Superintendent: Menschen in Stade trauern nach Gewalttat mit

Blumen und Kerzen liegen und stehen vor dem Gebäude einer Jugendeinrichtung in Stade
Jörn Hünke/dpa
Stilles Gedenken: Blumen und Kerzen erinnern an die sechs Todesopfer in der Jugendeinrichtung in Stade.
Seelsorge nach Attentat
Superintendent: Menschen in Stade trauern nach Gewalttat mit
Nach der Gewalttat in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Stade bei Hamburg mit sechs Todesopfern wollen die evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt ihre seelsorgerlichen Angebote fortsetzen.

"Die schreckliche Gewalttat und der Tod der Mitarbeitenden in der betroffenen Einrichtung haben nicht nur die Angehörigen in tiefe Trauer gestürzt", sagte Superintendent Marc Wischnowsky: "Viele Menschen in unserer Stadt trauern mit, sind besorgt und verunsichert."

Deshalb öffneten die Kirchen weiterhin ihre Räume für Trauer, Gebet und Begegnungen. "Wir machen weitere Angebote der Begleitung und Seelsorge und laden Menschen ein, mit der Last dieser Tage nicht allein zu bleiben."

So findet in der Johanniskirche, in deren Gebiet sich die Gewalttat ereignet hat, den Angaben zufolge bis zum 10. Juli an jedem Werktag von 18 bis 18.15 Uhr eine stille Andacht statt. Anschließend ist bis 19 Uhr Raum für Stille und Begegnung.

Die Altstadt-Kirchen St. Cosmae und St. Wilhadi werden am heutigen Freitagabend (3. Juli) als Orte der Stille geöffnet sein. Besucher könnten dort innehalten, Gedanken sortieren, Gebete formulieren und Kerzen entzünden, hieß es. Pastorinnen, Pastoren und weitere Ansprechpersonen stünden für Gespräche bereit. In St. Wilhadi könnten zudem Sorgen, Bitten und Gebete aufgeschrieben und an eine Stellwand gehängt werden. In St. Cosmae laden den Angaben zwei etwa 20-minütige Orgelmusiken um 19.45 und 20.45 Uhr zu ruhigen, meditativen Klängen ein.

"Lange Nacht" umgewidmet

Eigentlich war für den Abend des. 3. Juli in Stade eine "Lange Nacht" mit Musik, Tanz und viel Kultur geplant. Angesichts der Gewalttat hat die Stadt Stade die Veranstaltung jedoch zu einem "Abend der Begegnung" umgewidmet. In der St.-Wilhadi-Kirche hatten sich bereits am Dienstagabend mehrere Hundert Menschen zu einer Andacht versammelt und der Opfer gedacht. Unter den Teilnehmenden waren auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und der evangelische Landesbischof Ralf Meister.

Auch in Hannovers Marktkirche nahmen viele Menschen an einer Andacht für die Verstorbenen in Stade teil.

Angehörige und Betroffene könnten sich weiterhin individuell an die zuständigen Gemeindepfarrämter wenden, betonte der Kirchenkreis. Zudem sei die Telefonseelsorge Elbe-Weser rund um die Uhr für Ratsuchende unter der Telefonnummer 0800/1110111 erreichbar.

Sechs Todesopfer aus der Jugendhilfe

Am Montag waren nach Polizeiangaben in einer privat geführten Jugendhilfe-Einrichtung in Stade sechs Menschen getötet worden. Ein 45-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. Bei einem sogenannten Hilfeplan-Gespräch, bei dem es um das Sorgerecht für seine drei Monate alten Tochter ging, gab er mutmaßlich Schüsse ab. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor.

Bei den Getöteten handelte es sich der Polizei zufolge um vier Frauen und zwei Männer. Sie alle waren in der Jugendhilfe tätig: drei in Stade, drei in der Region Hannover. Am Mittwoch kamen rund 700 Menschen zu einem weiteren Gedenken in der evangelischen Marktkirche in Hannover zusammen.