Eine Geschichte der Werkstätten Feministische Theologie
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Im Namen der Mutter, der Tochter und der Heiligen Geistin

Die Frauen mussten sich ihren Platz in der evangelischen Kirche erst schaffen. Einen Gipfel dieser Entwicklung stellen die Werkstätten zu Feministischer Theologie dar, die sowohl Pfarrerinnen als auch ehrenamtliche Frauen ermutigten, sich zu emanzipieren. Die Pfarrerinnen Ute Knie und Helga Engler-Heidle über den Schmerz der Frauen mit ihrer evangelischen Kirche - und wie sie sich davon befreiten.

Erste Anregungen für eine Feministische Frauenwerkstatt in der EKHN kamen von Frauen, die in der Akademie Bad Boll die ersten Frauenwerkstätten in der EKD durchgeführt hatten.

Die ersten beiden Werkstätten in der EKHN fanden statt in Trägerschaft der damaligen Gemeindeberatung bzw. der Evangelischen Akademie Arnoldshain. Gründerinnen waren u.a. Eva Renate Schmidt, Ute Knie, Hella Spitta.

1985 hat das Evangelische Pfarramt für Frauenarbeit in Frankfurt unter der Leitung von Pfarrerin Helga Engler-Heidle die Trägerschaft übernommen.

Kamen am Anfang bis zu 120 Frauen, so sind es in den kommenden Jahren durchschnittlich 80 Teilnehmerinnen in Mauloff im Taunus. Unterschiedliche Berufsgruppen, im Alter von 19 bis 80, unterschiedliche Lebensentwürfe und Bildungsschichten trafen sich für ein Wochenende zur inhaltlichen Fortbildung in feministisch theologischen Themen und zu erfahrungsbezogenen Gruppenarbeiten.

Die Inhalte

Allen gemeinsam ist die Suche nach einer Auseinandersetzung mit der patriarchalischen Theologie und die Suche nach eigenen Formen der Spiritualität. Sie erleben die feministisch theologischen Bibelarbeiten als große Befreiung und finden neue Wege in die christliche Tradition, die sie bisher als eher unterdrückend erlebt haben.

In der ersten Frauenwerkstatt 1983 waren die anwesenden Frauen sehr stark beschäftigt mit der drohenden Stationierung der Mittelstreckenraketen . Sie verfassten einen Brief an die Kirchenleitung der EKHN mit der Aufforderung,  sich für Abrüstung  und für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.  Es folgte ein Widerstandtag mit 40 Frauen und Kindern bei der Kirchenleitung in Darmstadt. Nach dieser Aktion kam es zur Gründung der Gruppe Frauen-Frieden.

Gefordert wurde die Einrichtung einer Friedenspfarrstelle  und einer Arbeitsstelle Frauen, die für die Gleichstellung von Frauen und Männern  im Haupt- und Ehrenamt arbeiten sollte. Weitere Themen waren die frauengerechte Sprache und die feministische Theologie und Spiritualität. Nach vielen Gesprächen der Gruppe Frauen Frieden mit der Kirchenleitung und einer intensiven Vorbereitung, an der viele Frauen der Basis mitgearbeitet  haben, kam es zu der ersten Frauenanhörung.

Auf dieser Frauenanhörung 1986 wurden die von den Frauen geforderten Veränderungen  der Kirchenleitung vorgetragen und in den nächsten Jahren Schritt für Schritt durchgesetzt.

  • Einrichtung eines Friedenspfarramts
  • Mehr Frauen  in leitenden  Ämtern
  • Einrichtung einer Arbeitsstelle Frauen
  • Feministische Theologie und Spiritualität soll in Gemeinde und Universität  einen Ort haben /Ein Verein wird gegründet
  • Stärkere Wertschätzung des Ehrenamts  /Eine  Ehrenamtsakademie wird errichtet
  • Gleichstellung von Frauen und Männern / ein Gleichstellungsgesetz  wird verabschiedet
  • Gerechte Sprache in Gottesdienst , in Gesetzestexten etc./ Die  Bibel in gerechter Sprache entsteht
  • Einrichtung eines Evangellschen Frauenbegegnungszentrums in Frankfurt

Die Pfarrerinnen laden Frauen aus dem Frankfurter-Frauengefängnis zu einer Werkstatt ein. Sie kamen in kleiner Gruppe mit ihrer Pfarrerin. Sie bewegten sich frei in der Frauenwerkstatt und nahmen sehr gerne dieses Wochenende in "Freiheit" an. Hier wurde im gemeinsamen Arbeiten und Feiern Solidariät unter Frauen gelebt, die sich sonst gar nicht begegnen wären.

2001 wird die Frauenwerkstatt eingestellt. 

Text von Pfarrerin Helga Engler-Heidle