Weihnachten im Nahen Osten: Anschläge und viele Tote

Weihnachten im Nahen Osten: Anschläge und viele Tote
Hierzulande ist Friedensfest, aber es ist kein Frieden im Nahen Osten und Afghanistan. Die Weihnachtstage brachten religiösen Zwist zwischen Christen und Schabak, Anschläge, Bomben und Geiselvideos: Mehr als 70 Menschen starben, die Taliban präsentierten einen gefangenen US-Soldaten, und von den entführten Deutschen im Jemen gibt es trotz anderslautender Medienberichte kein offizielles Lebenszeichen.
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Zwischen Christen und Gläubigen der Schabak-Religion ist es am Freitag nahe der nordirakischen Metropole Mossul zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Die Christen verbarrikadierten sich in der Kirche von Bartala, als die Schabak angriffen, berichteten Augenzeugen in der Ortschaft 40 Kilometer nördlich von Mossul. Sechs Menschen wurden dabei verletzt.

Die Christen verließen die Kirche erst wieder, als irakische und kurdische Sicherheitskräfte (Peschmerga) in den Ort eingerückt waren und die Ordnung wiederhergestellt hatten. Zu dem Konflikt kam es, nachdem sich unter den Schabak das Gerücht verbreitet hatte, dass die Christen ein Plakat des schiitischen Märtyrers Hussein von der Wand gerissen und darauf herumgetrampelt hätten.

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Die Schabak sprechen einen kurdischen Dialekt. Ihr Glaube beruht auf dem schiitischen Islam und ist dem der türkischen Aleviten ähnlich. Ihre Zahl im Nordirak wird auf wenige Zehntausend geschätzt. Die irakischen Schiiten feiern in drei Tagen das Aschura-Fest, bei dem sie des Martyriums ihres Imams Hussein gedenken.

In der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk sagten die christlichen Gemeinden zu Weihnachten sämtliche kirchliche Gottesdienste und öffentliche Feiern ab. Den Schritt begründeten sie mit der prekären Sicherheitslage

Anschläge töten über 40 Menschen in Irak

Im Vorfeld des schiitischen Aschura-Festes ist am Freitagabend in Bagdad eine Prozession angegriffen worden. Drei Gläubige starben, als ein Sprengsatz neben ihnen explodierte. Sieben weitere Menschen wurden verletzt, berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Sicherheitskräfte. Wenige Stunden zuvor hatte ein Sprengsatz im Osten von Bagdad einen Zivilisten getötet und vier weitere verletzt. Bereits am Heiligabend waren bei mehreren Bombenanschlägen in Bagdad und im Südirak 35 schiitische Gläubige getötet worden.

Das Aschura-Fest erinnert an den Tod des Propheten-Enkels Hussein in der Schlacht von Kerbela im Jahr 680. Die Schiiten verehren ihn als Märtyrer ihrer Glaubensrichtung. Zu dem Fest am zehnten Tag des Monats Muharrem veranstalten sie große Prozessionen zu ihren Heiligtümern. Dabei geißeln sie sich zum Teil selbst, um das Märtyrium Husseins nachzuempfinden. Im Irak wurden die religiösen Prozessionen in den Jahren nach dem US-Einmarsch 2003 immer wieder zu Zielen von blutigen Anschlägen sunnitischer Extremisten.

In der nordirakischen Stadt Mossul erschossen derweil Unbekannte drei Beamte des örtlichen Volkszählungsbüros. In Tel Afar, 60 Kilometer westlich von Mossul, tötete am Freitag eine Autobombe drei kurdische Peschmerga-Milizionäre. Zehn weitere Männer wurden verletzt, als ihre Streife das mit einer Sprengladung präparierte Fahrzeug passierte, meldete Aswat al-Irak unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Taliban zeigen Video mit US-Gefangenem

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Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan haben ein Video veröffentlicht, das einen verschleppten US-Soldaten zeigt. Die Internationale Schutztruppe ISAF verurteilte das am ersten Weihnachtsfeiertag ins Internet gestellte Video scharf. "Dieser abscheuliche Akt (...) zeigt das gewalttätige und hinterlistige Gesicht der Aufständischen", erklärte die NATO-geführte ISAF in einer am Freitag in Kabul verbreiteten Erklärung.

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Gleichzeitig bestätigte die ISAF, dass es sich bei dem Soldaten im Film um den im Juli im Südosten Afghanistans verschleppten US- Gefreiten Bowe Bergdahl handelt. In dem Video identifiziert sich der Soldat in Uniform auch selbst als der 23-jährige Bergdahl. Er fordert die Amerikaner auf, gegen den Afghanistankrieg zu protestieren. "Afghanistan wird das nächste Vietnam, wenn das amerikanische Volk nicht aufsteht, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Zugleich gab der junge Soldat an, er werde in seiner Gefangenschaft menschlich behandelt.

Luftangriffe gegen El Kaida in Jemen

Bei einem Luftangriff der jemenitischen Armee auf eine mutmaßliche El-Kaida-Stellung in der südöstlichen Provinz Schabwah sind am Donnerstag (Heiligabend) nach offiziellen Angaben mindestens 30 Menschen getötet worden. Der Tod der beiden Führer des regionalen El- Kaida-Netzes bei der Aktion wurde allerdings von den Behörden nicht bestätigt. Nasser al-Wahaischi und sein saudischer Stellvertreter Said Ali al-Schihri sollen aber nach diesen Angaben an jenem Treffen von El-Kaida-Kadern teilgenommen haben, das von den jemenitischen Flugzeugen bombardiert wurde.

Örtliche Quellen sprachen allerdings von einer weit niedrigeren Opferzahl der Aktion in Schabwah. Das emiratische Internet-Portal "gulfnews.com" zitierte einen Scheich aus der Umgebung, demzufolge an dem Ort des angegriffenen Treffens lediglich fünf Männer begraben worden seien. Top-Führer der El Kaida seien keine darunter gewesen.

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Die Sicherheitskräfte gingen am selben Tag auch an anderen Stellen des Landes gegen die regionale El Kaida vor. In der Nachbarprovinz Abjan wurden "zwischen 24 und 30 Verschwörer getötet oder festgenommen", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur SABA. In der Hauptstadt Sanaa und ihrer Umgebung wurden vier mutmaßliche Terroristen getötet und 17 weitere festgenommen.

Offiziell kein neues Lebenszeichen der entführten Familie im Jemen

In Berlin erklärte unterdessen eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes, dass es keine neuen Erkenntnisse im Fall der im Jemen entführten deutschen Familie gebe. Die "Bild"-Zeitung hatte am Mittwoch berichtet, von den drei Kindern der aus Sachsen stammenden fünfköpfigen Familie sei ein Lebenszeichen aufgetaucht. Es gebe ein Video, das offenbar aus den vergangenen Wochen stamme. Die Familie war vor gut einem halben Jahr - Mitte Juni - entführt worden.

dpa