Wie die evangelische Kirche Sachsen-Anhalt zusammenhält

Menschen beim Kirchentag 2017 auf dem Marktplatz von Dessau.
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Vor fast zehn Jahren kamen Protestant:innen zum Kirchentag am Marktplatz in Dessau zusammen. Genau dort findet nun das Hoffnungskulturfest statt.
Hoffnungskulturfest vor Wahlen
Wie die evangelische Kirche Sachsen-Anhalt zusammenhält
Knapp eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt setzt die Evangelische Landeskirche Anhalts mit dem Hoffnungskulturfest ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Am 30. August wird der Dessauer Marktplatz zum Treffpunkt für Musik, Gespräche, Gottesdienste und Begegnungen. Dabei will die Evangelische Landeskirche Anhalts zeigen, welche Rolle Kirche im Alltag der Menschen spielt und wie sie dort präsent ist.

"Kirche ist einladend, fröhlich, wertschätzend, bunt", sagt Kirchenpräsident Karsten Georg Wolkenhauer. In einer Zeit, in der viele Menschen mit Unsicherheit und gesellschaftlichen Spannungen umgehen müssen, soll das Fest einen Gegenpol setzen. Es geht um Begegnung und darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Von 11 bis 18 Uhr gibt es auf dem Marktplatz ein umfangreiches Programm. Der Tag beginnt mit einem Abendmahlsgottesdienst unter freiem Himmel und einem großen Posaunenchor. Anschließend lädt die Landeskirche an mehr als hundert Tischen zu einem kostenlosen Mittagessen ein. Auf der Bühne stehen Musik, Rudelsingen, Gespräche und Impulse auf dem Programm.

Kirsten Fehrs und Anna-Nicole Heinrich zu Gast

Zu den Gästen gehören unter anderem Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode. Musikalisch treten unter anderem Sebastian Krumbiegel, Annie Heger, das Nord Groove Collective und Simon Becker auf. Moderiert wird der Tag von der Journalistin Helene Bubrowski.

Ein wichtiger Teil des Festes sind die Einrichtungen, die sich mit ihrer Arbeit vorstellen. Dazu gehört die Bahnhofsmission. Sie ist für viele Menschen eine unkomplizierte Anlaufstelle, wenn sie unterwegs Unterstützung brauchen oder in einer schwierigen Situation stecken. Sie hilft Reisenden, Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen und ist auch für Wohnungslose oder Menschen in sozialen Notlagen da. Oft sind es ganz praktische Dinge: ein Gespräch, Hilfe beim Umsteigen, eine warme Anlaufstelle oder Unterstützung dabei, den nächsten Schritt zu finden.

Wo Kirche soziale Infrastruktur bietet

Damit erfüllt die Bahnhofsmission eine wichtige soziale Aufgabe. Sie ist dort erreichbar, wo Menschen ohnehin vorbeikommen: am Bahnhof. Gerade für Menschen, die wenig Unterstützung haben, kann diese niedrigschwellige Hilfe entscheidend sein. Beim Hoffnungskulturfest wird die Bahnhofsmission deshalb nicht nur als kirchliche Einrichtung sichtbar, sondern als Teil einer sozialen Infrastruktur, die für viele Menschen in Sachsen-Anhalt wichtig ist.

Auch die Telefonseelsorge gehört zu den Einrichtungen, die beim Fest über ihre Arbeit informieren. Ihr Angebot richtet sich an Menschen, die Sorgen haben, sich einsam fühlen oder sich in einer persönlichen Krise befinden. Die Gespräche sind vertraulich und anonym. Für jemanden, der gerade nicht weiß, mit wem er über seine Situation sprechen kann, ist allein die Möglichkeit, jederzeit jemanden zu erreichen, von großer Bedeutung.

Bahnhofsmission und Telefonseelsorge stehen dabei für zwei unterschiedliche Formen kirchlicher Arbeit. Die eine hilft unmittelbar und praktisch im Alltag, die andere bietet Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr. Gemeinsam zeigen sie, was es bedeuten kann, "nah bei den Menschen" zu sein.

Kletterturm und Posaunenchöre

Neben der Telefonseelsorge und der Bahnhofsmission präsentieren sich unter anderem das Bistum Magdeburg, das Anhalt Hospiz, die Diakonie Mitteldeutschland, das Umweltbundesamt und die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Für Kinder gibt es eine eigene Meile mit Kletterturm. Zahlreiche Posaunenchöre spielen außerdem auf dem Marktplatz, vor der Bahnhofsmission und am Bauhaus-Museum.

Zusammenhalt als Grundlage der Demokratie

Dass das Fest nur einige Tage vor der Landtagswahl stattfindet, gibt ihm zusätzliche Relevanz. Die Veranstaltung ist keine Wahlkampfveranstaltung. Trotzdem stellt sich angesichts der politischen Debatten in Sachsen-Anhalt die Frage, wie Zusammenhalt im Alltag funktionieren kann. Die Arbeit von Bahnhofsmission, Telefonseelsorge, Diakonie und anderen sozialen Einrichtungen gibt darauf eine konkrete Antwort: indem Menschen füreinander da sind und Hilfe nicht davon abhängt, ob jemand allein zurechtkommt.

Das Hoffnungskulturfest will diese Arbeit sichtbar machen. Es verbindet Gottesdienst und Kultur mit sozialem Engagement und lädt dazu ein, Kirche nicht nur als Institution, sondern als Teil des täglichen Lebens in Sachsen-Anhalt kennenzulernen. Den Abschluss bildet um 17 Uhr ein Schlagergottesdienst zum Mitsingen mit anschließendem Abendsegen.