Wo an Silvester Orte der Ruhe zu finden sind

Frau sitzt am Ufer
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Wer an Silvester nicht so viel Trubel um sich haben möchte, findet vor allem auf den Inseln etwas mehr Ruhe.
Silvester ohne Böller
Wo an Silvester Orte der Ruhe zu finden sind
Alle Jahre wieder: An Silvester sind etliche Feuerwerke geplant - öffentlich wie privat. Was für viele ein Riesenspaß bedeutet, stört andere Menschen. Vor allem diejenigen, die Haustiere besitzen, suchen Ruhe zum Jahreswechsel. Wirklich stille Orte sind schwer zu finden und meist kleine Oasen.

Deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen wünschen sich ein Silvester ohne Knallerei, so die Deutschen Umwelthilfe (DHU), die eine Online-Petition für ein Ende der Silvesterböllerei gestartet hat. Nicht nur Wildtiere, sondern auch Hunde und Katzen leiden unter dem Lärm und Gestank. Das Ziel der Petition für ein Ende der Silvesterböllerei sei, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) Anfang Januar mehr als eine Million Unterschriften zu präsentieren. Bislang haben die Petition mehr als 850.000 Menschen unterzeichnet.

Das scheint einige Menschen ein Dorn im Auge zu sein, denn die Online-Petition wurde nun von Hackern lahmgelegt. Die von einer niederländischen IP-Adresse ausgehenden Angriffe hätten am Sonntag für eine Stunde und am Montag für zwei Stunden die Online-Petition auf der Webseite der DUH lahmgelegt, bevor es gelungen sei, sie wieder online zu stellen, teilte die Deutsche Umwelthilfe am Montag in Berlin mit.

In den vergangenen Tagen seien täglich mehr als 20.000 neue Unterschriften hinzugekommen, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Hinter einem Böller-Verbot stehe längst keine Einzelorganisation mehr, sondern die Forderung werde von 62 Organisationen getragen. Darunter ist auch der Berliner Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der mit einer eigenen Online-Petition bislang 2,5 Millionen Unterschriften gesammelt hat.

Wer an Silvester Ruhe sucht, findet an diesen fünf Orten etwas mehr Ruhe:

Nationalparks

Um die Natur und die Tiere zu schützen, bestehen in Nationalparks Feuerwerksverbotes. Das gilt zum Beispiel für den Nationalpark Harz und das Wattenmeer. Doch Quartiere sind zuweilen schnell ausgebucht, wie Christin Wolgemuth vom Harzer Tourismusverband erläutert. So biete der Nationalpark Harz gibt nur eine Unterkunft, die für ein ruhiges Silvester infrage kommen würde. Zumindest etwas leiser als andernorts könne es aber auch in den angrenzenden Gemeinden sein. Zu ihnen gehören im Harz zum Beispiel Altenau, Bad Harzburg, Bad Lauterberg oder Braunlage. Dort aber ist Feuerwerk erlaubt und Lärm nicht auszuschließen.

Inseln

Je nach Insel gelten unterschiedliche Regelungen. Föhr und Amrum wollten eigentlich bereits ab diesem Jahreswechsel Feuerwerk generell verbieten. Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig hat das Verbot in einem Eilverfahren jedoch zunächst gekippt. Mit einer Allgemeinverfügung haben die Inseln aber dennoch für ein weitgehendes Knallerverbot gesorgt, erläutert Pressesprecherin Ann-Kathrin Meyerhof von der Föhr Tourismus GmbH - vor allem wegen der Brandgefahr für reetgedeckte Häuser und andere Gebäude und Anlagen. Die Einzelhändler beider Inseln haben freiwillig zugesichert, dass sie keine Silvesterartikel verkaufen wollen.

So handhabt es auch der Handel auf Langeoog, wie die Inselgemeinde mitteilte. Die Gemeinde bietet statt eines Feuerwerks eine öffentliche Lasershow an. Auf Spiekeroog ist laut einer Sprecherin ein Feuerwerk zwar erlaubt, geworben werde aber für eine "berauschend leise" gestaltete Silvesternacht. Andere Inseln wie Rügen laden explizit zu öffentlichen Feuerwerksveranstaltungen an ihre Seebrücken ein. Auf "wilde Böllerei" werde aber verzichtet, heißt es dort.

Historische Fachwerkstädte

Zum Schutz von historischen Bauten, insbesondere mit Fachwerk, haben einige Städte Verbotszonen für die Innenstädte ausgerufen. Das gilt zum Beispiel in den Innenstädten von Goslar, Quedlinburg und Wernigerode, erläutert die Pressesprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Wolgemuth. Die Hoffnung auf Ruhe erfülle sich dort aber nur eingeschränkt.

Denn auch hier sei der Lärm der Randgebiete und der angrenzenden Ortsteile zu hören. Wer auf ein ruhiges Silvesterfest im Harz hofft, dem empfiehlt Wolgemuth bei der Wunschunterkunft anzurufen und sich über die jeweilige Situation vor Ort zu erkundigen. Das empfiehlt sich auch in anderen Regionen.

Flughäfen

Auf Flughäfen wie in Hannover-Langenhagen finden Hundebesitzer einen ruhigen Platz, zumindest, wenn es ums Feuerwerk geht. In einem Umkreis von 1,5 Kilometern gilt dort gemäß der Luftverkehrsordnung ein grundsätzliches Böllerverbot, erläutert die hannoversche Flughafensprecherin Anika Studders. Der Flughafen sei rund um die Uhr für den normalen Flugbetrieb geöffnet. Hunde seien in den Terminals erlaubt. Wer möchte, könne einfach kommen.

Die Restaurants hätten zwar größtenteils geschlossen, aber Snack- und Getränkeautomaten böten Kleinigkeiten. Auf einige Regeln sollte dennoch geachtet werden, erläutert die Sprecherin. Die Hunde sollten an der Leine geführt werden, Hinterlassenschaften müssten direkt entfernt werden und auf andere Gäste sollte Rücksicht genommen werden. Studders zufolge haben rund 30 Hundebesitzerinnen und -besitzer im letzten Jahr den Flughafen mit ihrem Vierbeiner besucht.

Ausland

In den Nachbarländern sieht es teils ähnlich aus wie in Deutschland. Auch dort gibt es teilweise Verbote und Pläne dafür, die Böllerei in Zukunft weiter einzuschränken, wie Maren Dopp vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland erläutert. In den Niederlanden dürfe privates Feuerwerk nur in einem sehr kurzen Zeitfenster gezündet werden: am 31. Dezember zwischen 18 Uhr und 2 Uhr nachts. Amsterdam habe große Teile des Stadtgebiets zu feuerwerksfreien Zonen erklärt. Zugleich weise die Stadt aber darauf hin, dass es in der Silvesternacht lebhaft werden könne.

Das polnische Krakau verzichtet laut Dopp auf ein offizielles städtisches Feuerwerk und ruft dazu auf, aus Rücksicht auf Menschen und Tiere auf privates Feuerwerk zu verzichten. Ab dem Jahreswechsel 2025/26 sei zudem ein weitreichendes Feuerwerksverbot im Stadtgebiet vorgesehen. Dennoch sei damit zu rechnen, dass in den zentralen und touristischen Orten der Stadt ebenfalls viel Trubel herrschen werde.