Der Petersplatz liegt unter einem bunten Teppich aus Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Rosen und anderen Gewächsen. Rund 70.000 Blumen schmücken die weiten Treppenstufen, die zum Petersdom hinaufführen. Die "Bloemenpracht" aus Holland wird seit 40 Jahren zu Ostern als Geschenk für den Papst errichtet.
Den besten Blick auf diese bunte Pracht hat man wahrscheinlich von der Loggia des Petersdoms. In diesem Jahr durfte Leo XIV. zum ersten Mal im Amt des Papstes von dort über das Blumenmeer blicken. Nicht nur die 70.000 Blumen, auch 50.000 Gläubige schauten zu ihm auf - gespannt darauf, was der Papst der Welt in seiner Osterbotschaft zu sagen hatte.
Zum Ende seines ersten Osterfestes wandte sich der neue Papst mit einem Friedensappell an die Welt. "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!", forderte Leo in seiner Ansprache am Ostersonntag, bevor er von dem Balkon aus den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis) spendete.
Dialog statt Gewalt
Das "Urbi et Orbi" ist eines der bekanntesten Rituale der katholischen Kirche. Er wird zu Weihnachten und zu Ostern gespendet. Es waren auch die letzten Worte, die Papst Franziskus öffentlich äußerte. Nach einem fünfwöchigen Krankenhausaufenthalt gab der 88-Jährige vor einem Jahr mit schwacher Stimme der Welt seinen Segen. Am Morgen des Ostermontags dann kam die Nachricht: Papst Franziskus war gestorben.
Das Osterfest war daher in diesem Jahr auch stark geprägt von der Erinnerung an den Vorgänger. Leo nahm immer wieder Bezug auf die Worte von Papst Franziskus. So auch in seiner Osterbotschaft am Ostersonntag. Frieden werde nicht mit Gewalt erzwungen, sondern durch Dialog, sagte Leo, "nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen!" Die Welt sei gerade dabei, sich an Gewalt zu gewöhnen. "Wir finden uns damit ab und werden gleichgültig."
Gleichgültig werde die Menschheit auch gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die die Konflikte verursachten. "Es gibt eine immer ausgeprägtere ‚Globalisierung der Gleichgültigkeit‘, um einen Ausdruck zu verwenden, den Papst Franziskus gern verwendet hat", zitierte Leo seinen Vorgänger.
Viele Vermerke auf den Vorgänger
Auch in seiner Predigt während der Heiligen Messe auf dem Petersplatz erinnerte Leo an die Worte seines Vorgängers. Es sei wahr, dass es oft so scheine, als existiere Gott nicht, zitierte er aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium": "Wir sehen Ungerechtigkeit, Bosheit, Gleichgültigkeit und Grausamkeit, die nicht aufhören." Es sei aber auch gewiss, dass "mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das früher oder später Frucht bringt."
Aber: Anders als Franziskus zählte Leo die Konflikte und Kriege auf der Welt in seiner Osterbotschaft nicht auf, sondern sprach sich in allgemein gehaltenen Worten gegen die Gewalt aus. Bei der Kreuzwegsprozession an Karfreitag rund um das Kolosseum trug der 70-jährige Pontifex das schlichte leichte Holzkreuz selbst. Das hatte laut "Vaticannews" zuletzt Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 getan.
Die Texte für die 14 Meditationen über den Leidensweg Jesu hatte in diesem Jahr der italienische Pater Francesco Patton verfasst. Sie waren teilweise stark von aktuellen politischen Ereignissen geprägt. Patton war von 2016 bis 2025 Kustos im von der katholischen Kirche sogenannten Heiligen Land und lebt aktuell in Jordanien.
Bei Franziskus standen Migranten im Mittelpunkt
Franziskus hatte die Meditationen oft von Menschen aus benachteiligten Gesellschaftsgruppen verfassen lassen, darunter Migranten, Strafgefangene, Menschen aus Ländern, in denen Krieg geführt wird, oder Menschen mit Behinderung. Diese Menschen hatte Franziskus auch an anderer Stelle in den Mittelpunkt der Osterfeierlichkeiten gestellt. Den traditionellen Ritus der Fußwaschung an Gründonnerstag vollzog Franziskus an Migranten oder Strafgefangenen - mitunter an Frauen.
Papst Leo kehrte an seinem ersten Osterfest zu der früheren Auslegung des Brauches zurück. In der Lateranbasilika wusch er zwölf römischen Priestern die Füße, wie es auch in den Pontifikaten vor jenem von Franziskus (2013-2025) üblich gewesen war.
Beendet hat Leo das Osterfest im Gedenken an Franziskus. Seine Ansprache vor dem Angelusgebet am Ostermontag schloss er mit den Worten: "Im Licht des Auferstandenen denken wir heute mit besonderer Zuneigung an Papst Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres sein Leben in Gottes Hand zurückgegeben hat."



