Mit "Mutpost" ist seit Mittwoch eine neue Plattform zur niedrigschwelligen Hilfe für Menschen in psychischen Krisen online. Über ein Kontaktformular könnten persönliche Briefe geschrieben werden, in denen Erfahrungen, Gedanken und Mutmach-Momente geteilt werden, teilte das initiierende Werner Felber Institut am Dienstag in Dresden mit.
Die geprüften Briefe würden dann auf der Seite hochgeladen und sollen Menschen in Not Halt geben.
Durch die echten Geschichten von Menschen, die Krisen überwunden haben, werde Hoffnung vermittelt und das Bewusstsein dafür gestärkt, dass schwierige Phasen überwindbar sind. "Gerade in schwierigen Lebensphasen kann es entscheidend sein, Hoffnung und Worte des Trostes zu finden, die zeigen: Du bist nicht allein", erklärte die Vorstandsvorsitzende des Instituts, Ute Lewitzka.
Kämpfen und leben
So steht zum Beispiel ein Brief online, der von einer Person names Natalie unterzeichnet wurde: "Wie mutig du bist, dass du hier liest. Denn das zeigt, dass du dich nicht aufgegeben hast, sondern kämpfst und leben willst. Geh diesen Weg weiter, einen Schritt nach dem anderen. Und wenn du das Gefühl hast, es geht nicht weiter, dann nimm Hilfe an. Denn das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Kraft, Mut und Lebenswillen. Du schaffst das. Ich glaube ganz fest an dich!"
In einem anderer Brief erzählt Patrik von seiner komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die bei ihm zu langanhaltenden Depressionen führte. Doch nach der Diagnose gehe es ihm inzwischen besser. Auch er findet hoffnungsvolle Worte: "Ich weiß, dass es ein langer und oft schwieriger Prozess ist. Und trotzdem möchte ich dir sagen: Es kann besser werden. Nicht auf einmal – aber Schritt für Schritt."
Es kann besser werden. Nicht auf einmal – aber Schritt für Schritt.
Zusätzlich biete die Plattform einen Soforthilfe-Button und eine Übersicht zu weiterführenden Angeboten und Anlaufstellen.
Fast 870.000 Briefe in englischer Version
Die Idee zu "Mutpost" kommt von der englischsprachigen Website "reasons to stay" ("Gründe zu bleiben"). Demnach startete Ben West das Projekt, nachdem sein Bruder Sam im Alter von 15 Jahren Suizid beganngen hatte. Für die Website wurden bislang knapp 870.000 Briefe geschrieben.
Laut Angaben des Werner Felber Institut ist Suizid die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25 Jahren. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland demnach rund 10.000 Menschen das Leben.
Hinweis: Wenn Sie oder jemanden, den Sie kennen suizidgefährdet sind, suchen Sie Hilfe. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/1110111 und 0800/1110222. Auch ein Kontakt per Chat und E-Mail ist möglich: telefonseelsorge.de


