Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat vor einer wachsenden Gefährdung des demokratischen Rechtsstaats durch extremistische und völkische Ideologien gewarnt. Diese spiegele sich in Wahlerfolgen extremistischer Parteien und Wählergruppen wie der AfD wider, heißt es in einer am Freitag einstimmig verabschiedeten Erklärung der in Emden tagenden Synode.
Die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen 2026 und 2027 seien die nächsten "Prüfstände für die Demokratie". Die Erklärung ist zugleich der Auftakt zu einer Demokratie-Initiative der reformierten Kirche.
Bereits im November 2023 hatte die Synode ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt. Das neue Papier sei eine "Selbstvergewisserung und Standortbestimmung der reformierten Haltung", erläuterte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden. In den Gemeinden soll das Thema weiterbearbeitet und beispielsweise über die Sozialen Medien mit persönlichen Stellungnahmen verbreitet werden.
Einsatz für Menschenwürde ist Auftrag der Kirche
In ihrem Beschluss betonten die Delegierten: "In Jesus Christus haben alle Unterschiede der Menschen ihre trennende Bedeutung verloren." Daraus folge, dass alle Menschen gleichwertig seien - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, möglicher Beeinträchtigung oder Glauben. Es sei Auftrag der Kirche, für die Menschenwürde einzutreten.
Flucht und Versagen prägen Geschichte der Kirche
Das Kirchenparlament bekannte sich zu einem Demokratieverständnis, das die Rechte von Minderheiten schützt. Die Geschichte der reformierten Kirche sei von Flucht, Migration und Minderheitenerfahrungen, aber auch von Versagen während der NS-Zeit geprägt. Pointierte und radikale Auffassungen könnten zwar Teil des gesellschaftlichen Diskurses sein, "aber dabei gibt es Grenzen", hieß es. Mit dem christlichen Selbstverständnis sei es "nicht vereinbar, anderen Menschen oder Menschengruppen die Gleichheit und Würde abzusprechen".
Die Synodentagung endete am Freitag. Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören rund 146.000 Mitglieder in 135 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu.




