trans* - Don't judge my journey
21 trans* Jugendliche erzählen von ihrem Weg - bewegend, nahbar und wichtig für alle Generationen.
Das Buch versammelt 21 Geschichten von trans* Mädchen und Jungen, die über mehrere Jahre hinweg begleitet wurden. Es zeigt eindrücklich, welche Gedanken und Gefühle die Einzelnen in den verschiedenen Phasen ihres Lebens bewegen und wie sich Sichtweisen mitunter verändern. Dabei werden auch schwierige, schmerzhafte Erfahrungen geschildert. Die Erzählungen sind ehrlich, bewegend und machen deutlich, dass es hier nicht um abstrakte Debatten geht, sondern um reale Leben und Schicksale. Damit füllt das Buch eine emotionale Lücke in der öffentlichen Diskussion um trans* Themen. Besonders für Jugendliche kann es ermutigend und entlastend sein, aber auch Erwachsene, Fachkräfte und Angehörige profitieren von den Einblicken. Das moderne Layout und die Fotos, die die Entwicklung der Jugendlichen über Jahre hinweg dokumentieren, schaffen Nähe und machen das Werk zugleich zugänglich und ansprechend. Ein wichtiges Buch, das berührt und Perspektiven erweitert.
Überall, wo Jugendliche eine Stimme und starke Schulter benötigen. Ob daheim, in der Schule oder in der Jugendarbeit.
Anja Raabe
trans* - Don't judge my journey. Beate Lakotta. Fotos von Walter Schels. Stuttgart: Gabriel 2025. 207 S. : überw. Ill. ; 21 cm.
ISBN 978-3-522-30756-7, kt.: 18 Euro
Oscar Wilde - Die Comic-Biographie
Gelungene Comic-Biografie des berühmten Enfant Terrible: Oscar Wilde.
Diese sehr gelungene Comic-Biografie über den berühmt berüchtigten Schriftsteller Oscar Wilde ist im Knesebeck Verlag erschienen. Auf knapp 120 Seiten wird im A4 Format vom Leben des irischen Poeten erzählt. Die italienischen Comickünstler Tommaso Vitiello (Text) und Licia Cascione (Bilder) orientieren sich am Stil der großen franco-belgischen Vorbilder und stellen das Leben Wildes in realistischen, aber farbenfrohen Bildern dar. Sehr gelungen ist die Erzählweise, bei der sein Leben in mehrere Abschnitte unterteilt ist, die am Anfang je mit einem Bild einer wachsenden und wieder verblühenden Blume illustriert werden. Man erfährt in kurzen, aber sehr prägnanten und interessanten Passagen wie Oscar Wilde aufwuchs, zum Star der englischen Gesellschaft wurde und dann von allen gemieden und ins Gefängnis gesteckt wurde. Seine damals skandalträchtige Homosexualität wird auch behandelt und zeigt die Tragik und Ungerechtigkeit der Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Eine sehr gut zu lesende Biografie in Bildform.
Diese kurze, prägnante und sehr anschauliche Biografie eignet sich sehr gut für den Ersteinstieg zu Leben und Werk von Oscar Wilde.
Christian Prange
Oscar Wilde - Die Comic-Biographie. Tommaso Vitiello. Ill. von Licia Cascione. Dt. von Monja Reichert. München: Knesebeck 2026. 123 S. : überw. Ill. ; 25 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-98962-020-9, geb.: 25 Euro
Himmelsfeuer
Kann Ánte seine Homosexualität offen leben und trotzdem als Rentierzüchter der traditionell samischen Gemeinschaft bestehen?
Ánte ist bis über beide Ohren in Erik verliebt. Die Familien der beiden Jungen gehören der traditionell samischen Gemeinschaft an und züchten seit Generationen Rentiere. Ánte ist tief verwurzelt in der samischen Kultur und kann sich einen anderen Lebensentwurf außerhalb der Gemeinschaft kaum vorstellen. Gleichzeitig wird Homosexualität in der samischen Gemeinschaft nicht offen ausgelebt und diskriminiert. Ánte ist sich noch nicht einmal sicher, ob es tatsächlich schwule Rentierzüchter gibt. Er gerät in einen tiefen inneren Konflikt. Als Erik zeigt, dass er seine Gefühle erwidert, ist Ánte mutig und wagt einen neuen Weg, der bisher undenkbar schien. Er bleibt in der Gemeinschaft und steht zu seiner sexuellen Orientierung. Ein großartiger, einfühlsamer Jugendroman, der Mut macht und schwer aus der Hand zu legen ist. Die Liebesgeschichte wird herzzerreißend beschrieben und der:die Leser:innen bekommen einen spannenden Einblick in die samische Kultur und auch für historische Verbrechen der Schweden an der Samen-Minderheit wird sensibilisiert.
