Hitzewelle im Juni tötete mehr als 4.000 Menschen

Sonne hinter Wolken
Martin Vorländer/Fundus
An heißen Tagen können auch Wolken kaum Abkühlung bringen.
Schutz vor Hitze gefordert
Hitzewelle im Juni tötete mehr als 4.000 Menschen
An der extremen Hitze Ende Juni sind laut Robert-Koch-Institut mehr als 4.000 Menschen in Deutschland gestorben. Damit gab es in diesem Halbjahr bereits mehr als 5.000 Hitzetote. Jetzt nähert sich die nächste Hitzewelle.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte am Donnerstag ein Milliardenprogramm für Hitzeschutz, der Deutsche Caritasverband warf der Bundesregierung vor, mit ihrer Politik Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

Vom 22. bis zum 28. Juni seien in Deutschland knapp 22.000 Menschen gestorben, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag mit. Ohne Hitze seien rund 17.500 Sterbefälle statistisch erwartbar gewesen. Zusammen mit einer kleineren Spitze während einer Hitzephase im Mai seien im ersten Halbjahr in Deutschland mehr als 5.100 Menschen an Hitze gestorben, teilte das RKI weiter mit. Zum Vergleich: Im gesamten sehr warmen Jahr 2018 gab es etwas mehr als 8.000 Hitzetote.

Nur selten sei die Hitze allein die Todesursache, etwa bei einem Hitzschlag, erklärte das RKI. In den meisten Fällen führe eine Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen zum Tod. Daher stehe Hitze meist nicht als Ursache auf Totenscheinen, das Ausmaß hitzebedingter Todesfälle lasse sich deshalb nur mittels statistischer Methoden aufdecken.

Die Übersterblichkeit betrifft laut RKI-Zahlen überwiegend ältere Menschen. Ab einem Alter von 75 steige die Mortalität durch Hitze stark an, fast 3.000 der Hitzetoten in diesem Jahr seien älter als 85 gewesen. Allerdings gab es auch rund 300 Hitzetote, die jünger als 65 waren. Hier war die Schwankungsbreite der Schätzung aber sehr stark, die Zahl der Hitzetoten unter 65 in diesem Halbjahr kann auch bei weniger als 100 oder mehr als 500 liegen.

Außenbeschattung fehlt in Kliniken und Heimen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte ein Hitzestopp-Investitionsprogramm in Höhe von 30 Milliarden Euro für Kliniken und Pflegeheime bis spätestens 2027. Medizinisch-pflegerische Einrichtungen seien für die Erderwärmung nicht gewappnet, schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangele es.

Der Vorstand Finanzen und Recht im Deutschen Caritasverband, Friedrich von Schönfeld, nannte Pläne der Bundesregierung, Geld aus dem EU-Emissionshandel zur Haushaltskonsolidierung zu verwenden, falsch. Die Erderwärmung treffe schon heute vulnerable Menschen mit voller Wucht. "Wer heute hier spart, riskiert morgen und übermorgen deutlich schwere Schäden bis hin zu Übersterblichkeiten", sagte er.

Hitzewelle brach Temperaturrekorde

Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste Juni, der jemals in Westeuropa gemessen wurde. Weltweit sei der Juni der zweitwärmste jemals gemessene Monat gewesen, teilte der vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) betriebene Klimadienst am Donnerstag in Bonn mit. Europa sei im Juni von extremer Hitze heimgesucht worden.

Der Juni war den Angaben zufolge von Temperaturen nahe Rekordwerten geprägt, die durch die höchsten jemals für diesen Monat gemessenen Meeresoberflächentemperaturen verursacht wurden. Weltweit sei die monatliche durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur für die Ozeane außerhalb der Polarregionen die höchste jemals im Juni gemessene gewesen.