Bekenntnisse

Wie sollen wir unseren Glauben verstehen? Wie ihn in Worte fassen? Wo finden wir einen gemeinsamen Nenner, dass nicht alle „irgendetwas“ glauben? Diese Fragen stellte man sich bereits ganz zu Beginn des Christentums. Im Laufe der vielen Jahrhunderte entstanden immer wieder Glaubensbekenntnisse, in denen man sich auf bestimmte Formulierungen einigte, die den gemeinsamen Glauben bekennen.
Lieber Herr Muchlinsky,

ich bin wenig religiös erzogen worden und erst durch die Konfirmation mit der Religion in Kontakt gekommen. Mir fehlt somit ein intuitiver, früher Zugang zum Glauben und mein „Einstieg“ war erst in einem Alter, das das Hinterfragen von Dingen mit sich bringt. So hat mich der Pfarrer in meinem Konfirmationsunterricht fast des Raumes verwiesen, als ich sagte, dass ich mir die Jungfrauengeburt nicht vorstellen könne.

Heute sehe die Jungfrauengeburt als Übersetzungsfehler bei dem aus „junge Frau“ fälschlicherweise Jungfrau wurde. Christus ist für mich ein Symbol dafür, dass wir alles Gottes Kinder sind und er ist für mich ebenso göttlich, wie jeder andere Mensch. Auch die Auferstehung ist für mich eher ein Gleichnis. Und Gott ist sowohl Du, als auch - im pantheistischen Sinne - eine Kraft, die alles durchdringt.

Meine Fragen dazu: Widerlaufen meine Einschätzungen unumstößlichen Glaubensinhalten der evangelischen Kirche? Und falls ja: Wieso können einige Dinge gleichnishaft gesehen werden (Stichwort Schöpfungsgeschichte neben der inzwischen auch von der Kirche anerkannten Evolutionstheorie), andere wiederum nicht? Macht dieses die Kirche nicht bei aufgeklärten Menschen im wahrsten Wortsinn „unglaubwürdig“?

In meinem Umfeld erlebe ich Menschen, die von klein auf christlich erzogen wurden - und etwas haben, was ich religiöses Urvertrauen nennen würde. Auch sie zweifeln viele Glaubenssätze an, fühlen sich durch den frühen emotionalen Zugang in ihrer Kindheit aber in Gottes Hand geborgen.

Haben Sie eine Idee, wie ich diesen emotionalen Zugang finden könnte, also zuzusagen lernen könnte, zu glauben? Denn die religiöse Leerstelle in meinem Leben würde ich gerne füllen, bei Gottesdiensten z.B., die mir eher blutleer erschienen, ist mir dies allerdings bislang nicht gelungen.

Mit Spannung freue ich mich auf Ihre Antwort.

Katharina