"MeToo"-Debatten bei der 68. Berlinale

Vier deutsche Filme gehen ins Bären-Rennen
Dieter Kosslick, Berlinale-Direktor

Foto: Britta Pedersen/dpa/

Dieter Kosslick, Berlinale-Direktor spricht bei der Pressekonferenz für die 68. Berlinale. Das Filmfestival soll vom 15.02-25.02.2018 stattfinden.

Vor dem Hintergrund der "MeToo"-Debatte werden wichtige Veranstaltungen der 68. Berlinale aus Wortbeiträgen zum Thema Sexismus und sexualisierte Gewalt bestehen.

Festivaldirektor Dieter Kosslick verwies am Dienstag in Berlin unter anderem auf die Podiumsdiskussion "Kultur will Wandel - Eine Gesprächsrunde zu sexueller Belästigung in Film, Fernsehen und Theater" und die Vorstellung der Initiative "Speak Up!". Zudem werde es Beratungsangebote für alle Besucher geben, die Diskriminierung oder Belästigung erlebten oder beobachteten, sagte Kurator Thomas Hailer.

Das zweite brisante Thema, das über dem Filmfest vom 15. bis 25. Februar schwebt, wollte Kosslick nicht mehr groß kommentieren: "Für mich ist die Geschichte durch", sagte er mit Blick auf die Ende 2017 geäußerte Kritik an seiner Filmauswahl und den Brief von knapp 80 Filmschaffenden, die eine Strukturreform der Berlinale fordern. Er gehe "mit guten Gefühlen" in seine vorletzte Berlinale, betonte Kosslick, dessen Vertrag 2019 nach 18 Jahren endet.

Als einen der Wettbewerbsbeiträge kündigte er den Film "Utoya 22. juli" von Erik Poppe über das Massaker des Rechtsextremisten Anders Breivik mit 77 Toten 2011 in Norwegen an. Die Sektion Berlinale Special präsentiert unter anderem den Dokumentarfilm "Songwriter" über den britischen Musiker Ed Sheeran. Einen "roten Faden" gebe es dieses Mal nicht, sagte Kosslick, aber Schwerpunkte wie Zivilcourage, Künstlerschicksale und erneut Flüchtlingsgeschichten.

Insgesamt werden 385 Filme gezeigt, 24 Beiträge laufen im Wettbewerb, 19 konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 24. Februar vergeben werden. Aus Deutschland sind vier Filme im Rennen. Christian Petzold verlegt in der Verfilmung des Anna-Seghers-Romans "Transit" die Zweite-Weltkriegs-Geschichte über einen vor den Nazis nach Frankreich fliehenden Deutschen in die Gegenwart. "In den Gängen" von Thomas Stuber handelt von der Arbeitswelt im Großmarkt. Philip Gröning zeigt "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" über die Hassliebe eines Zwillingspaares. Emily Atefs "3 Tage in Quibéron" schildert Romy Schneiders Interview mit dem Journalisten Michael Jürgs im Jahr 1981.

Die Westernkomödie "Damsel" von David und Nathan Zellner wartet mit Robert Pattinson und Mia Wasikowska auf, die auch auf dem roten Teppich in Berlin erwartet werden. US-Regisseur Gus Van Sant ist mit "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot? über den Zeichner John Callahan vertreten. Benoit Jacquot besetzte seinen im Schneesturm spielenden Psychothriller "Eva" mit Isabelle Huppert, auf die sich Autogrammjäger ebenfalls freuen können. Um die Bären konkurrieren zudem etwa das mexikanische Roadmovie "Museo" mit Gael Garcia Bernal und die iranische Komödie "Khook (Pig)" von Mani Haghighi.

Eröffnet wird die Berlinale mit dem Animationsfilm "Isle of Dogs - Ataris Reise" von Wes Anderson. Darin bricht in Japan die Hundegrippe aus, alle kranken Tiere werden auf eine Insel verbannt. Auch Anderson und Bernal haben zugesagt, nach Berlin zu kommen. Außer Konkurrenz läuft der Dokumentarfilm "Eldorado" von Markus Imhoof. Basierend auf seiner persönlichen Begegnung mit einem italienischen Flüchtlingskind im Zweiten Weltkrieg erzählt der Schweizer, wie Flüchtlinge und Migranten heute behandelt werden. Außerhalb des Bären-Rennens ist auch der Thriller "7 Tage in Entebbe" mit Daniel Brühl zu sehen, in dem José Padilha die Entführung eines Air-France-Flugzeuges 1976 und die Befreiung in Uganda schildert. Ferner präsentiert Steven Soderbergh den Horrorthriller "Unsane" über eine Frau, die unfreiwillig in der Psychiatrie landet.

Prominente Produktionen gibt es auch im Berlinale Special, etwa "The Bookshop" von Isabel Coixet mit Emily Mortimer und Bill Nighy, "The Happy Prince" von Rupert Everett mit Colin Firth und Emily Watson sowie aus Deutschland "Das schweigende Klassenzimmer" von Lars Kraume.

Den Vorsitz der Internationalen Jury hat der deutsche Regisseur Tom Tykwer, ihm zur Seite stehen die belgische Schauspielerin Cecile de France, die US-Produzentin Adele Romanski, die US-Filmkritikerin Stephanie Zacharek, der japanische Komponist Ryuichi Sakamoto und der frühere Leiter der Filmoteca Española, Chema Prado. Mit dem Goldenen Ehrenbären wird der US-Schauspieler Willem Dafoe für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit der Berlinale Kamera werden Beki Probst, Katriel Schory und Jiri Menzel geehrt. Der Ticketvorverkauf für die 68. Berlinale beginnt am 12. Februar.