Aufstehen gegen Angst in einer gewaltvollen Welt

Heiliger Geist als Taube
Hans-Georg Vorndran/Fundus
An Pfingsten steht die Taube als Symbol für den Heiligen Geist, aber auch für Frieden und Hoffnung in einer gewaltvollen Welt.
Botschaften zu Pfingsten
Aufstehen gegen Angst in einer gewaltvollen Welt
Pfingsten bringt Menschen zusammen: in Kirchen, auf Dorfplätzen, unter freiem Himmel und an besonderen Orten. evangelisch.de hat für Sie die Pfingstbotschaften der leitenden Kirchenvertreter zusammengestellt.

"Pfingsten ruft uns Menschen zu echter Verständigung und stärkerem Zusammenhalt auf." Daran erinnert die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, in ihrer Botschaft zum diesjährigen Pfingstfest. In Zeiten, in denen Menschen unter einer zunehmend rauen Debattenkultur leiden, brauche es diese verbindende Kraft, die stärker ist als alle Spaltung. "Pfingsten beginnt genau da, wo Menschen einander nicht mehr verstehen – und plötzlich ein Wunder passiert", so Bischöfin Fehrs.

Die Erzählung vom Heiligen Geist stehe für die Kraft, Barrieren zwischen Menschen zu überwinden: "Der Geistwind weht und wirbelt und mischt die Welt auf. Universal lösen sich die Grenzen zwischen Ländern und Menschen buchstäblich in Luft auf. Völkerverständigung in Windeseile." Mehr denn je brauche es heute Orte der Begegnung und des Gesprächs, meint die Ratsvorsitzende.

Pfingsten sei ein Aufstand "gegen die Angst, damals wie heute, in unserer komplexen, schnellen und oft gewaltvollen Welt".  Das Pfingstfest feiere vielmehr den neuen Aufbruch aus der geistlosen Enge der Spalter dieser Welt. Echte Verständigung beginne dort, wo Menschen einander zuhören und Gemeinschaft suchen. "Die Menschen wollen Gemeinschaft", ist Bischöfin Fehrs überzeugt. "Pfingsten ist die große Einladung, sie neu zu wagen."

Tietz: "Gott kommt uns ganz nah – näher, als wir selbst uns kommen können"

In ihrer Pfingstbotschaft betont Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), an die Bedeutung des Pfingstfestes, dass Jesus Traurigkeit und Sorgen seiner Jünger verstanden habe. "Lange redete er mit ihnen. Wichtig war ihm, dass sie verstanden: Gott lässt sie nicht allein."

Jesus habe ihnen erklärt: "Ja, ich gehe weg. Aber ‚der Tröster', Gottes Geist, kommt an meiner Stelle." Damit sei Gott den Menschen sogar noch näher als zu Jesu Lebzeiten, beschreibt die Kirchenpräsidentin: "Denn Gottes Geist wohnt in uns. So kommt Gott uns ganz nah – näher, als wir selbst uns kommen können."

Latzel: "Wir brauchen einen Geisteswechsel"

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, macht in seiner Botschaft zum Pfingstfest Mut, dem Ungeist in der Welt entgegenzutreten. In einem Schreiben an die mehr als 500 rheinischen Kirchengemeinden betont er: "Es ist Pfingsten – Gott sei Dank! Wir feiern, dass Gott uns seinen Geist schenkt. Und ich glaube, dass unsere Welt nichts dringender braucht als genau das: einen Geisteswechsel."

Der Berliner Bischof Christian Stäblein betont zu Pfingsten den verbindenden Geist des Festes. Pfingsten erinnere an die Ausschüttung des Heiligen Geistes. Dieser Geist bewirke die Kraft zu glauben, sagt der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Glaube sei "ein Geschenk an uns alle". Gleichzeitig bringe dieser Glaube Zuversicht und Hoffnung. "Gibt es etwas Schöneres in dieser oft so hoffnungslosen Welt", fragt Stäblein. Dieser Glaube "verbindet Menschen trotz allem".

