Präses Latzel hat Verständnis für Bonhoeffer-Großneffen

Thorsten Latzel
EKiR/Dominik Asbach
Es sei "einfach nur perfide", sich als AfD an der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zu beteiligen, wenn man im Gedankengut so nah an der völkischen Ideologie sei, gegen die die Widerstandskämpfer eintraten, schrieb Thorsten Latzel auf Instagram.
Streit um AfD-Kranz-Niederlegung
Präses Latzel hat Verständnis für Bonhoeffer-Großneffen
Bei einer Gedenkveranstaltung für NS-Widerstandskämpfer kam es zu einem Streit um einen AfD-Kranz. Der rheinische Präses Latzel zeigte sich solidarisch mit dem Großneffen von Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, der in das Handgemenge verwickelt war.

Korenke habe versucht, einen Kranz der AfD bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag zu entfernen, schrieb Latzel am Dienstag auf Instagram. "Ganz ehrlich: Ich kann ihn so gut verstehen", erklärte der oberste Repräsentant der zweitgrößten Landeskirche.

Es müsse fürchterlich sein, wenn eine Partei, die insgesamt als rechtsextremer Verdachtsfall und in Teilen sogar als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz eingeordnet werde, das Andenken an Familienmitglieder politisch instrumentalisiere, schrieb Latzel. Es sei "einfach nur perfide", sich als AfD an der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zu beteiligen, wenn man im Gedankengut so nah an der völkischen Ideologie sei, gegen die die Widerstandskämpfer eintraten.

Seine Gedanken seien bei den Familien der bei dem Gedenktag Bedachten, "insbesondere bei der Familie Dietrich Bonhoeffers und Tobias Korenke, der öffentlich einsteht für seine Überzeugungen", erklärte Latzel weiter.

Der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer war bei der Gedenkveranstaltung am Montag am Berliner Bendlerblock in ein Handgemenge um den AfD-Kranz verwickelt. Nach Angaben der Stiftung 20. Juli 1944 wurde dabei versucht, den Kranz zu entfernen. Beteiligt gewesen seien keine AfD-Politiker, sondern Sicherheitsbeamte.

Stiftung: Angehörige von Widerständlern verletzt

Die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock "verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst", hatte die Stiftung weiter erklärt. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, stehe im Widerspruch zu den Überzeugungen, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten seien.

Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat in der "Wolfsschanze", der Staatsstreich misslang.