsehfilm, in dem die große bayerische Darstellerin Johanna Bittenbinder mitspielt, kann nun einmal nicht schlecht sein" (Heike Hupertz auf der FAZ-Medienseite). Und falls der Schauplatz Lauscha im Thüringer Wald interessiert: Über den hatte ich mal in meinem Reiseblog geschrieben. +++

+++ Und netzpolitik.org: "Warum braucht das Internet einen Brauchtumsverein? Und wie versteht Du das Wort Brauchtum?" - Dirk von Gehlen: "Ich kenne sehr viele Menschen, die selbstverständlich den Satz sagen, ihre Heimat sei das Internet. Sie fühlen sich online in der Verbindung mit Freunden, die weltweit verstreut sind, geborgen und zu hause – wie Generationen zuvor es vielleicht in einer dörflichen oder lokalen Gemeinschaft empfunden haben ..." +++

Neues Altpapier gibt's wieder am Montag.