Natürlich sind Tirol und das Salzburgerland eine Reise wert, aber in Oberbayern ist es doch auch schön. Trotzdem werden seit einigen Jahren immer mehr deutsche Fernsehfilme im Nachbarland gedreht, und das keineswegs stets als Koproduktion mit dem ORF. Hierzulande soll die regionale Filmförderung im Wesentlichen die Produktionswirtschaft unterstützen; in Österreich wird sie vor allem als Investition in den Tourismus betrachtet. Das ist sicher nicht der einzige Grund für das Zustandekommen einer Reihe wie "Die Maiwald" (ausnahmsweise ohne den ORF produziert), aber die vielen Aufnahmen der in der Tat herrlichen Gegend rund um Salzburg wecken selbstredend Urlaubswünsche.
Davon abgesehen folgen die beiden Filme inklusive der binationalen Besetzung dem üblichen Standard solcher Reihen und Serien, die wahlweise dies- oder jenseits der Grenze zwischen den Bundesländern Bayern, Tirol und Salzburg spielen; manchmal, wie die "Die Toten von Salzburg" (ZDF), auch hüben und drüben. Fast immer handelt es sich um Krimis oder "Medicals". Dass die Titelfigur diesmal nicht Human-, sondern Veterinärmedizinerin ist, spielt keine Rolle: Ähnlich wie die Kolleginnen in der sehr verwandten ARD-Freitagsreihe "Zwei Frauen für alle Felle" kümmert sich Johanna Maiwald (Doris Schretzmayer) in ihrer Dorfpraxis nicht bloß ums liebe Vieh, schließlich beschränkt sich ihr feines Gespür keineswegs auf alles, was da kreucht und fleucht.
"Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch", hieß es einst in einer Futterwerbung, und selbstverständlich gilt auch der Umkehrschluss. Dass dem Bauern Andreas Reindl (August Schmölzer) die Lebensfreude abhanden gekommen ist, hat jedoch nur indirekt mit dem Gesundheitszustand seiner Lieblingskuh Hermine zu tun: Der verbitterte Witwer hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem nach Neuseeland ausgewanderten Sohn. Weil der Vater siebzig wird, überrascht Jakob (Bernhard Piesk) ihn mit einem unangekündigten Besuch. Die Begrüßung ist frostig. Der Alte war wohl schon immer ein Griesgram, aber mittlerweile ist er noch unleidlicher als sonst.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Im zweiten Film wehrt sich die junge Mutter Lisa (Zoe Moore) gegen die Übergriffigkeit ihres Freundes: Eigentlich ist Carlo (Joscha Kiefer) ein guter Kerl, aber er trifft dauernd Entscheidungen über ihren Kopf hinweg. Für ein bisschen Krimispannung sorgt die Frage, wer den beiden Katzen von Lisas Tochter nach dem Leben trachtet. Johanna hingegen ist aus freien Stücken Single. Das lässt zwar alle Möglichkeiten offen, zum Beispiel eine Romanze mit Jakob, aber es bleibt zunächst bei Sympathiebekundungen. Außerdem reicht ihr schon das Beziehungsgedöns ihres Bruders: Georg ist Bürgermeister und verheiratet. Als es im Rahmen einer Dienstreise in die Landeshauptstadt zu einem Seitensprung und Gattin Denise (Sonsee Neu) ihm auf die Schliche kommt, hängt der Haussegen schief.
Weil sie ihn vor die Tür setzt, kehrt er zum Entsetzen seiner Schwester, die sich sehr bewusst dafür entschieden hat, allein zu leben, ins einstige Elternhaus zurück. Da Johanna außerdem mit Denise befreundet ist, steht sie nun prompt zwischen den Stühlen. Michael A. Grimm ist zwar gebürtiger Münchner, weshalb sein Dialekt nicht recht passt, aber beim ZDF geht man wohl davon aus, dass das außerhalb Bayerns eh niemand merkt.
Das klingt alles nicht sonderlich originell, und in der Tat haben die Drehbücher (Claudia Matschulla, Arnd Mayer) nicht viel mehr zu bieten. Halbwegs witzig ist immerhin die Suche nach Verstärkung: Weil das Wartezimmer ständig überfüllt ist, kann Mitarbeiterin Paula (Klara Eham), die gute Seele des Betriebs, ihre Chefin überzeugen, sich um Unterstützung zu bemühen, aber niemand will in die Provinz; erst recht nicht der arrogante Uni-Absolvent Karim (Atrin Haghdoust), der seine Zukunft in der Forschung sieht. Johanna hat ihm zwar verschwiegen, dass ihre Praxis auf dem Land liegt, aber findet er doch noch Gefallen an der praktischen Arbeit; allerdings hat auch er nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Mindestens so wichtig wie die kleinen und großen Herausforderungen medizinischer und menschlicher Art sind ohnehin die zwischen jeden Szenenwechsel geschnittenen Landschaftsbilder, immerhin tummelt sich "Die Maiwald" auf dem Sendeplatz von "Bergdoktor" und "Bergretter". In diesen Reihen geht es allerdings deutlich prickelnder zu, zumal die Inszenierung (Tina Kriwitz) stellenweise recht betulich ist. Seltsamerweise ist auch niemandem aufgefallen, dass Zoe Moore ihren Filmpartner in einer Szene "Max" nennt. Ob das ZDF die Filme fortsetzt, ist noch offen.



