Kirchen rufen zu Frieden und Widerständigkeit auf

Entzünden einer Osterkerze
Rolf Oeser/Fundus
Die neu entzündete Osterkerze steht für Erleuchtung, für Hoffnung und Neuanfang.
Osterbotschaften der Kirchen
Kirchen rufen zu Frieden und Widerständigkeit auf
Angesichts der Kriege weltweit richten die Kirchen eindringliche Friedensappelle an die Mächtigen. Man müsse Machtmissbrauch entgegentreten und wieder lernen, sich gegenseitig zuzuhören. Die Osterrituale könnten eine starke Kraftquelle sein, um auszuhalten und sich für den Nächsten einzusetzen.

Friedensappelle der Kirchen zum Osterfest: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!", forderte Papst Leo XIV. in seiner Osteransprache. Auch in Deutschland nahmen leitende Geistliche in ihren Osterpredigten Bezug auf Kriege und Konflikte weltweit.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sieht in der Osterbotschaft trotz wachsender Verunsicherung durch Krisen und Kriege eine elementare Quelle von Hoffnung und Halt. "Die Abgründe der Welt sind nicht die ganze Wirklichkeit. Darin liegt die Kraft von Ostern", betonte die Theologin in ihrer bereits vor dem Fest veröffentlichten Osterbotschaft. Die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi sei "eine der machtvollsten Hoffnungsgeschichten, die wir kennen".

"Not und Leid haben nicht das letzte Wort", unterstrich die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin. "Mich berührt in diesem Jahr besonders, wie widerständig und kraftvoll dieser Osterruf ist: Die Zuversicht, dass das Leben siegt, inmitten all der Kriege und des Elends dieser Tage."

"Gottes Machtwechsel"

Die Welt braucht das Osterfest nach Überzeugung des bayerischen Landesbischofs Christian Kopp mehr denn je. "Denn der Tod hat unsere Welt fest im Griff. Gewalttaten, Ängste, Zerstörung, Kriege", sagte der evangelische Theologe in seiner Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche laut Manuskript. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sprenge alle Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Eskalationen im Nahen Osten entsetzten ihn.

"Aber gerade weil jetzt Ostern ist und ich an Gottes Machtwechsel glaube, gilt: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein. Never ever", sagte Kopp. Und doch fühle er sich hilflos. "Die Mächtigen machen, was sie wollen: nehmen sich Land, verdienen Millionen mit ihrem Insiderwissen und Spekulationen, pfeifen auf Völkerrecht und Menschenleben und Würde."

Die Welt ist "oster-reif"

Die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn, rief dazu auf, mit "österlicher Haltung" Machtmissbrauch entgegenzutreten, sich für Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen sowie Menschen zusammenzubringen. "Steine, die Wege versperren, Steine, die wie Mühlsteine schwer auf Menschen lasten - unsere Welt ist voll davon", sagte sie bei einer Predigt in Wuppertal. "Wie Steine reihen Krisen sich aneinander. Zu viel korrupte und verdorbene Macht."

Der rheinische Präses Thorsten Latzel wirbt für ein Umdenken. "Wir bekommen es immer weniger hin, mit denen zu reden, die anderer Meinung sind: zuzuhören, zu verstehen, geschweige denn, miteinander zu essen", erklärte er in Düsseldorf in seiner Osterbotschaft. Die Menschheit sei "oster-reif", weil "wir es als Menschen gerade richtig vermasseln". "Wir geben zig Milliarden weltweit für Rüstung aus, obwohl wir jeden Cent gegen den Hunger bräuchten."

Gegen das "Recht des Stärkeren"

Die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder hat in ihrer Osterbotschaft die Hoffnung betont. Überall auf der Welt erlebten Menschen Qual, Leid, Schmerz und Tod. Dennoch oder gerade deshalb feierten Christen auf der ganzen Welt das Osterfest, mitten im Krieg, mitten im Frieden.

Der Bremer Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus sieht Ostern als "Gegenbewegung zu den Kräften des Todes in dieser Welt". Diese Bewegung könne Menschen zum aktiven Handeln befähigen, sagte der evangelische Theologe in der Bremer Melanchthonkirche. "Wir dürfen nicht schweigen, wenn Mächtige das Recht des Stärkeren propagieren und denken, sie könnten sich mit Gewalt nehmen, was sie wollen", betonte er: "Wir können auch nicht einfach zusehen, wenn Einzelne oder ganze Menschengruppen ausgegrenzt werden."

