Ob als impulsive Münchner Taxifahrerin ("Die schnelle Gerdi"), als Mona an der Seite eines Schickeria-Klatschreporters ("Kir Royal") oder als Kriminalrätin Eva Maria Prohacek ("Unter Verdacht"): Die Schauspielerin Senta Berger hat sich im Lauf ihrer langen Schauspielkarriere den Ruf einer selbstbewussten, charismatischen und engagierten Frau erarbeitet, die sich wenig gefallen lässt.
Weder im echten Leben noch in ihren Rollen. Am 13. Mai wird die gebürtige Wienerin und Wahlmünchnerin, die bürgerlich Senta Verhoeven heißt, 85.
Zuletzt war Senta Berger in der Tragikomödie "Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" unter der Regie ihres Sohnes Simon Verhoeven in den deutschen Kinos zu sehen. Berger spielt darin eine ehemalige Schauspiel-Diva, die mit ihrem Mann den 20-jährigen Enkel bei sich aufnimmt, der in München die Schauspielschule besuchen will.
Mehr als eine Million Menschen haben den Film bereits in den Kinos gesehen. Doch lange hatte Berger Zweifel, ob sie die Richtige für den Film sei. Ihre Figur muss - wie sie selbst im wahren Leben - einen Verlust verarbeiten. 2024 starb Bergers Mann, der Filmproduzent Michael Verhoeven, mit dem sie fast 60 Jahre verheiratet war.
Hollywood-Debüt mit Charlton Heston
Der Tod ihres Mannes, mit dem sie zwei Söhne hat, traf sie hart. "Es ist eine Lücke, die nie mehr zu füllen sein wird", sagte sie in einem Interview mit der "Frau im Spiegel". Ihr Sohn Simon sagte der Münchner tz: "Der Tod meines Vaters war das Schlimmste, was ihr passiert ist, und ich glaube, damit zurechtzukommen, wird auch das Thema bis zu ihrem Lebensende bleiben." Kennengelernt hatten sich Senta Berger und Michael Verhoeven 1963, als sie gemeinsam den Film "Jack und Jenny" drehten, inklusive Filmkuss. "Von diesem Tag an blieben wir zusammen", schrieb Berger in ihrer Biografie "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" (2006).
Wenige Wochen später begann Bergers Hollywood-Karriere. Ihr erster Film: "Sierra Charriba" (1965) an der Seite von Charlton Heston. Die freizügige Badeszene mit Heston als "Major Dundee" begründete ihren Ruf als "sexy Fräuleinwunder" in Hollywood. Es folgten weitere Filme an der Seite von Schauspielgrößen wie Rita Hayworth, Kirk Douglas, John Wayne, Dean Martin, Alain Delon und Yul Brynner. 1969 kehrte sie nach Europa zurück. Es sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen, aus Hollywood wegzugehen und mit ihrem Mann eine eigene Filmfirma zu gründen, sagte sie einmal der "Augsburger Allgemeinen".
Die Mona in Helmut Dietls Kultserie "Kir Royal"
Auch in Europa war Senta Berger erfolgreich. Gelernt hat sie die Schauspielerei am Wiener Max Reinhardt. In den 1970er Jahren war sie vor allem in italienischen Produktionen zu sehen, jahrelang spielte sie die "Buhlschaft" im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. Ab den 1980er Jahren erschien sie vermehrt im deutschen Fernsehen, etwa als Mona in Helmut Dietls Kultserie "Kir Royal" oder als selbstbewusste Münchner Taxifahrerin in der von ihrem Mann produzierten Serie "Die schnelle Gerdi". Von 2002 bis 2019 war sie als Kriminalrätin Eva Maria Prohacek in der Serie "Unter Verdacht" zu sehen.
Lange vor "MeToo": 2006 machte sie sexualisierte Übergriffe öffentlich
2006 erschien ihre Biografie, in der sie - zehn Jahre vor "MeToo" - über eine Reihe sexualisierter Übergriffe durch männliche Kollegen berichtete und darüber, wie sie diese abwehrte. Charlton Heston bedrängte sie, versuchte, sie gegen ihren Willen zu küssen. Der US-Filmproduzent Darryl Zanuck entblößte sich vor ihr und forderte Sex ein, als sie wegen eines Films vorsprechen sollte. Und O.W. Fischer versuchte sie bei einer gemeinsamen Probe zu vergewaltigen. Die blauen Flecken auf ihrem Körper seien am nächsten Tag stillschweigend überschminkt worden. "Diese Demütigung. Diese Enttäuschung", erinnerte sich Berger.
"Wie oft war ich erstaunt gewesen, wie selbstverständlich Männer, ob Produzenten, Regisseure oder Schauspieler, meinten, ein Recht auf mich zu haben. Als eine Art Bonus, den die Arbeit mit sich brachte", schrieb Berger. Das Erstaunliche: Die Öffentlichkeit nahm 2006 kaum Notiz von den Enthüllungen. Erst 2021, als "MeToo" und das Gebaren des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein längst in der Welt waren, und sie im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erneut über übergriffige Schauspielkollegen wie O.W. Fischer sprach, folgte ein medialer Aufschrei.
Im "Stern" bekannte sie: "Wir haben abgetrieben"
Meinungsstark und selbstbewusst zeigte sich Berger oft. 1971 bekannte sie mit 373 anderen Frauen im Magazin "Stern": "Wir haben abgetrieben." Frauen jeden Alters hätten sie danach auf der Straße umarmt und "Danke" geflüstert, sagte Berger später. Die Aktion forderte die ersatzlose Streichung des Paragrafen 218, der Schwangerschaftsabbrüche verbot. Senta Berger wusste, welch dramatische Folgen Abtreibungsversuche verzweifelter Frauen ohne ärztliche Unterstützung haben können. Ihre Großmutter war nach einer Abtreibung qualvoll gestorben.
Sie denke im Alter öfter an den Tod, sagte die Schauspielerin einmal dem evangelischen Magazin "chrismon": "Ich fürchte ihn. Dann ist es aus, dann ist es dunkel." Gläubig sei sie nicht. Sie habe auch nie das Gefühl, etwas Göttliches zu spüren. "Ich beneide aber Menschen, die das können", weil man sich dann geborgen fühle. Aktuell erholt sich Berger von einem schweren Sturz von der Bühne, der eine Operation und eine mehrwöchige Reha zur Folge hatte. Große Gedanken um ihren Geburtstag macht sie sich daher offenbar nicht. "Was soll ich mir unter dem 85. Geburtstag vorstellen? Ich habe ihn noch nie erlebt", sagte sie im Gespräch mit der ZDF-Nachrichtensendung "heute".




