TV-Tipp: "Rückkehr zum Land der Pinguine"

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4. Juli, Arte, 23.20 Uhr
TV-Tipp: "Rückkehr zum Land der Pinguine"
Der neue Film von Oscar-Preisträger Luc Jacquet ist ein poetisches, fast komplett in Schwarzweiß gehaltenes Reisejournal. Ein bildgewaltiges, sehr persönliches Plädoyer für den Schutz der polaren Natur.

Mit 23 Jahren ist Luc Jacquet zum ersten Mal an den Südpol gereist; seitdem hat ihn die Region nicht mehr losgelassen. 2005 hat er einen der faszinierendsten und bewegendsten Tierfilme überhaupt gedreht: "Die Reise der Pinguine" schildert die Wanderung der Kaiserpinguine ins Landesinnere, wo sie sich paaren und so lange gemeinsam ausharren, bis das ein Weibchen ein Ei legt und anschließend zurück zum Meer kehrt, um Nahrung zu besorgen; Jacquet erhielt für sein Kinodebüt den "Oscar" für den besten Dokumentarfilm, das Werk war weltweit erfolgreich; allein in Deutschland wurden 1,5 Millionen Eintrittskarten verkauft. Jahre später folgte eine nicht minder sehenswerte Fortsetzung, "Die Reise der Pinguine 2 – Der Weg des Lebens" (2017). Dass der Verleih die Dokumentation seiner dritten Expedition in die Antarktis "Rückkehr zum Land der Pinguine" genannt hat, ist zwar nicht völlig falsch, weckt jedoch falsche Erwartungen, denn die Kaiserpinguine tauchen erst am Schluss auf. Der Originaltitel lautet schlicht "Reise zum Südpol", und tatsächlich geht es diesmal vor allem um den Weg zum Ziel.

Jacquet ist Jahrgang 1967 und somit im Grunde noch zu jung für ein Alterswerk, aber genauso wirkt sein Film. Das ihm diesmal etwas völlig Anderes vorschwebte, verdeutlichen schon die Bilder, die mit Ausnahme von einer kurzen Sequenz, in der Eis plötzlich eine kühle blaue Farbe bekommt, in Schwarzweiß gestaltet sind. Manchmal ist das schade, weil ein Sonnenuntergang in Farbe natürlich prachtvoller ist, aber da ohnehin zumeist bloß Schnee, Eis, Felsen und der Himmel zu sehen sind, entfalten die Aufnahmen eine ganz eigene Wirkung. Die Tiere, denen Jacquet begegnet, sind ebenfalls nicht bunt, aber dennoch imposant, vom Kondor, der majestätisch zwischen den Bergen der Anden dahin gleitet, über die Flugkünste der Albatrosse bis zur Seeleopardenmutter samt Baby, ein seltener Anblick in freier Wildbahn; aber die Stars sind selbstredend wieder die liebenswert drolligen Kaiserpinguine.

 

Die Bildgestaltung (Christophe Graillot) ist beeindruckend, die große Kinomusik (Cyrille Aufort), mal donnernd, mal zärtlich, ist ungemein abwechslungsreich, doch was "Rückkehr zum Land der Pinguine" zu einem besonderen Film macht, ist die radikale Subjektivität. Jacquet möchte sein Publikum nachvollziehen lassen, warum ihn der Südpol seit über dreißig Jahren wie ein Magnet anzieht, und deshalb hat er den von ihm selbst gesprochenen Kommentar sehr persönlich gestaltet. Umso wichtiger war die Besetzung des Mannes, der ihm in der deutschen Version seine Stimme leiht; Ronald Zehrfeld, dieser Koloss von einem Schauspieler, macht das mit einer überraschenden Sanftheit. Die oftmals philosophischen Ausführungen sind anspruchsvoll, klingen dank Zehrfeld aber weder pathetisch noch belehrend. Nur selten wird der Tonfall resigniert, wenn Jacquet zum Beispiel ein riesiges Tal zeigt, das vor noch nicht allzu langer Zeit komplett mit Eis gefüllt war; fernab von jeder Zivilisation leidet die Natur auch am südlichsten Ende der Welt unter über den vom Menschen verursachten Klimawandel. 

Im Grunde ist der Film ein Reisejournal mit Bildern und entsprechend assoziativ. Mal erzählt Jacquet, der bis auf ganz wenige Ausnahmen nur als Silhouette im Gegenlicht vor dem Hintergrund verschneiter und eisiger Landschaften oder als einsamer Wanderer aus großer Entfernung zu sehen ist, dass er schon als Kind davon geträumt habe, die Welt zu erkunden, mal gedenkt er all’ der Entdecker, auf deren Spuren er sich bewegt, Männer wie der Portugiese Ferdinand Magellan, der als Entdecker der Antarktis gilt: "Was dachte und fühlte er, als er dieses Land zum ersten Mal sah?" Hin und wieder verlässt die optische Ebene diese subjektive Perspektive, wenn sich Jacquet an die Seite riesiger Blauwale träumt oder wenn sich Robben und Pinguine unterm Packeis tummeln; ansonsten geben die Bilder seine Sicht wieder. 

Der Rest sind Geräusche: das Bersten, wenn sich das Schiff seinen Weg durchs Eis bahnt, der ständige Wind, die Wellen. Und dennoch ist Jacquets Film auch und vor allem eine Hommage an die Reinheit und die Unendlichkeit der Stille. Die Reise macht ihm nicht nur deutlich, wie überwältigend hier alles ist, sondern vor allem, wie kostbar jedes einzelne Leben ist. Selbstverständlich ist sein Film auch ein Plädoyer für ein Dasein im Einklang mit der Natur: "Ohne sie sind wir Nichts." Den Kindern und Kindeskindern wünscht er, dass auch sie die Herrlichkeit der Welt noch erleben dürfen. 5., 3sat, 22.35: "Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht" (2020): Herzerfrischend schwarzhumorige Komödie mit Heino Ferch und Julia Koschitz als Hinterbliebene, die nicht so verwitwet sind, wie sie glauben.