Kopp: "Pfingsten ist das Fest der Verständigung und des Miteinanders"

Viele Menschen erleben die Gegenwart als angespannt und überhitzt, sagt Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. "Viele Debatten fühlen sich an wie schlecht gelüftete Räume. Es ist dort zu laut. Wenige hören wirklich zu."Pfingsten erzähle davon, dass Gottes Geist neue Bewegung und neue Verständigung möglich macht. "Gottes Geist kommt als frischer Wind. Pfingsten bringt Bewegung und Sauerstoff." Menschen könnten wieder Luft holen, miteinander sprechen und einander zuhören.

Mit dem Pfingstwunder hätten die Jüngerinnen und Jünger erlebt, wie Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, sich plötzlich verstehen. Der Heilige Geist habe ihre Herzen für die Gemeinschaft untereinander geöffnet, erklärt Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. Pfingsten sei danach der Moment, in dem Gott sich nicht auf eine Sprache, eine Kultur, eine Identität festlegen lasse. Die Kirche, die an Pfingsten geboren werde, sei von Anfang an vielfältig, divers, widersprüchlich, und genau darin göttlich.

Ruck-Schröder: "Freude bewusst wahrnehmen"

Die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder ermutigt zum Pfingstfest, Anlässe der Freude bewusst wahrzunehmen. Pfingsten sei eine gute Gelegenheit, aus sich herauszugehen und das zu suchen, was nicht auf der Straße liege, erklärt die Theologin. "Freude ist das schönste Gefühl, das Gott in die Welt schickt", sagte Ruck-Schröder, die auch die Pfingstandacht am 25. Mai auf WDR 3 bis 5 hält. 

In einer Videobotschaft betont Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel den Veränderungsgeist von Pfingsten. Pfingsten erzähle vom Wunder der Verständigung und des Neuanfangs. Es gebe viele Menschen, die mit Zuversicht den Veränderungen begegnen und davon erzählen, was anders werden kann. Sie nehme eine Sehnsucht nach neuen Wegen wahr. In dem Zusammenhang würdigte sie auch die ehrenamtlich und beruflich Engagierten, "die alles geben".

Hirschhausen: "Der Geist von Pfingsten ist Gemeinschaft"

Pinguine als Sinnbild für die Pfingstbotschaft: Im ARD-Fernsehgottesdienst am Sonntag rückt der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen die Bedeutung von Gemeinschaft als Anstoß des Pfingstfestes in den Mittelpunkt. Nur gemeinsam könne man Großes bewegen, betont der evangelische Christ in seiner Ansprache in der Bonner Lutherkirche.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann, fordert am Pfingstsonntag dazu auf, einander zuzuhören. In diesen Zeiten gelinge es nicht leicht, das Gegenüber zu verstehen, sagt die Bischöfin anlässlich der Ordination von zehn Pfarrerinnen und Pfarrern während eines Gottesdienstes in Homberg/Efze.

Papst Leo XIV.: "Glaube kommt mit jeder guten Tat, jedem Akt der Barmherzigkeit und der Tugend zum Ausdruck"

Mit seiner Pfingstpredigt ruft Papst Leo XIV. zu Frieden, Verständigung und Vergebung auf. Dazu schenke Gott den Heiligen Geist als Kraft, sagt der Papst am Sonntag im Petersdom. Durch seinen Tod stifte Christus Frieden zwischen Gott und der Menschheit, und der Heilige Geist "gießt diesen Frieden in die Herzen ein und verbreitet ihn in der Welt". Dieser Friede entspringe der Vergebung und führe zur Vergebung.

Mit einem Aufruf zu Verständigung und Zusammenhalt inmitten aller Gegensätze erinnert der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer an die Pfingstbotschaft. Der Heilige Geist wirke nicht als Kraft der Gleichmacherei, sondern ermögliche ein fruchtbares Miteinander unterschiedlicher Stimmen und Perspektiven, sagt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz bei seiner Predigt am Pfingstsonntag im Hildesheimer Dom laut Redetext.

In vielen Gemeinden wird das diesjährige Pfingstfest im Rahmen der Initiative als "Fest der Verständigung" gefeiert. Mit der Initiative #VerständigungsOrte setzen evangelische Kirche und Diakonie Deutschland seit der Europawahl 2024 bundesweit Zeichen für mehr Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinden und Einrichtungen schaffen dabei Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Überzeugungen miteinander ins Gespräch kommen können.