Missbrauch: Katholische Aufarbeitungskommissionen kommen voran

Bischof Bätzing beim katholischen Reformdialog Synodaler Weg
epd-bild/Christof Krackhardt/Christof Krackhardt
Der katholische Reformdialog Synodaler Weg nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Türen geöffnet. Allerdings sei es nicht gelungen, Betroffene sexualisierter Gewalt in wünschenswerter Weise einzubeziehen.
6. Synodaler Weg
Missbrauch: Katholische Aufarbeitungskommissionen kommen voran
Seit 2019 beraten Bischöfe und katholische Laien über Konsequenzen aus der Missbrauchskrise. Der Reformdialog endet nun mit gemischten Ergebnissen am Samstag in Stuttgart. Die Veränderungen stehen aber erst am Anfang, erste Abschlussberichte liegen vor.

Die unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den katholischen Bistümern in Deutschland hat Fortschritte gemacht. Erste von der Kirche unabhängige Aufarbeitungskommissionen stünden kurz vor ihren Abschlussberichten, sagt der Aachener Bischof Helmut Dieser am Freitag in Stuttgart bei der letzten Synodalversammlung des Reformdialogs Synodaler Weg.

Der Beauftragte für den Umgang mit Missbrauchstaten berichtet vor den etwa 180 Delegierten über die Fortschritte bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Demnach arbeiten derzeit 21 sogenannte Unabhängige Aufarbeitungskommissionen, die teilweise für mehrere der 27 Bistümer zuständig sind. Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda habe ihre Arbeit bereits mit einem umfangreichen Abschlussbericht beendet, weitere Kommissionen stünden kurz davor, heißt es in dem Bericht.

Die bislang veröffentlichten Berichte und Studien böten breite Erkenntnisse über strukturelle Bedingungen, die Missbrauch und Vertuschung begünstigt haben: Täter-Opfer-Umkehr, Klerikalismus, Institutionenschutz statt Betroffenenschutz, Defizite in Aktenführung und Verwaltung sowie problematische Aspekte des Priesterbildes und der Sexualmoral.

Betroffener: Schritte reichen nicht aus

Johannes Norporth, Mitglied des Betroffenenbeirats bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sagt, die flächendeckenden Aufarbeitungskommissionen seien zwar keine Kleinigkeiten und auch keine bloßen Alibi-Strukturen, wenn sie denn ernst genommen würden. Diese Schritte reichten aber nicht annähernd, sie seien der Anfang eines langen Weges. "Viel kürzer ist dieser Weg mit Blick auf die Überwindung der Missbrauchskrise nicht geworden", sagt er. Bis heute gebe es Kleriker und Verantwortungsträger, die die systemischen Ursachen des Missbrauchs nicht sehen wollten

Bereits am Donnerstag äußerte sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, anlässlich der Eröffnung der sechsten und letzten Synodalversammlung positiv zum Reformprozess. Ziel sei ein Kulturwandel, sagte er im Plenum. "Den haben wir begonnen, in den Synodalversammlungen zu leben." Selbstkritisch sagte er aber auch, es sei nicht gelungen, Betroffene sexualisierter Gewalt in wünschenswerter Weise in den Synodalen Weg einzubeziehen. So nehme man etwa queere Menschen in der katholischen Kirche heute anders wahr, sagte Bätzing am Donnerstag in Stuttgart anlässlich der Eröffnung der sechsten und letzten Synodalversammlung. 

Am Samstag endet der mehrjährige Reformprozess, der die Kirche infolge des Missbrauchsskandals aus der Vertrauenskrise führen sollte. 2019 hatten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken das Dialogforum beschlossen, in dem Bischöfe und Laien gleichberechtigt über Reformen beraten und abstimmen. Bis 2023 wurden 15 Texte mit Reformvorschlägen verabschiedet, unter anderem für mehr Kontrolle und Gewaltenteilung in den Bistümern.