Angriff auf Kindergartengruppe vor einem Jahr

Ein Meer voller Kuscheltiere am Tatort in Aschaffenburg
epd-bild/Tim Wegner
Zum Gedenken der Opfer des tödlichen Messerangriffs legten im Januar 2025 Menschen Plüschtiere, Blumen und Kerzen am Tatort im Park Schöntal in Aschaffenburg nieder.
Gedenken in Aschaffenburg
Angriff auf Kindergartengruppe vor einem Jahr
Die Aschaffenburger Stadtgesellschaft hat am Donnerstag bei einer Gedenkfeier an die Messerattacke mit zwei Toten vor einem Jahr erinnert. Ein damals 28-Jähriger hatte am 22. Januar 2025 im Park Schöntal eine Kindergartengruppe angegriffen.

Genau ein Jahr nach dem Messerattentat mit zwei Toten und mehreren Verletzten im Park Schönborn hat die Aschaffenburger Stadtgesellschaft an die Betroffenen der Tat mit einer Gedenkfeier erinnert.

In der evangelischen Christuskirche hatten sich am Donnerstag Hunderte Menschen versammelt. Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) dankte den Kirchen für den Rahmen der Feier: "Dieses Miteinander der Religionen zeigt: In unserer Stadt stehen wir zusammen - gerade dann, wenn es dunkel ist."

Der Oberbürgermeister sprach den Angehörigen und Betroffenen erneut sein Mitgefühl aus - und dankte abermals den Ersthelfern am Tattag und den vielen Helfern in den Monaten danach. "Viele von Ihnen tragen Bilder in sich, die sich nicht löschen lassen." Minuten der Angst, der Hilflosigkeit und der Überforderung seien das am 22. Januar 2025 gewesen, sagte Herzing laut Redemanuskript: "Wir können diesen Schmerz nicht nehmen. Aber wir können Ihnen sagen: Sie sind nicht allein. Ihre Stadt steht an Ihrer Seite."

Dekan: Fast jeder weiß, wo er vor einem Jahr war

Der evangelische Dekan Rudi Rupp dankte den Gästen, die zur Gedenkfeier in die Christuskirche gekommen waren: "Fast jeder von uns weiß, wo er oder sie damals vor einem Jahr gewesen ist und wie er diesen 22. Januar 2025 verbracht hat." Er bedankte sich bei allen, "die die Bluttat im Schöntal nicht instrumentalisiert haben für eigene und dann leider oft allzu egoistische Motive". Aschaffenburg bleibe dank der Besonnenheit vieler "ein Synonym für ein schreckliches Attentat", aber eben auch für Zusammenhalt, Respekt und Vielfalt.

Bereits am Mittag hatte Oberbürgermeister Herzing bei einer Kranzniederlegung am damaligen Tatort im Park Schöntal den Zusammenhalt in der Stadt gelobt. Man habe in den Tagen nach der Tat gespürt, "wir lassen die Betroffenen nicht allein", sagte Herzing: "Wir lassen uns als Stadtgesellschaft nicht auseinanderreißen." Dieser Zusammenhalt sei nicht laut gewesen, aber "er war würdevoll und entschlossen". Man habe sich auch denen entgegengestellt, die das geschehene Leid "für Spaltung, für Hass und für Hetze" ausnutzen wollten.

Stadt plant Erinnerungsort im Park Schöntal

Herzing erläuterte am Donnerstagabend noch einmal die Pläne für einen Gedenkort im Park Schöntal. Man wolle "einen Ort schaffen, an dem sich Menschen aller Generationen, verschiedener Herkunft und Religion" begegnen können. Der Erinnerungsort solle "ein einladender Raum im Grünen" werden, offen gestaltet, ohne Barrieren, auch für Kinder geeignet. "Die Kriterien der Ausschreibung sind wohlüberlegt", man werde sich die Entscheidung nicht leicht machen. Mit der Ausschreibung soll auch eine Gedenk-Website online gehen.

Bei dem Messerattentat am 22. Januar 2025 hatte ein damals 28 Jahre alter afghanischer Geflüchteter im Park Schöntal eine Kindergartengruppe attackiert und dabei einen zweijährigen marokkanischen Jungen und einen 41-jährigen Deutschen, der der Kindergartengruppe zu Hilfe kommen wollte, tödlich verletzt. Das Landgericht Aschaffenburg hatte im Oktober 2025 entschieden, dass der Mann dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden muss. Ein Gutachter stufte ihn als paranoid schizophren ein.

Die Gedenkfeier können Sie sich auf YouTube ansehen.