Open Doors stellt Weltverfolgungsindex 2026 vor

Teilnehmerin beim 94. Kirchentag der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria betet.
epd-bild/Thomas Lohnes
"Open Doors"-Leiter Markus Rode schätzt den Konflikt in Nigeria als sehr gefährlich für Christen ein. Mehr als ein Streit um Land oder Ressourcen habe er eine klare religiöse Agenda.
Gewalt an Christen
Open Doors stellt Weltverfolgungsindex 2026 vor
Nigeria gilt als eines der gefährlichsten Länder für Christen. Der Konflikt dort ist nach Einschätzung von "Open Doors"-Leiter Markus Rode mehr als ein Streit um Land oder Ressourcen - ihm zufolge hat er eine klare religiöse Agenda.

Der Leiter von "Open Doors Deutschland", Markus Rode, warnt davor, das Leid der Christen in Nigeria zu ignorieren. Es wäre schon ein Riesenschritt, wenn international wahrgenommen werde, dass in dem Land "Christen niedergemetzelt und vernichtet werden", sagt Rode dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich der Vorstellung des Weltverfolgungsindex 2026 durch das christliche Hilfswerk am Mittwoch im hessischen Kelkheim.

Es sei vor allem ein religiös motivierter Konflikt, in dem zwar auch Streit um Land, die Folgen von Umweltveränderungen sowie Fragen von Einfluss und Macht eine Rolle spielten, diese Faktoren seien aber nachgeordnet. Hinter den Angriffen stecke eine "klare islamistische Agenda", hätten ihm Überlebende von Massakern bei seinem Besuch des Landes immer wieder bestätigt. Teilweise seien diese gewarnt worden.

"Wenn ihr nächste Woche nicht alle zum Islam konvertiert seid und die Kirche nicht eine Moschee ist, dann werden wir euch umbringen." Die oft gebrauchte Deutung, es gehe "einfach nur" um einen Konflikt zwischen christlichen Bauern und muslimischen Viehhirten, den Fulani, "ist nicht die Realität", sagt Rode.

"Konflikt ist komplex"

Allerdings sei der Konflikt komplex, räumte Rode ein. Landnahme und wirtschaftliche Interessen träten hinzu, etwa wenn kriminelle Gruppen christliche Kinder entführten, um Lösegeld zu erpressen. Zwar seien in dem westafrikanischen Land sowohl christliche als auch muslimische Zivilisten Opfer der Gewalt geworden. Es gebe viele Fulani, "die wollen friedlich leben", aber ein Großteil habe sich radikalisiert.

Mit Blick auf die Politik äußert Rode deutliche Kritik: Gerade die Regierungen, die auf Menschenrechte so viel Wert legen - in Europa, insbesondere in Deutschland - seien "einfach still". Man höre fast nichts. Der nigerianische Präsident Bola Tinubu müsse "spüren, dass das Thema gesehen wird" und dies auch Konsequenzen haben könne, betont Rode. Durch US-Präsident Donald Trump sei das Thema immerhin in die Medien gekommen. Dies sei zu begrüßen - unabhängig davon, "von wem es komme".

Trump hatte Nigeria Ende 2025 vorgeworfen, einen Massenmord an Christen zu dulden und ordnete US-Luftangriffe auf mutmaßliche IS Stellungen in dem Land an. Rode sieht zurzeit kaum Veränderungen, denn die Gewalt sei nach wie vor auf einem extrem hohen Level: "Man kann es ja immer wieder auch hören, dass Hunderte von Schülern, von Christen, von christlichen Schulen verschleppt werden, dass Dörfer überfallen werden." Die Zahl der dokumentierten Tötungen bleibe hoch: "72 Prozent der 4.849 Christen, die wegen ihres Glaubens weltweit getötet wurden, also dokumentierte Ermordungen innerhalb eines Jahres, kommen aus Nigeria. Und die Dunkelziffer ist noch viel höher."