Im Frankfurter Diakonissenhaus endet eine Ära

Ulrike Schölmerich und Heidi Steinmetz
epd-bild/Renate Haller
Mit 23 Jahren trat Heidi Steinmetz (re.) in das Frankfurter Diakonissenhaus ein. Als letzte Oberin der Frankfurter Diakonissen wird sie nun aus ihrem Dienst entpflichtet. Links im Bild die die Kaufmännische Geschäftsführerin Ulrike Schölmerich.
Letzte Oberin entpflichtet
Im Frankfurter Diakonissenhaus endet eine Ära
Über 156 Jahre nach der Gründung des Frankfurter Diakonissenhauses wird am Sonntag die letzte Oberin entpflichtet. Dennoch ist die Stimmung zuversichtlich.

Heiraten und Kinder bekommen, diese Ereignisse im Leben vieler Frauen hatte auch Heidi Steinmetz für sich erwartet. Es kam anders. Mit 23 Jahren trat sie in das Frankfurter Diakonissenhaus ein, hat einige innere Prüfungen erlebt und ist geblieben. Seit 2002 ist sie Oberin der Schwesterngemeinschaft und am Sonntag tritt ein, was sie seit Jahren weiß: Sie wird als letzte Oberin der Frankfurter Diakonissen aus ihrem Dienst entpflichtet. Dennoch schließt sie nicht die Tür des Diakonissenhauses hinter sich zu.

"Hier geht alles weiter", betonen Oberin Heidi Steinmetz und die Kaufmännische Geschäftsführerin Ulrike Schölmerich gleichermaßen. Die Diakonissenkirche - vermietet an die freikirchliche evangelische CityChurch - bleibt weiter täglich geöffnet, Bibelkreis und Waffelcafé werden angeboten, der Tagungs- und Gästebetrieb läuft weiter. "Der geht gerade richtig durch die Decke", freut sich die 66-jährige Oberin.

Gelegen im ruhigen und grünen Frankfurter Holzhausenviertel mit Gründerzeitvillen, breiten Alleen und dennoch innerstädtisch, hat das Diakonissenhaus einen attraktiven Standort. Das sei ein großer Vorteil, jedoch nicht der alleinige Grund für die Beliebtheit des Tagungs- und Beherbergungsbetriebs, sagt Geschäftsführerin Schölmerich.

Attraktiver Standort und diakonischer Geist

In den vergangenen Jahren sei es gelungen, mit Schwesternschaft und den aktuell 14 Mitarbeitenden eine Gemeinschaft zu bilden, in der "alle wollen, dass es hier gut weitergeht". Der diakonische Geist der Schwestern, die Betonung des Gemeinsamen und die Fürsorge untereinander strahlten aus. "Hier blicken alle positiv auf das Leben", sagt Schölmerich. Gerade im Kleinerwerden sei diese optimistische Grundstimmung wichtig, ergänzt Oberin Steinmetz.

Die Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft der Diakonissen ist Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die Frauen lebten ehe- und kinderlos in den Mutterhäusern zusammen und arbeiteten vor allem in der Kranken- und Altenpflege. Neben dieser traditionellen Form gibt es inzwischen Modelle, nach denen auch verheiratete Frauen in die Gemeinschaft aufgenommen werden können, nicht mehr im Mutterhaus leben oder auf die Tracht verzichten. Die Schwesternschaft in Frankfurt habe sich jedoch für den traditionellen Weg ausgesprochen, erklärt die Oberin. Damit sei irgendwann klar gewesen, dass es keinen Nachwuchs mehr geben werde.

Diakonissentracht ist keine Uniform

Als Heidi Steinmetz 1983 in das Diakonissenhaus eintrat, gab es 130 Schwestern, von denen viele noch in der Pflege oder in anderen sozialen Berufen tätig waren. Als sie Oberin wurde, waren es 70, und heute sind es mit ihr noch sechs. Zwei Schwestern leben im benachbarten Altenpflegeheim Nellinistift, das von der Inneren Mission betrieben wird, die anderen vier im Mutterhaus, einer umgebauten Jugendstilvilla. "Wir sind hier alle bestens versorgt und die Schwestern genießen das Leben im Haus", sagt die Oberin.

Von Freunden und Verwandten sei sie gefragt worden, wo sie nach der Entpflichtung wohnen und ob sie die dunkelblaue Tracht mit weißem Häubchen ablegen werde. "Ich bin doch keine Polizistin, die nach Dienstende die Uniform ablegt", sagt die Oberin belustigt. Sie bleibe im Mutterhaus wohnen, werde ihre Schwestern im Altern begleiten und endlich neben dem Stadtleben auch mal ihr Zimmer genießen, fügt sie hinzu.

Berufung durch Gott gibt Halt

Es habe für sie Zeiten der Prüfung gegeben, erzählt Steinmetz. Zeiten, in denen sie sich gefragt habe: "Bin ich hier richtig?" Letztlich habe sie die Frage immer bejaht. Auch als Oberin habe es ihr Halt gegeben zu wissen, dass sie von Gott in dieses Amt berufen und von den Schwestern gewählt worden sei. "Ich hatte ein tolles Berufsleben", fasst die Erziehungswissenschaftlerin und frühere Leiterin einer Fachschule für sozialpädagogische Berufe zusammen.

Zum Frankfurter Diakonissenhaus gehören neben dem Mutterhaus mit Verwaltung und Empfang das Tagungshaus mit Gästezimmern und Appartements, Festsaal, Andachtsraum und Café sowie die Kirche. Organisiert ist das Diakonissenhaus als ein Verein alten Rechts, Vorstandsvorsitzende ist noch Oberin Steinmetz, künftig Geschäftsführerin Steinmetz.

Auch das Büro der letzten Oberin bald vermietet

"Mein Büro wird auch bald vermietet", sagt Oberin Steinmetz und klingt dabei kein bisschen traurig. Sie liebe Veränderungen und freue sich auf das, was kommt. Einkünfte gibt es durch die Tagungen und den Gästebetrieb, in sinkendem Umfang durch die Alterseinkünfte der Schwestern, die alle berufstätig waren, und durch die Vermietungen der Kirche und einzelner Büros.

Am Sonntag, 31. Mai, wird Oberin Heidi Steinmetz während eines Gottesdienstes ab 14 Uhr entpflichtet. Die Diakonissen werden außerdem für 156 Jahre Dienst in Pflege, Seelsorge und sozialer Arbeit in Frankfurt und Umgebung gesegnet und ein Diakonissenweg auf dem Gelände des Diakonissenhauses eingeweiht. Der Geschichtsweg soll die Tradition, das Wirken und den geistlichen Auftrag der Schwestern sichtbar machen.