Erfurt feiert buntes Fest der Demokratie

Freiluftgottesdienst
epd-bild/Paul-Philipp Braun
Im Rahmen der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitags in Erfurt haben die evangelische Regionalbischöfin Friederike Spengler (M.) und der katholische Weihbischof Reinhard Hauke (li.) vom Bistum Erfurt gemeinsam einen Freiluftgottesdienst gefeiert.
Proteste gegen AfD-Parteitag
Erfurt feiert buntes Fest der Demokratie
Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt konnte pünktlich beginnen. Blockaden der Zufahrtswege liefen ins Leere. Die Zivilgesellschaft feierte im Protest gegen die rechtspopulistische Partei ein friedliches "Fest der Demokratie" in der Innenstadt.

Mit zahlreichen Aktionen protestieren am Samstag in Erfurt Tausende Menschen gegen den dort stattfindenden AfD-Bundesparteitag. Auf nahezu allen zentralen Plätzen der Innenstadt feiern die Stadtgesellschaft und nach Erfurt gereiste Demonstrierende ein "Fest der Demokratie". Dieser bunte und friedliche Protest sei eine "Werbung für die Stadt", sagt Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Unter dem Motto "Gott vertrauen. Jetzt handeln!" gestalteten etwa die beiden großen Kirchen in Erfurt einen ökumenischen Freiluftgottesdienst. Rund 500 Gläubige folgten der Einladung zum Gebet, darunter der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer, Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) und die Thüringer Grünen-Politikerin Katrin Göring Eckardt.

Die Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friederike Spengler, bezeichnete in ihrer Predigt die Aktionen der Erfurter Zivilgesellschaft als ein "Geschenk des Himmels". Der Tag sei ein lebendiges Zeichen für das Streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Parteitag konnte pünktlich beginnen

Bereits am Freitagabend gab es ein Friedensgebet in der Martini-Kirche. Im Anschluss zogen die Teilnehmenden in die Nähe der Messehalle und bildeten mit Kerzen eine Lichterkette. Den gesamten Samstag über sind Kirchen in der Innenstadt für Schutzsuchende und als Ruheräume geöffnet.

Die angekündigte Blockade des Parteitags der in Teilen rechtsextremistischen AfD durch das Bündnis "widersetzen" scheiterte unterdessen. Zwar sei es mehreren Tausend Aktivisten gelungen, die Straßen zum Versammlungsort der AfD auf der Messe zu blockieren, erklärt ein Polizeisprecher am Samstag. Doch seien die Delegierten bereits zuvor größtenteils auf der Messe eingetroffen, sodass der Parteitag pünktlich starten konnte.

Insgesamt 14 Blockadepunkte

Noch vor Beginn der Blockaden hatte den Angaben zufolge bis 5 Uhr ein größerer Teil der rund 600 Parteitagsdelegierten das Messezentrum in Privatfahrzeugen und Reisebussen erreicht. Die Bundesparteispitze und weitere rund 140 AfD-Mitglieder hatten die Nacht in einem naheliegenden Hotel verbracht.

Die Stadtverwaltung spricht von insgesamt 14 Blockadepunkten, mit insgesamt mehreren Tausend Teilnehmenden, das Bündnis "widersetzen" von insgesamt zwölf Blockaden mit insgesamt rund 17.000 Teilnehmenden. Unter anderem hätten sich über der Autobahn A71 Personen abgeseilt, heißt es.

Bis Samstagmittag waren laut Stadt etwa 20.000 der erwarteten 50.000 Demonstrierenden eingetroffen. Sie waren mit mehr als 200 Reisebussen aus ganz Deutschland nach Erfurt angereist. Der Straßenbahnverkehr in Teilen der Innenstadt kam am Morgen zum Erliegen. Demonstranten hatten sich an einem zentralen Platz in der Nähe des geplanten Parteitags an den Schienen festgeklebt.