Männlicher Hauptdarsteller ist nach wie vor Tim Bergmann, aber die Rolle von Kommissarin Pia Sander hat nach Felicitas Woll (2013 bis 2018) und Annika Kuhl (2022) Kathrin von Steinburg übernommen. Der entscheidendere Personalwechsel fand jedoch hinter der Kamera statt. Nach gewissen Anlaufproblemen zum Auftakt boten die Nele-Neuhaus-Verfilmungen ausnahmslos fesselnde Krimi-Unterhaltung. Mit Marcus O. Rosenmüller hatte Produzentin Annette Reeker, die ihre Drehbücher unter dem Pseudonym Anna Tebbe verfasst, den richtigen Regisseur gefunden. Die beiden haben jedoch mit den "Schwarzwald-Krimis" (ebenfalls ZDF, seit 2022) ein neues Betätigungsfeld.
Beim ersten "Taunus-Krimi" nach dem Abschied des kongenialen Duos verlief der Stabwechsel reibungslos: "Muttertag" (2022) war ein packender Zweiteiler über einen Serienmörder. Zum zehnten Film, "In ewiger Freundschaft", ist nun schon wieder alles anders. Regie, Buch, Produktionsfirma, Hauptdarstellerin: Das waren womöglich ein paar Änderungen zu viel. Dabei ist die Story (Buch: Thorsten Näter) durchaus interessant, gerade im zweiten Teil entwickelt die Handlung eine unerwartete Komplexität. Dass sich die 180 Minuten zwischenzeitlich dennoch ziehen, ist auch eine Frage der Umsetzung (Regie: Stefan Bühling). Der Zweiteiler besteht größtenteils aus den üblichen textlastigen TV-Krimi-Szenen: Befragungen, Autofahrten, Reviergespräche, Telefonate. Zwischendurch müssen sich Oliver von Bodenstein und Pia Sander auch noch gegenseitig den Fall erklären. Spannung kommt auf diese Weise zu praktisch keinem Zeitpunkt auf. Bergmann hat immerhin zusätzliches Spielmaterial, weil der Kommissar um das Leben seiner an Krebs erkrankten Ex-Frau bangt. Ein weiteres Manko: Selbst bei einigen der erfahrenen Mitwirkenden klingen die Dialoge mitunter aufgesagt. Das gilt ausdrücklich nicht für Martin Feifel, der hier selbstredend nicht bloß den Hausmeister spielt.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Anders als die Filme Rosenmüllers entbehrt dieser "Taunus-Krimi" zudem jeglicher bildgestalterischer Raffinesse: Die Kamera (Felix Pflieger) schaut nur zu und setzt selbst kaum Akzente, weshalb eine symbolkräftige Einstellung mit einer vielfach gespiegelten Person umso deutlicher aus dem Rahmen fällt. Überdurchschnittliches Niveau hat allein die Musik (Christine Aufderhaar); auf diese Weise wird’s zumindest akustisch spannend. Reizvoll ist auch die Figur des Rechtsmediziners, der mit Alexander Beyer bereits vom vierten Darsteller verkörpert wird: Sanders Ex-Mann ist nebenbei Schriftsteller und auf diese Weise gleich zweifach beteiligt, denn im Zentrum der Ereignisse steht ein Buchverlag. Verschiedene Personen aus dem Umfeld des zwar renommierten, aber von der Pleite bedrohten Frankfurter Verlagshauses Winterscheid bekommen einen Brief ohne Absender. Der Umschlag enthält ein Foto, Kopien eines Tagebuchauszugs und ein Blatt mit dem Satz "Ich weiß, was du 1993 getan hast und du weißt es auch!". Mehrere der sieben jungen Leute auf dem Schnappschuss vom Urlaub an der französischen Atlantikküste leben bereits nicht mehr. Einer ist schon damals gestorben: Götz Winterscheid ist angeblich nach übermäßigem Alkoholgenuss wegen Liebeskummer ins Wasser gefallen und ertrunken. Die Handlung beginnt mit dem Verschwinden eines weiteren Mitglieds der Clique, die Leiche wird später am Flussufer gefunden. Die Programmleiterin des Verlags war mit der neuen Ausrichtung des Hauses – mehr Unterhaltung, weniger Kunst – nicht einverstanden, wollte einen eigenen Verlag gründen und ihre Autoren mitnehmen.
Die Einblicke ins Verlagswesen sind recht kurzweilig, zumal die Animositäten eine persönliche Komponente haben. Dass ein junger Verlagsleiter den Patriarchen verdrängt hat, birgt schon Zündstoff genug; sein Nachfolger setze auf "unbedeutende Schmierfinken", schimpft der Alte. Darüber hinaus sind die zwei Onkel und Neffe: Henri Winterscheid (Manfred Zapatka) hat Carl (Golo Euler), der sich schließlich als tragische Figur entpuppt, nach dem frühen Tod der Mutter bei sich aufgenommen. Wie fast alle Krimi-Familien hat auch diese unsympathische Mischpoke ihre "schmutzigen kleinen Geheimnisse", wie es einmal heißt, und das ist deutlich untertrieben: Die in diversen Rückblenden erzählten Ereignisse aus dem Sommer 1993 werden durch ein späteres Verbrechen, dem eine junge Lektorin (Deniz Orta) dank eines unveröffentlichten Manuskripts auf die Spur kommt, an Abscheulichkeit sogar noch übertroffen. Teil zwei folgt morgen.

