Kampf für echte Action - und gegen die KI

Ex-Stuntman Alexander Mack zeigt einen Stunt mit Feuer
Alexander Mack/Alexander Mack privat
Ups, da wird's einem heiß - doch dem Stuntman Alexander Mack nicht (Archivfoto). Mittlerweile arbeitet Mack als "Personal Trainer" und sieht mit Sorge, wie sich die KI schleichend immer weiter im Filmgeschäft und in der Stuntarbeit breit macht und somit Jobs gefährdet.
Wie drei deutsche Stuntleute fighten
Kampf für echte Action - und gegen die KI
Action und Gefahr, Risiko und Körperbeherrschung: Stuntmänner und -frauen müssen körperlich und mental fit sein. Aber Digitalisierung und KI verändern auch ihre Branche. Wie drei deutsche Stuntleute auf ihren Beruf und die Zukunft blicken.

Harte Männer und Frauen, die durch Flammen rennen oder in brennenden Autos fahren, die von Brücken stürzen oder von Häusern springen, faszinieren viele Filmfans. Könnte in Zukunft Künstliche Intelligenz (KI) die Stunt-Branche grundlegend verändern? Für Katja Jerabek ist das eine "gruselige" Vorstellung. Die 54-Jährige aus dem oberbayerischen Seeshaupt ist seit mehr als 25 Jahren Stuntwoman. Sie liebt ihren Beruf und möchte, dass die vor mehr als 100 Jahren etablierte Branche erhalten bleibt.

Die ausgebildete Kommunikationsdesignerin kam vor mehr als 25 Jahren über eine Regieassistenz in Kontakt mit Stuntleuten. Inzwischen arbeitet sie als Stunt-Koordinatorin, sie plant die Auftritte in Filmszenen.

Die Digitalisierung gehört dazu: "Die ist in unserer Branche seit 15 Jahren voll im Gange." Das sei auch nicht schlecht. Denn durch die technische Entwicklung würden Stunts weniger gefährlich. Während man früher frei von Häusern in Luftkissen stürzte, hingen Stuntmen heute oft an Seilen, erzählt sie: "Die werden dann wegretuschiert." Nach wie vor sind es jedoch echte Menschen, die springen.

Neuer Oscar ab 2028 für Bestes Stunt-Design

Wer mit Katja Jerabek spricht, spürt sofort ihre Begeisterung. Jeder Stunt stellt sie vor neue Herausforderungen. "Gerade, weil mir mein Beruf so viel Freude macht, hoffe ich aus tiefstem Herzen, dass die Menschen nicht bereit sein werden, sich komplett auf KI einzulassen", sagt sie.

Die Tradition ist fast so alt wie der Film. Der 1885 geborene US-Amerikaner Rodman Law gilt als weltweit erster Stuntman - Helen Gibson, sieben Jahre älter, hieß die erste Stuntfrau von Hollywood. Beide sorgten noch in Stummfilmzeiten für Action. Wobei die wenigsten Stuntleute der breiten Öffentlichkeit namentlich bekannt sind. Möglicherweise wird sich das bald ändern: Ab 2028 soll es die neue Oscar-Kategorie "Bestes Stunt-Design" geben.

Stuntleute trainieren die KI

Ronnie Paul ist Sprecher der "German Stunt Association", des Bundesverbands deutscher Stuntleute. Er sagt: Sehgewohnheiten ändern sich. Möglicherweise werde die nächste Zuschauer-Generation zufrieden damit sein, von KI animierte Action zu sehen. Sein Gefühl allerdings gehe dahin, dass Filme mit Stunts, die von künstlicher Intelligenz kreiert wurden, ein eigenes, neues Metier werden.

Er glaubt: Auch in Zukunft werde es noch genug Cineasten geben, die echte Schauplätze, echte Schauspieler und echte Stunts sehen wollten. Auf der anderen Seite bekommt Ronnie Paul mit, in welchem Maße KI Einzug in seine Branche hält. Ein Kollege von ihm kooperiere mit einem indischen Studio, das Stuntmen zum Trainieren einer KI anheuere, erzählt er. Deren Aufgabe bestehe darin, stundenlang die unterschiedlichsten Bewegungen zu machen. Am Ende wird es dadurch möglich, große Szenerien wie ein Schlachtfeld mit vielen Menschen, für das man eigentlich 50 Stuntleute benötigt, mit einem einzigen Stunt-Performer zu produzieren.

Klassische Stunt-Arbeit und visuelle Effekte

Nach Kenntnissen der "German Stunt Association" wurde bisher noch kein Performer vollständig durch KI ersetzt. Üblich ist es jedoch laut Geschäftsführerin Pamela Gräbe mittlerweile, klassische Stuntarbeit mit visuellen Effekten zu koppeln. Digitale Doubles oder durch 3D-Computergrafik erzeugte Bilder (Computer Generated Imagery) würden eingesetzt, um Szenen zu erweitern, um sie größer oder gefährlicher erscheinen zu lassen oder um Action sicher umzusetzen. "In 'Babylon Berlin' wurden ab Staffel 4 beispielsweise Szenen mit großen Menschenmassen simuliert", erläutert sie.

Ex-Stuntman Ronnie Paul, Vorsitzender der German Stunt Association (Archivfoto).

Der Norddeutsche Ronnie Paul, seit 35 Jahren Stuntman, ist heute, ebenso wie Katja Jerabek, als Stunt-Koordinator aktiv. Er überlegt sich, wie die Szenen künstlerisch gut umzusetzen sind. Fällt in einer Szene etwa ein älterer Mensch vom Stuhl, sollte er nicht wie ein Sack zu Boden stürzen: "Der Sturz muss zum einen gut aussehen und darf zum anderen nicht wehtun." Und in der Szene soll "Seele" sein.

Vorbild Jackie Chan

Auch Alexander Mack aus Winnenden bei Stuttgart war früh von Stuntmen fasziniert. Und zwar von einem ganz besonders: "Schon als Jugendlicher haben mich die Filme von Jackie Chan gepackt." Jackie Chan ist ein heute 71 Jahre alter Schauspieler und Stuntman aus Hongkong. Der Film "Police Story" verhalf ihm 1985 zum Durchbruch. "Die Mischung aus Action, Humor und echter Körperarbeit hat mich so beeindruckt, dass daraus ein Traum wurde", erzählt Alexander Mack: "Ich wollte das nicht nur anschauen, ich wollte das selbst können."

Wer Stuntman oder -women werden möchte, muss seinen Körper stählen und lernen, Risiken realistisch einzuschätzen, vor allem aber sich mental in den Griff bekommen. "Ich hatte ständig trainiert, Bewegungen zerlegt, Abläufe geübt", erzählt Alexander Mack. Irgendwann habe er sich körperlich fit genug und vor allem mental vorbereitet gefühlt. Bei "Polizeiruf 110" bekam er seinen ersten Job: "Ich machte einen kleinen Autostunt in München."

Stuntman: Bei Produktionen wird zunehmend gespart

Lange lief es gut im Beruf: "Doch nach Corona wurde die Joblage immer schwieriger und das Geld knapper." Bei Produktionen werde seitdem immer häufiger an Reisekosten und Unterkünften gespart: "Teilweise fällt das komplett weg."

Die Situation für Stuntleute ist also keineswegs nur wegen KI schwierig. Für Alexander Mack wurde sie so unsicher, dass er sich ein zweites Standbein suchte: Er gibt seine Erfahrung mittlerweile auch als Fitnesstrainer weiter.