Eine Sinnkrise und eine besondere Erfahrung haben dafür gesorgt, dass die Belgierin Elisabeth Peeters Nonne wurde: Aufgewachsen in Flandern, wo damals 96 Prozent der Menschen katholisch getauft waren, lernte sie evangelische Christen erst als Erwachsene kennen. Schon früh begann sie, ihren Kinderglauben zu hinterfragen: "Mit spätestens 13 Jahren konnte ich mit dem Glauben so nicht mehr mit." In ihrer Jugend beschäftigte sie sich intensiv mit Existenzphilosophen wie Sartre und Camus und rang mit der Frage nach dem Sinn des Lebens.
Mit 21 Jahren machte sie eine Erfahrung, die sie nur schwer in Worte fassen kann: Eine Begegnung mit der Gegenwart Gottes, die ihre Prioritäten völlig veränderte. Eigentlich wollte sie nach ihrem Anglistikstudium in Neurolinguistik spezialisieren. Doch das Ziel einer wissenschaftlichen Karriere verlor nach ihrer Gotteserfahrung an Bedeutung. Stattdessen begann sie, still und spontan zu beten. "Ich habe einfach den ganzen Tag mit Gott gelebt, weil es gar nicht anders ging."
Sie suchte eine Lebensform, "die sich ganz um Gott dreht." Und so begann sie in dieser Umbruchphase regelmäßig ein Karmelitinnenkloster zu besuchen. Der Orden geht auf Teresa von Ávila (1515-1582) zurück, erklärt Peeters, die sich seit mehr als vier Jahrzehnten mit der spanischen Ordensfrau und Mystikerin intensiv beschäftigt. Teresa von Ávila habe vor allem Bodenständigkeit, Lebensfreude und innere Freiheit vermittelt. "Ihr müsst einander Freundinnen sein", ist ein Zitat von ihr.
Zwei Stunden stilles Gebet pro Tag
Schon beim ersten Besuch des Klosters wusste sie: "Das ist das, was ich suche, hier komme ich nach Hause." Besonders sprach sie das sogenannte innere, stille Gebet an, das eine wichtige Rolle bei den Karmelitinnen spielt und täglich zwei Stunden praktiziert wird. Doch sie war auch etwas geschockt, dass sie sich im Kloster so wohlfühlte: "Oh Gott, ich als Nonne! Das war keine große Begeisterung."
Nach einer längeren Prüfzeit trat sie mit 24 Jahren ein. Die ersten Jahre waren nicht einfach, unter anderem wegen des großen Altersunterschieds zu den anderen Schwestern, die zwischen 70 und 90 Jahren waren. "Die Schwestern waren sehr offen und großzügig, aber es war irgendwie doch ein Altersheim." Deshalb wurde sie nach Deutschland zur Ausbildung in ein Kloster geschickt, in dem es auch jüngere Schwestern gab.
"Du kannst Gott auch mal anschreien"
Für Schwester Elisabeth Peeters ist das stille Gebet keine Technik, sondern eine Beziehung. Es könne mit Worten, Gesten oder vorgegebenen Gebeten beginnen. Alles, was einen innerlich bewegt, dürfe vor Gott gebracht werden. "Du kannst Gott auch mal richtig anschreien", sagt sie. Oft werde das Gebet mit der Zeit stiller und hörender.
In ihrem Buch "Die göttliche Quelle im Inneren entdecken" (Herder-Verlag, Freiburg) lädt Peeters dazu ein, mit Teresa von Ávila und dem spanischen Kirchenlehrer und Karmelit Johannes vom Kreuz (1542-1591) kontemplativ zu beten. Nicht die Dauer sei entscheidend, sondern die Regelmäßigkeit: "Auch zehn Minuten am Tag können prägend sein."
Ziel ist, sich von Gottes Liebe prägen zu lassen
Die heute 72-Jährige weiß, dass ihr Lebensweg als Nonne ein besonderer ist. "Er ist aber weder schlechter noch besser als ein anderer." Ziel sei, sich immer mehr von der Liebe Gottes prägen zu lassen. Teresa von Ávila fasst es so zusammen: "Was immer euch hilft, mehr zu lieben, das tut."
Immer wieder kommen in ihr Karmelitinnenkloster nach Kirchzarten (Landkreis Breisgau/Hochschwarzwald) Menschen, die Stille und Gebet suchen. Die Schwestern merken, dass kontemplative Angebote einen Nerv der Zeit treffen. Auch wenn die Gesellschaft insgesamt säkularer wird, ist Schwester Elisabeth Peeters überzeugt: "Gott lässt sich auch heute noch finden."





