Mit deutlichen politischen Forderungen und einer weitreichenden Strukturreform ist am Sonntag der 74. Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) zu Ende gegangen. Rund 120 Delegierte sprachen sich in Pappenheim gegen eine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien aus und forderten eine staatliche Pflicht zur Seenotrettung. Mit dem Treffen endete eine seit 1952 bestehende Tradition: Das höchste ehrenamtliche Gremium des Verbandes tagte in dieser Form zum letzten Mal.
Unter dem Motto "What would Jesus* do? Kirche und Krawall" reagierte die EJB auf das Erstarken rechter Kräfte bei den Kommunalwahlen im März 2026. Im Beschluss "Christlich. Demokratisch. Menschenfreundlich." fordert der Verband die bayerische Staatsregierung auf, jegliche Zusammenarbeit mit Parteien zu unterlassen, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vertreten. Jana Meyer, die Vorsitzende des Leitenden Kreises, betonte am Wochenende, dass Glaube und politisches Engagement untrennbar zusammengehören.
Neben gesellschaftspolitischen Themen verabschiedeten die jungen Erwachsenen praktische Leitlinien für die Verbandsarbeit. So soll ein "Nachhaltigkeitseuro" als Anreiz für ökofaire Bildungsangebote geprüft werden. In Sachen Inklusion fordert die Evangelische Jugend die Einführung geschlechtsneutraler Toiletten in kirchlichen Einrichtungen und eine Anpassung der Gesetzeslage in Bayern. Auch der Jugendschutz des Verbands wurde erneuert: Die Präventionsrichtlinien zum Alkoholkonsum wurden auf Nikotin und Cannabis ausgeweitet.
Organisatorisch markiert die Versammlung eine Zäsur für den Verband. Nach 74 Sitzungen wurde die seit 1952 geltende Gremienstruktur verändert. Ab Januar 2027 wird die EJB mit einer neuen, flexibleren Struktur auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Dennoch soll der traditionelle Termin im Mai als zentrale Vernetzungs- und Bildungsveranstaltung erhalten bleiben.




