Kirchen rufen zu Hoffnung auf

Der Schlussstein an der Kirchendecke zeigt Christus als Siegeslamm.
epd-bild/Rainer Oettel
Der Schlussstein an der Decke der evangelischen Gertrudis-Kirche in Saalfeld Graba in Thüringen zeigt Christus als Siegeslamm. (Archivbild)
Ostern in Zeiten der Krisen
Kirchen rufen zu Hoffnung auf
In ihren Osterbotschaften gehen Repräsentanten der Kirchen auf die globalen Krisen ein. Ihnen setzen sie die kraftspendende Erzählung von der Auferstehung Jesu entgegen.

Zum Osterfest rufen die Kirchen zu Hoffnung und Gottvertrauen auf - den globalen Krisen und Konflikten zum Trotz. Bischöfin Nora Steen ruft in ihrer diesjährigen Osterbotschaft dazu auf, gegen Angst und Resignation aufzustehen. "Wir erleben eine Zeit, in der der Ton rauer wird", sagte die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein der evangelischen Nordkirche. Menschen würden einander Gewalt antun ohne schlechtes Gewissen, die Unsicherheit wachse und mit ihr die Versuchung, sich zurückzuziehen. "Aber Ostern widerspricht dem", sagte Steen laut Mitteilung der Nordkirche vom Sonnabend. Ostern heiße: aufstehen gegen das, was Menschen klein macht.

Es sei die Geschichte der Auferstehung. Nicht erst im Licht des Morgens, sondern mitten im Dunkel der Angst und Hoffnungslosigkeit ändere sich etwas. Die Auferstehung von Jesus Christus sei "ein Geschenk an uns, aus Liebe, Mut und der tiefen Gewissheit, dass Gott uns nahe ist, gerade dann, wenn wir ihn am meisten brauchen", sagte die Bischöfin. Ostern sei nicht nur eine alte Geschichte: "Es ist die Entscheidung, dem Leben mehr zuzutrauen als der Angst", sagte Steen. Jede Stimme zähle. Denn wer laut wird, bewege andere dazu, mit einzustimmen. Ostern rufe dazu auf: "Nicht wegsehen. Nicht schweigen. Sondern aufstehen, für uns selbst und füreinander", sagte die Bischöfin.

"Ostern ist der Einspruch Gottes gegen die scheinbar unbegrenzte Macht", sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, am Mittwoch: Nicht Panzer, Despoten oder der Hass behielten das letzte Wort, sondern die Liebe. "Lasst euch von den dunklen Bildern der Kriege und der Ohnmacht nicht niederdrücken", betonte Kramer, der auch Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz.

"Stärker als die Mächte des Todes"

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, erklärte, der Glaube helfe zu einem klaren Blick auf das Leben mit all seinen Brüchen. Zugleich gebe er die Gewissheit, dass "Gottes Lebenskraft stärker ist als die Mächte des Todes". Inmitten von Krisen, Konflikten und negativen Schlagzeilen sei die christliche Osterbotschaft als Quelle einer realistischen Hoffnung ernstzunehmen. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, unterstrich: "Ostern stärkt die Hoffnung, dass nicht das Recht des Stärkeren siegt, sondern die Kraft der Liebe."

Auch die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft angesichts von Krieg, Leid und gesellschaftlicher Verrohung dazu auf, an der Hoffnung festzuhalten und nicht zu resignieren. Ostern stehe für die Kraft des Lebens, das sich selbst dort Bahn breche, wo alles dunkel und erstarrt erscheine, schreibt die Kirchenpräsidentin in ihrer Osterbotschaft.

Glauben an etwas noch nicht sichtbares

Ostern sei der Moment, in dem Menschen darauf vertrauen dürften, dass neues Leben wachse, obwohl vieles dagegenspreche. "Glauben an das, was man noch nicht sieht. Das ist Ostern", schrieb Wüst. Es gehe darum, sich nicht mit Hoffnungslosigkeit abzufinden, "sondern auf die leisen Zeichen des Lebens zu achten". Auch die biblische Ostergeschichte beginne nicht in einer heilen Welt, sondern in Trauer, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Die Frauen am Grab von Jesus Christus seien mit einem "Winterherzen voller Trauer" gekommen und hätten erfahren, dass der Tod nicht das letzte Wort behalte. Die Osterbotschaft sei ein Auftrag, "dem Frost der Gegenwart Menschlichkeit entgegenzusetzen". Dies sei möglich mit einem freundlichen Wort, einer ausgestreckten Hand.

Überall auf der Welt erlebten Menschen Qual, Leid, Schmerz und Tod, sagte auch die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder. Als Beispiele nannte sie die palästinensischen Gebiete und Israel sowie Iran und Ukraine. Dennoch oder gerade deshalb feierten Christinnen und Christen auf der ganzen Welt das Osterfest, mitten im Krieg, mitten im Frieden. "Ostern bedeutet Hoffnung für die Welt", sagte die Präses.

Hoffnung für Christinnen und Christen im Mittelpunkt

Auch die großen internationalen Kirchenbünde, Weltkirchenrat und Lutherischer Weltbund, stellten die Hoffnung in den Mittelpunkt ihrer Osterbotschaften. Die Auferstehung von Jesus Christus symbolisiere ein Aufbegehren gegen Kriege, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, sexuelle Gewalt, politische Unterdrückung, Klimakatastrophe und religiöse Verfolgung, erklärte der Moderator des Zentralausschusses des Weltkirchenrates, Heinrich Bedford-Strohm, in Genf.
 

 

Gott weiter am Werk

In der Osterbotschaft des Weltkirchenrates heißt es, Christinnen und Christen seien Menschen, die sich von einer Botschaft leiten lassen, die ins Leben führt. Ostern solle als eine Zeit der Gewissheit gefeiert werden, "dass die vielen Abgründe, in die wir derzeit in der Welt schauen, nicht alles sind". Die Menschen näherten sich nicht einem finsteren Loch, sondern einem neuen Himmel und einer neuen Erde, in der alle Tränen getrocknet würden.
Der Lutherische Weltbund betonte in seiner Osterbotschaft: "Selbst, wenn wir Leid oder Verlust erfahren, sollten wir uns daran erinnern, dass der Tod nicht das letzte Wort hat." Die Auferstehung Christi mache deutlich, "dass Gott weiterhin am Werk ist".

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, äußerte die Hoffnung, dass "Sünden, Traurigkeit, Ängste und Sorgen, Hass und Aggression, Terrorismus, Krieg und Gewalt" überwunden würden. "Möge die friedvolle Kraft der Auferstehung Frieden in uns, in unserer Gesellschaft und auf unserer Erde wachsen lassen", heißt es in seiner Osterbotschaft.