Bischöfin zu ICE: Ähnlichkeiten zum Vorgehen der Nazis

US-Bundesagenten vertreiben Demonstranten
Adam Gray/AP/dpa
Das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE steht in der Kritik.
ICE-Einsätze in Minneapolis
Bischöfin zu ICE: Ähnlichkeiten zum Vorgehen der Nazis
Die gewaltsamen ICE-Einsätze in Minneapolis kritisiert Bischöfin Jen Nagel heftig, sie erkenne Ähnlichkeiten zum Vorgehen der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Die evangelische Bischöfin von Minneapolis berichtet von der Angst der Menschen, aber auch davon, was Hoffnung macht.

Nicht nur in Minneapolis, sondern im ganzen Bundesstaat sei die Präsenz von ICE spürbar, sagt die evangelisch-lutherische Bischöfin von Minneapolis, Jen Nagel. Sie erkenne Ähnlichkeiten zum Vorgehen der Nationalsozialisten im Dritten Reich. "Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das wieder passiert, wir müssen uns wehren", unterstreicht die Bischöfin.

Nagel spricht von "schrecklichen Grausamkeiten" der US-Einwanderungsbehörde ICE in der Stadt. "Es fühlt sich an wie in einem Kriegsgebiet, so, als wäre die Regierung im Krieg mit ihren Bürgern", sagt die Theologin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Überall würden Menschen "überprüft, bedrängt, befragt, festgehalten und zum Teil abgeschoben", berichtet die Leitende Geistliche der Minneapolis Area Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Amerika. 

Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde gehen im Großraum Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hart gegen Migranten und Flüchtlinge vor. Nach den tödlichen Schüssen auf zwei US-Bürger, nach zahlreichen Verhaftungen und Deportationen lebten viele Menschen in Angst und versteckten sich, sagt die Bischöfin.

"Jesus war auch ziemlich politisch"

Die Menschen seien nicht einverstanden mit dem, was in Minneapolis und Minnesota passiere, sagte die Bischöfin. "Immer mehr stehen dagegen auf, auch Pastoren." Das gefalle nicht allen. "Es kommt immer wieder der Vorwurf, dass wir damit zu politisch sind. Für viele gehören Kirche und Politik nicht zusammen. Aber am Ende kann man doch sagen: Jesus war schon ziemlich politisch."

Auch wenn ICE in ganz Minnesota unterwegs sei, sei die Lage in Minneapolis besonders schwierig. "Es ist eine seltsame Situation: Auf der einen Seite sehen wir diese schrecklichen Grausamkeiten und auf der anderen Seite erleben wir diese wundervolle und beeindruckende Hilfsbereitschaft", berichtet Nagel. Sie sei bewegt vom Engagement von Gemeinden und von Privatpersonen.

Die Synode helfe, wo sie könne, verbinde Menschen und bilde Netzwerke. Dabei arbeite sie eng mit Hilfsorganisationen, Vereinen und anderen Kirchen zusammen. Die Hilfe finde ökumenisch statt. "Wäre die Situation nicht so schrecklich, müsste man sich darüber freuen, wie viele Verbindungen entstehen und wie die Menschen enger zusammenrücken", sagt die Bischöfin.