Aus Sicht des stellvertretenden Braunschweiger Landesbischofs Thomas Hofer ist die Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod ein "radikaler Neuansatz im Denken, Fühlen, Hoffen und Bewerten". Noch am Karfreitag hätten die "Gewaltmenschen" mit der Hinrichtung Jesu für vermeintlich klare Verhältnisse gesorgt, indem sie die Jesus-Bewegung zerschlagen und so demonstriert hätten, wer das Sagen habe. Doch an Ostern zeige sich, dass militärische Macht und politische Taktiererei nur einen "Schein-Sieg" errungen hätten, sagte der evangelische Theologe laut Redemanuskript in seiner Predigt im Braunschweiger Dom.

"Gegenmittel gegen die Angst"

Gottes Geist stiftet Menschen nach den Worten der kurhessischen Bischöfin Beate Hofmann immer wieder dazu an, sich in den Dienst am Nächsten zu stellen. Die Bischöfin kritisierte am Sonntag bei einem Ostergottesdienst anlässlich der Feier zum 125. Jubiläum der Hephata-Diakonie in Schwalmstadt-Treysa geplante Einsparungen der Bundesregierung im Sozialbereich. Konkret nannte sie die Eingliederungshilfe, die Hilfe für Wohnungslose oder für Geflüchtete.

"Für mich ist die Osterbotschaft das stärkste Gegenmittel gegen die Angst", sagte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, in seiner Osterbotschaft. Ostern mit der Auferstehung Christi bedeute: "Gott macht weiter, wo wir am Ende sind."

Viele Menschen erlebten Angst derzeit als ständigen Begleiter, Wo die Hoffnung auf eine gute Zukunft fehle, suchten manche Zuflucht in der Idee der "guten alten Zeiten", sagte Gohl weiter. Parolen wie "Früher war alles besser" seien Ausdruck dieser Zukunftsängste. Dem setze die Osterbotschaft einen zuversichtlichen Akzent entgegen.

Die Kraft der Rituale

Auch die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart hat die Menschen zu unverdrossener Hoffnung ermutigt. Sie verwies in ihrer Youtube-Osterbotschaft auf das Motto der amerikanischen United Church of Christ (UCC), die Partnerkirche der badischen Protestanten: "Setz keinen Punkt, wo Gott ein Komma setzt." Die Christen der UCC seien davon überzeugt, dass Gott noch immer spreche. Aus dieser Haltung schöpften sie die Kraft, um sich gegen die Willkür der Einwanderungsbehörde oder für verfolgte und arme Menschen einzusetzen. "Wo andere alles für erledigt halten, setzen sie ein Komma für die Zukunft", fasst Springhart zusammen.

Mit Blick auf die Kriege und Krisen an vielen Orten der Welt sagte Springhart: "Wir leben in einer Karsamstagszeit. Niemand weiß, was als nächstes kommt." Auch im persönlichen Leben vieler Menschen mache sich durch Tod, Streit, Krankheit oder Jobverlust Unsicherheit und Stille breit. Gottes Botschaft, so Springhart, laute: "Es geht weiter." So mische sich schon in die Stille des Karsamstags die Hoffnung, dass der Tod "einmal besiegt sein wird" und "dass Gott noch spricht, wo wir ihn längst nicht mehr zu hören geglaubt haben."

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hob in der Marktkirche in Hannover die Kraft der Rituale hervor. "Sie helfen mir, mit diesen unglaublichen Fragen von Christi Auferstehung umzugehen", sagte der evangelische Landesbischof. Es werde keine neuen Beweise dafür geben, ob Christus tatsächlich auferstanden sei. "Doch in vielem spielen wir in der Erinnerung und der Wiederholung diesen Glauben Jahr um Jahr in unser Leben neu hinein." Während zu Weihnachten die Geburt Gottes in der Welt gefeiert werde, stehe das Osterfest für die Neugeburt des Menschen in Gott.