Rolle der Diakonie im Nationalsozialismus

Leiter des Diakonie-Museums in Rummelsberg Thomas Greif
epd-bild/Rummelsberger Diakonie
Der Leiter des Diakonie-Museums in Rummelsberg, Thomas Greif, will aufzeigen, was die diakonischen Einrichtungen in Bayern in der NS-Zeit getan haben.
Ausstellung im Diakoniemuseum
Rolle der Diakonie im Nationalsozialismus
23 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und den Niederlanden haben sich jahrelang mit der Rolle der bayerischen Diakonie im Nationalsozialismus beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Forschung werden nun im Diakoniemuseum Rummelsberg gezeigt.

In einer neuen Ausstellung im Diakoniemuseum Rummelsberg setzt sich die bayerische Diakonie mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus auseinander. Unter dem Titel "Eiskalt sind die! Diakonie und Nationalsozialismus in Bayern" soll anhand von Originaldokumenten, Biografien, Graphic Novels und Medienstationen gezeigt werden, wie diakonische Einrichtungen zwischen Begeisterung, Anpassung und Mitläuferschaft schwankten, teilte die Rummelsberger Diakonie mit. Die Schau wird am 24. April um 17 Uhr vom bayerischen Landesbischof Christian Kopp im Beisein von Vertretern der Landeskirche, des Diakonischen Werks Bayern und der Wissenschaft eröffnet.

"Die Ausstellung konfrontiert uns mit einer schmerzhaften Wahrheit: In Kirche und Diakonie war die Begeisterung für das NS-Regime anfänglich enorm und mündete fast nirgends in wirklichen Widerstand," sagt Thomas Greif, Historiker und Leiter des Diakoniemuseums. Engagierte Christen wie der Rummelsberger Brüderpfarrer Wilhelm Strohm glaubten, mit Hitlers Machtergreifung sei "eigentlich das Reich Gottes aufgebrochen". Die Ausstellung will unter anderem zeigen, was diese fatale Fehleinschätzung für die diakonische Arbeit bedeutete.

Ein besonderer Fokus liegt auf der "Aktion T4", der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen - darunter über 1.200 Patienten aus Neuendettelsau, von denen viele in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert wurden. "Die Geschichte der Diakonie im Nationalsozialismus ist kein abgeschlossenes Thema", sagt Museumsleiter Greif. "Sie mahnt uns, wachsam zu bleiben gegenüber Ideologien, die Menschenwürde infrage stellen."



Grundlage der Schau ist ein wissenschaftlicher Begleitband, in dem die Ergebnisse jahrelanger Forschung von 23 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und den Niederlanden gesammelt wurden. Unterstützt wurde das Projekt vom Diakonischen Werk Bayern und der bayerischen evangelischen Landeskirche.