Headbangen kann man auch mit Dreadlocks

Musiker auf einer Bühne
epd-bild/Birte Mensing
Die Black Metal Band Chovu beim Soundcheck im Restaurant Carnivore in Nairobi vor einem Auftritt bei einem der weltweiten Wacken Battles.
Der Traum von Wacken
Headbangen kann man auch mit Dreadlocks
Weltweit können sich Metal-Bands um einen Auftritt beim Wacken Open Air bewerben. In Nairobi hoffen die Musiker und Musikerinnen von "Chovu" auf ein Ticket für die Festivalbühne: Ein anderer Blick auf die Kultur Kenias.

Es ist ein sommerlicher Samstag in Nairobi. Das Restaurant "Carnivore" ist beliebt bei Touristen und berühmt für den Grill mit Krokodil-, Straußen- und Kamel-Fleisch. Heute steht hier Musik auf dem Plan, die man in Kenia vielleicht nicht erwartet: ein Metal-Konzert. Schon der Soundcheck mit Gitarre, Drums und Gesang ist ein absoluter Clash der Kulturen.

Die Mitglieder der Black-Metal-Band "Chovu" headbangen mit ihren langen Dreadlocks, alle tragen dunkle Klamotten. Neugierige Kinder sehen zu, machen die Bewegungen des Sängers Preston Samanda nach. "Ich bin mit einem Interesse an Mystik und den dunklen Künsten als Ausdrucksform aufgewachsen", sagt Samanda. Als er zum ersten Mal Metal gehört habe, habe er gedacht: "Das ist es endlich!"

"Ich konnte kaum glauben, dass es erlaubt war, so etwas aufzunehmen", so Samanda weiter. Mittlerweile hat er mit seiner Band mehrere Alben aufgenommen. Der Name Chovu bedeutet in Kisuaheli "etwas Schlechtes": "Unser Name soll symbolisieren, wie viel tiefe Kultur durch das Schlecht-Machen unserer Traditionen seit der Kolonialzeit verloren gegangen ist", erklärt Samanda.

Bewerbung von Metal-Bands aus 54 Ländern 

Er und seine Band haben sich für dieses Jahr ein Ziel gesetzt: Sie möchten zwischen dem 29.7. und 1.8. beim "Wacken Open Air" auftreten. Seit 2004 gibt es einen weltweiten Wettbewerb, in dem sich Bands für einen Slot auf dem Kult-Metal-Festival auf dem schleswig-holsteinischen Land bewerben können. Bands aus 54 Ländern können 2026 am sogenannten Metal Battle teilnehmen.

Der Kenianer Samanda schätzt an Wacken, wie viel Aufwand die Organisatoren in die Präsentation der besten Metal-Band stecken, wenn diese dort auf der Bühne steht. Mit dem Wettbewerb öffne das Wacken-Festival auch für afrikanische Bands wie Chovu neue Räume, sagt der 29-Jährige. Weil sich in Kenia nur eine Band beworben hat, ist Chovu direkt qualifiziert für das Afrika-Finale in Südafrika im Juni.

Wenig Unterstützung für Metal-Bands in Kenia

Amos Kiptoon von der Rock Society of Kenya organisiert seit 2023 den Wacken-Auswahl-Wettbewerb in Kenia. "Diese Art von Wettbewerb aus Deutschland bietet diesen Bands wirklich gute Möglichkeiten, ihren Bekanntheitsgrad über die Region hinaus zu steigern", sagt er. Und das sei wichtig, denn Metal-Musiker bekämen nicht viel Unterstützung von der lokalen Unterhaltungsindustrie. "Die sieht diese Musik leider eher negativ. Sie meidet sie. Veranstaltungsorte sind nicht wirklich aufgeschlossen."

Die Reisekosten zum Afrika-Finale in Südafrika und - falls sie dort gewinnen - zum großen Finale in Deutschland müssen die Bands selbst tragen. Wenn sie Glück haben, gibt es Unterstützung von der Wacken Stiftung. Wer das Finale in Deutschland gewinnt, bekommt einen Slot beim Wacken Open Air, Equipment und ein Preisgeld von 5.000 Euro. Vor zehn Jahren gelang das der südafrikanischen Band "The Zombies ate my girlfriend". Nicht in Wacken, aber in Süddeutschland und der Schweiz sollte Chovu vergangenes Jahr schon spielen, aber die Visaanträge für Deutschland wurden abgelehnt.

Kenianische Mythen und Geschichte der Sklaverei

Der Abend im "Carnivore" in Nairobi ist fortgeschritten. Vor Chovu spielen die beiden Metal-Bands, die in den vergangenen Jahren für Kenia zum Finale nach Südafrika gereist sind. Das Publikum findet sich langsam ein, am Ende sind es vielleicht 40 Leute, viele kennen sich. Als Chovu um halb zwölf anfängt zu spielen, regnet es draußen, als würde die Welt untergehen.

Die fünf jungen Männer und zwei jungen Frauen mit weiß geschminkten Gesichtern ziehen das Publikum in ihren Bann. Beamer-Projektionen zeigen die Jahreszahl 1653 - das Jahr, in dem die Sklavenhandelsfestung im ghanaischen Cape Coast gebaut wurde. Daneben Bilder von den geschundenen Rücken von Sklaven und der Satz "Ein Portal zur Hölle wurde geöffnet". 

Die Band will dazu beitragen, die bis heute von der britischen Sichtweise geprägten, oft verharmlosenden Narrative über Sklaverei und die koloniale Ausbeutung des afrikanischen Kontinents zu korrigieren. "Ich möchte, dass Chovu eine Plattform von kultureller Relevanz ist und dass sie informiert", sagt Samanda.

Sein Drummer Larry Kim stimmt zu: "Wir sind eine kulturelle Band." Für ihn ist eine der Missionen von Chovu auch, unterschiedliche afrikanische Mythen bekannter zu machen. "Jeder kennt Zeus und Athene - allein in Kenia gibt es 42 ethnische Gruppen mit unterschiedlichen Legenden, die es wert sind, zu kennen." Chovus' Performance zieht das Publikum in den Bann. Sie ist ein ein bisschen gruselig und lässt die Zuhörer nachdenklich zurück - vielleicht auch bald die Metaller in Wacken.