Mit seiner Wahl zum Papst tritt Leo XIV. in große Fußstapfen. Kein Papst vor seinem Vorgänger Papst Franziskus hat sich so stark für die Ökumene und den interreligiösen Dialog eingesetzt. Nach einem Jahr lässt sich feststellen, dass Leo XIV. die Linie von Papst Franziskus fortsetzt, aber dabei eigene Akzente setzt.
Knapp zwei Wochen nach seiner Wahl empfing der Papst im Vatikan Vertreterinnen und Vertreter anderer christlicher Konfessionen. Dabei sagte er "Einheit unter Christen kann nur Einheit im Glauben sein." Er betont, ähnlich wie Papst Franziskus, wie wichtig der Dialog sei. "Jetzt ist die Zeit für Dialog und das Bauen von Brücken", sagte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken bei dieser Audienz.
Als der neue Papst noch nicht einmal ein halbes Jahr im Amt war, stand ein für die Ökumene sehr wichtiger Termin an, der ursprünglich noch von Papst Franziskus vereinbart worden war. Im November 2025 reiste der Papst nach Iznik in der Türkei. Hier hatte vor 1.700 Jahren, als die Stadt noch Nicäa hieß, eines der wichtigsten Konzilien der Kirchengeschichte stattgefunden. Noch heute wird in vielen Gottesdiensten auf der ganzen Welt das damals beschlossene Glaubensbekenntnis gebetet.
Mats Nowak arbeitet seit 2021 in der Social Media Redaktion von evangelisch.de. Nach einem Studium der Musikwissenschaft studiert er Evangelische Theologie in Hamburg und arbeitet in der "Arbeitsstelle für Geschichte der Militärseelsorge". Derzeit studiert Mats Nowak am Centro Melantone in Rom.
Aufruf gegen Spaltung
Während des Treffens in Iznik traf sich Papst Leo XIV. auch erneut mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Konfessionen. Dabei hob er hervor: "Wir sind eingeladen, die Skandale der Spaltung zu überwinden." Denn die anhaltenden Spaltungen innerhalb der christlichen Welt würden auch die Glaubwürdigkeit der verschiedenen Kirchen beeinflussen. Daher rief der Papst in Iznik zur Versöhnung, auch zum Wohle der Glaubwürdigkeit, auf: "Je mehr wir versöhnt sind, desto glaubwürdiger ist unser Zeugnis."
Die in Iznik angesprochenen Punkte hat der Papst auch nochmal in einem apostolischen Schreiben, In unitate fidei (In der Einheit des Glaubens) vertieft. Auch dieses Schreiben stand im Zusammenhang mit dem Konzilsjubiläum. In diesem Text bemühte der Papst auch eine schon häufig verwendete Formel in der Ökumene: "Das, was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt."
Auch hiermit folgt Leo XIV. eindeutig der Linie von Papst Franziskus. Dieser hat in seinem Pontifikat immer wieder betont, wie wichtig für ihn eine synodale Kirche ist, die gemeinsam auf dem Weg ist. Diesen Weg weitet Leo XIV. aber in seinem Schreiben noch auf die anderen Kirchen aus, wenn er sagt, dass auch sie sich gemeinsam auf den Weg machen müssten.
Identität der Kirchen im Blick
Doch bei allen Bemühungen für eine bessere ökumenische Zusammenarbeit verliert der Papst nicht die Identität der Kirchen aus dem Blick. Immer wieder betont er die unterschiedlichen Gaben und das geistliche Erbe der Kirchen. Damit steht er auch ganz in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Trotzdem verfällt er dabei nicht in eine Beliebigkeit, die nicht nur von den anderen Kirchen die Aufgabe ihrer Identität fordern würde. Gleichzeitig verlangt er aber auch nicht, dass eine Ökumene so aussehen würde, dass alle anderen Kirchen wieder zur katholischen Kirche "zurückkehren" müssten.
Das gleiche gilt auch für seinen Umgang mit nicht-christlichen Religionen. Auch hier setzt der Papst auf Zusammenarbeit und einen gemeinsamen Weg; ohne dass dabei eine der Seiten ihre Identität aufgeben müsste.
Das gemeinsame Erbe der Konfessionen, das auch einschließt, dass Christinnen und Christen unterschiedlicher Kirchen Seite an Seite gelitten haben, stellte der Papst in den Mittelpunkt eines besonderen Gottesdienstes. Im Herbst des vergangenen Jahres lud er Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Kirchen in die Basilika Sankt Paul vor den Mauern ein, um gemeinsam der Märtyrerinnen und Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts zu gedenken.
Historische Begegnung mit König Charles III.
In dieser Basilika in Rom spielte sich ein historischer Moment der Ökumene ab. Nachdem Papst Leo XIV. und König Charles III. gemeinsam in der Sixtinischen Kapelle gebetet hatten (das erste Gebet dieser Art seit der Reformation in England), verliehen sich der Papst und der britische König gegenseitig Ehrentitel. So wurde Leo XIV. päpstlicher Konfrater der St. George’s Chapel in Windsor und Charles III. königlicher Konfrater ebendieser Basilika Sankt Paul vor den Mauern.
Bei Treffen mit jüdischen, muslimischen und anderen religiösen Vertreterinnen und Vertretern betont der Papst die gemeinsame Verantwortung, die für alle Religionen gleichermaßen gilt. Dabei geht es Papst Leo XIV. insbesondere um gemeinsame Bemühungen um die Bewahrung der Schöpfung und die Gerechtigkeit für alle Menschen.
Angesichts der verschiedenen Kriege, die zurzeit auf der Welt toben, setzt sich der Papst besonders stark für den Frieden ein. So begann bereits am 08. Mai 2025 sein Pontifikat. Als Robert Francis Prevost zum ersten Mal als Papst auf die Benediktionsloggia des Petersdoms trat, begrüßte er die Menge auf dem Petersplatz und in den Medien bekanntlich mit dem Friedensgruß.




