Kirchen-Museum verbindet Kunst und Geschichte

Blick in die Windsheimer Spitalkirche mit Ausstellung.
Museum Kirche in Franken
Die ehemalige Spitalkirche bietet ein besonderes Ambiente für Ausstellungen.
Zeitgenössische Kunst in der Kirche
Kirchen-Museum verbindet Kunst und Geschichte
Das Museum "Kirche in Franken", untergebracht in der Bad Windsheimer Spitalkirche aus dem Jahr 1420, feiert 20-jähriges Bestehen. Im Interview spricht Museumsleiterin Janette Witt darüber, wie sie historische Objekte mit zeitgenössischer Kunst verbindet.

Seit 20 Jahren gibt es jetzt das Museum Kirche in Franken - was hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert, seit Sie das Haus leiten?

Janette Witt: Ich habe nach der Übernahme der Museumsleitung vor zwei Jahren die Konzeption des Museums grundlegend überarbeitet - neu ist seither, dass wir zeitgenössische Kunst konsequent in unsere Arbeit mit einbeziehen. Das heißt: Kunst spielt in jeder Ausstellung eine wichtige Rolle. Meine Vorgängerin Andrea Thurnwald hat das immer mal punktuell gemacht, aber bei mir ist das jetzt fester Bestandteil.

Und was ist gleichgeblieben, welche Kontinuitätslinien gibt es?

Witt: Eine wesentliche Konstante ist natürlich die Gemeinschaft aus Betriebsträgern, die das Museum von Beginn an unterstützen und ermöglichen: die bayerische Landeskirche, der Bezirk Mittelfranken, die Stadt Bad Windsheim, der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und die zwei Fördervereine des Freilandmuseums und der Spitalkirche.

Museumsleiterin Janette Witt will der zeitgenössischen Kunst einen festen Platz geben.

Kontinuität bietet aber auch der Ausstellungsraum an sich. Wir befinden uns mit dem Museum ja nach wie vor in einem sakralen Raum. Die ehemalige Spitalkirche hat selbst eine Menge zu erzählen. Gleich geblieben ist auch unser Anspruch, den evangelischen Glauben in seiner Vielfalt darzustellen - mit musealen Mitteln, Ausstellungen, Kunstformaten. Wichtig ist mir, dass wir mit unseren Ausstellungen nicht nur zurückschauen.

Wie meinen Sie das?

Witt: Mein Konzept folgt dem Motto "Vergangenheit und Gegenwart verbinden". Wir haben den historischen Ausstellungsraum, historische Themen, historische Objekte - und wir setzen dies dem Zusammenspiel mit zeitgenössischer Kunst aus. So wollen wir zum einen jene Besucher anregen, sich mit zeitgenössischer Kunst zu beschäftigen, die wegen kirchlich-historischer Themen kommen, und zum anderen Liebhaber moderner Kunst mit Kirche in doppeltem Wortsinn zusammenbringen.

Ihr Museum ist Teil des Fränkischen Freilandmuseums - woran genau merkt man das?

Witt: Zum einen sind wir Teil der Baugruppe Stadt. Die Idee bei der Gründung des Museums in der Spitalkirche war, die Geschichte des Protestantismus mit einem engen Fokus auf Franken darzustellen - analog zum bäuerlichen Leben in den alten Häusern im Freigelände des Freilandmuseums. Heute öffnen wir den Blick etwas mehr - unsere Themen sind nun übergeordnet, Themen, die uns alle beschäftigen - etwa die Schöpfung und der Umgang mit unserer Welt, Fürsorge und Nächstenliebe, Heilung ...

Wie sieht das bei konkreten Veranstaltungen aus?

Witt: Bei Ausstellungen gehen wir nun auch mit Objekten raus aus der Spitalkirche und ins Freilandmuseum hinein. So wird für das Publikum deutlich, dass wir zusammengehören. Außerdem hängen wir uns an bestehende Formate an. Im Freigelände gibt es beispielsweise das Format "Licht im Haus" - da werden im November historische Beleuchtungsmittel in den alten Bauernstuben gezeigt und verwendet. Als Museum Kirche in Franken beteiligen wir uns nun auch daran und lassen in der Spitalkirche das eigentliche elektrische Licht aus und verwenden Kerzen. Aus Brandschutzgründen zwar LED-Kerzen, aber immerhin … Und bei der beliebten Museumsnacht veranstalten wir nun das Auftaktkonzert in der Spitalkirche, das kommt sehr gut an bei den Besuchern.

