Tipps zum kostenlosen Abkühlen

Nebeldusche in Frankfurt City
epd-bild/Tim Wegner
Mit Nebelduschen, wie hier in der Frankfurter Innenstadt, versuchen Städte, Menschen Abkühlung zu verschaffen.
Hitzewelle als Herausforderung
Tipps zum kostenlosen Abkühlen
Die lang anhaltende Hitzewelle stellt arme Menschen vor besondere Herausforderungen: Oft haben sie keinen Garten, kein Geld für Eissalon oder Freibad. Die schlecht gedämmte Wohnung ist brütend heiß. Wo können sie sich abkühlen?

Ihre Wohnung ist brütend heiß und verfügt oft genug nicht über einen Garten: Arme Menschen leben oft in unsanierten Altbau-Wohnungen, die sich stärker aufheizen als moderne, gut gedämmte Wohnhäuser. Zudem machen sie die Erfahrung, dass am Ende des Geldes noch viel vom Monat übrig ist. An Besuche in Biergarten, Freibad oder Eisdiele ist unter diesen Umständen kaum zu denken, von Urlaub ganz zu schweigen. Doch wohin können Menschen mit wenig Einkommen gehen, um sich in der aktuellen Hitzewelle abzukühlen?

Wer es in der eigenen Wohnung nicht mehr aushält, kann zum Beispiel Kirchen aufsuchen. Evangelische Kirche in Deutschland und Diakonie rufen ihre Gemeinden schon seit Längerem dazu auf, Kirchenbauten und andere geeignete Räume an Hitzetagen als kühle Orte zu öffnen. Auch die Caritas rät dazu, "sich bei absoluter Hitze in alten Kirchen aufzuhalten".

Kühle Orte sind in vielen Kommunen auf interaktiven Karten im Internet zu finden, darauf weisen Diakonie und Deutscher Städtetag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) hin. Als niedrigschwellige Angebote sind dort angenehm temperierte Räume inklusive Informationen über die Barrierefreiheit sowie Trinkwasserbrunnen verzeichnet.

Ab ins Museum 

Eine angenehm temperierte und gleichzeitig abwechslungsreiche Umgebung sind etwa Museen. Doch sind sie auch erschwinglich? Geschäftsführerin Sylvia Willkomm vom Deutschen Museumsbund in Berlin verweist auf Zahlen des Instituts für Museumsforschung (2023), wonach bundesweit etwa ein Drittel der Museen freien Zutritt gewährt und 38,8 Prozent von ihnen höchstens fünf Euro Eintritt kosten. Nur gut jedes fünfte Museum (21,3 Prozent) verlangt demnach mehr als fünf Euro.

Klimatisierte Foyers und schattige Innenhöfe

Doch "Museen, die Eintritt erheben, berücksichtigen in ihrer Preisgestaltung in der Regel auch unterschiedliche Personenkreise und Zielgruppen", hebt Willkomm hervor, etwa für Menschen im Ruhestand. Mehr und mehr Häuser böten außerdem Aufenthaltsbereiche, die kostenfrei genutzt werden könnten, etwa klimatisierte Foyers, Lesesäle oder schattige Innenhöfe.
Neben Museen und Kirchen empfiehlt Willkomm Bibliotheken, Parks und öffentliche Gärten als mögliche Zufluchtsorte bei hohen Temperaturen.

Ganz ähnlich lauten die Ratschläge des Deutschen Städtetages, der sein eigenes Engagement und das seiner Mitgliedskommunen wissenschaftlich begründet: "Städte sind aufgrund ihres hohen Versiegelungsgrads besonders von Extremtemperaturen betroffen: Hitzeinseln halten die Temperaturen deutlich länger als im Umland", heißt es in seinem Diskussionspapier "Damit Hitze nicht krank macht: wie Städte cool bleiben".

Städte richten sich auf Hitzewellen ein

Der kommunale Spitzenverband stellt auf einer eigenen Webseite vorbildliche Hitzeschutz-Projekte einzelner Kommunen vor. Pressesprecherin Daniela Schönwälder betont, dass die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: "In den Städten vor Ort gibt es noch viel mehr", teilt sie  mit.

Das nordhessische Kassel etwa will mit verschenkten Setzlingen die Zahl der Bäume im Stadtgebiet von 90.000 auf 100.000 erhöhen. Die Bäume sind klimaangepasst und sollen Schatten spenden, die Temperatur senken, die Luftfeuchtigkeit erhöhen, Kohlendioxid binden und Sauerstoff produzieren. Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover hat im Stadtteil Vahrenwald auf einer etwa 1.500 Quadratmeter großen Grünfläche ein Mini-Wäldchen gepflanzt. Auch das nordrhein-westfälische Iserlohn setzt auf Begrünung: Aus Pflanzkübeln ranken leichte Kletterpflanzen entlang eines Stahlnetzes und bilden im Sommer auf einer Fläche von rund 80 Quadratmetern ein schattenspendendes, natürliches Sonnensegel.

Das baden-württembergische Lörrach spendierte im vergangenen Jahr Passanten in der Fußgängerzone zwei Nebelduschen zum Abkühlen beim Schaufensterbummel. In Cottbus bietet eine 5 mal 7 Meter messende und 2,60 Meter hohe Klima-Kiste aus Holz die Möglichkeit, Hitze und Lärm zu entkommen. Auch im niedersächsischen Hameln und anderswo gibt es Klima-Kisten.

Die Diakonie schließlich weist darauf hin, dass Ferienpässe für Kinder, die Anspruch auf Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, etwa in Berlin erstattet werden. "Die Berliner Variante des Ferienpasses enthält auch eine Badekarte, mit der Kinder in den Ferien einmal täglich kostenlos baden gehen können", erklärt die Sprecherin des evangelischen Wohlfahrtsverbandes, Kathrin Klinkusch.