Empfehlenswert ab 14 J. und auch für Erwachsene sehr lesenswert.
Rosa Bömelburg
Backe Åstot, Moa: Himmelsfeuer. Moa Backe Åstot. Dt. von Anu Stohner. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG 2026. 252 S. ; 21 cm. (Reihe Hanser). Aus d. Schwed. ISBN 978-3-423-65048-9, kt.: 16 Euro
Hitzetage
London unter Hitze und Druck – ein Debütroman voller Mitgefühl, Lebensnähe und scharfer Beobachtung.
Es ist heiß im Sommer 2019 – wie eine Kuppel stülpen sich Hitze, Dunst und Druck über London. Die Berichterstattung zum am Ufer der Themse gestrandeten Wal rahmt Oisín McKennas Debütroman, der vor Menschlichkeit und Mitgefühl nur so strotzt. Im Zentrum stehen Freund*innenschaften, lose Verbindungen und Liebesbeziehungen, die allesamt auf der Kippe zu stehen scheinen – und in der brodelnden Stadt überzukochen drohen. In der Übersetzung von Hans-Christian Oeser und Alexandra Titze-Grabec entsteht hier ein Sog: Die Buchseiten scheinen nach Londons Abgasen und schalem Bier zu riechen, nach Verzweiflung und Lebensplanung und der Frage, wer man eigentlich ist und sein will im Angesicht von Wirtschaftskrisen, Endzeitstimmung und Schicksalsschlägen. Während die Figuren zwischen Alltag, Partys und innerer Orientierungslosigkeit treiben, muss man einer Tatsache ins Auge blicken: solch sensible, menschenzugewandte und zugleich scharf beobachtete Debütprosa ist selten.
Ein einprägsames Debüt mit Schwerpunkt auf queeren Lebenskonzepten.
Mara Becker
McKenna, Oisín: Hitzetage. Roman. Oisín McKenna. Dt. von Hans-Christian Oeser u. Alexandra Titze-Grabec. Salzburg: Residenz 2026. 359 S. ; 21 cm.
Aus d. Engl. ISBN 978-3-7017-1822-1, geb.: 26 Euro
Thomas Mann - Ein Leben
Eine neue Sicht auf Thomas Mann.
Über 500 Seiten detailreiche Hinweise auf und aus dem Leben und dem Schaffen von Thomas Mann sind hier gesammelt; eine sehr reiche Quellenmaterialsammlung. Gab es die Hinweise schon immer - und nicht zuletzt von Thomas Mann selbst - legt Lahme hier das Schwergewicht seiner Betrachtung auf die sexuelle Orientierung des vor 150 Jahren geborenen Schriftstellers. Er verkürzt damit viele Aspekte dieses Lebens; fokussiert auf ein Thema, dem er im Lebensweg und den Romanen Manns nachgeht. Manns striktes Lebensprogramm wird als eines der Leugnung beschrieben. Heirat, Familiengründung, drastische Selbstdisziplin, fieberhaftes Verbergen der eigenen Homosexualität prägen diesen Lebensweg. Viele seiner literarischen Figuren stehen in einem ähnlichen Konflikt. Mann hier als ein Mensch, der nicht lieben durfte; verurteilt auf Lebenszeit zu Sehnsucht ohne Hoffnung, gefangen in einer unerfüllten Ehe, seine Neigungen in Literatur sublimierend. Der Schriftsteller wird als Homosexueller beschrieben, der seine sexuelle Identität lebenslang bekämpfte, eine doppelbödige bürgerliche Fassade lebte.
Für Literaturinteressierte sehr zu empfehlen; gut recherchiert, gut nach Quellen belegt, sehr gut zu lesen.
Christiane Spary
Lahme, Tilman: Thomas Mann - Ein Leben. Tilman Lahme. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG 2025. 587 S. : Ill. ; 22 cm.
ISBN 978-3-423-28445-5, geb.: 28 Euro
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