Bad Windsheim ist jetzt nicht München, Nürnberg oder Frankfurt - welche Künstlerinnen und Künstler kann man für Ausstellungen in Westmittelfranken begeistern?

Witt: Ich komme aus dem Kunstreferat der Landeskirche, dort habe ich sechs Jahre lang gearbeitet - und hatte demnach auch viel mit zeitgenössischer Kunst zu tun. Ich habe zahlreiche Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern knüpfen können, die ich jetzt mit großer Freude alle zu uns nach Bad Windsheim locken will. Und die kommen auch! Das ist sehr schön!

Viele wissen heute grundlegende Dinge des christlichen Glaubens nicht mehr. Da leisten wir "Aufklärungsarbeit"

Ich hole aber auch internationale Kunst ins Museum: Bei der Jahresausstellung "Care. Fürsorge im mittelalterlichen Spital und heute" zeigen wir als zeitgenössische Positionen Arbeiten von Bill Viola und Böhler & Orendt. Ich glaube, die Kunst bietet einen besonderen Zugang - mit Kunst können wir Menschen berühren.

Die finanziellen Spielräume der bayerischen Landeskirche werden enger. Wie zuversichtlich sind Sie für die künftige Finanzierung Ihres Hauses?

Witt: Als Museumsleiterin sage ich ganz klar: Wir brauchen Museen und wir brauchen auch das Museum Kirche in Franken als lebendigen Ort des Austausches und des Lernens. Zum einen hat Kirche einen Bildungsauftrag, den sie mit solchen Orten erfüllt. Zum anderen geht es um Wissens- und Wertevermittlung. Nicht wenige Menschen wissen heute grundlegende Dinge des christlichen Glaubens nicht mehr: Was ist ein Altar? Was bedeutet das Pfingstfest? Da leisten wir durchaus "Aufklärungsarbeit".

Das klingt fast ein bisschen apokalyptisch, als müsste man christliches Grundwissen im Museum vor dem Vergessen bewahren ...

Witt: Ich würde es nicht so krass ausdrücken, denn kirchliche Dinge werden ja schon lange in Museen ausgestellt. Aber natürlich geht es beispielsweise um die Frage, wie sich Glaubenspraxis verändert hat und weiter verändert. Auch wenn die Kirche kleiner wird - die übrig gebliebenen Mitglieder sind ja noch lange nicht allein mit ihrem Glauben. Menschen brauchen spirituelle und Glaubensorte wie Kirchen und auch unser Museum. Diese Orte lassen auch glaubensferne Menschen in der Regel nicht unberührt zurück.

Widmen Sie deshalb die Jahresausstellung ab 9. Mai dem Thema Spital und Care-Arbeit?

Witt: Man spürt in unserem Museumsort Kirche natürlich die 700-jährige Geschichte des Spitals. Als es gegründet wurde, stand der Mensch im Mittelpunkt. Es ging darum, Fürsorge zu tragen für Menschen, die krank sind, die alt sind, die Hilfe benötigen. Und wir richten natürlich den Blick auch in die Gegenwart: Was ist Care-Arbeit eigentlich? Warum wird sie nicht gewürdigt und oft nicht bezahlt? Da haben wir auch einige sehr schöne Exponate.

Die erste Ausstellung für dieses Jahr startet aber bereits am 15. März im neuen Kunstformat "Kunst zur Passion".

Witt: Ja, wir wollen zur Passionszeit zeitgenössische Werke zeigen, die zum Innehalten und Nachspüren anregen. Gezeigt werden in diesem Jahr Skulpturen der Nürnberger Bildhauerin Meide Büdel. Deren bevorzugte Materialien sind Stahl, Eisen und Holz. Büdel interessiert sich dafür, das Gleichgewicht der Kräfte einzufangen. Für die Ausstellung hat die Künstlerin Werke ausgewählt, die einen Bogen spannen zwischen den großen Polen unseres Seins.