Es sind noch fast 20 Jahre, viel Zeit. Dennoch erscheint die Aufgabe immens: Bis 2045 will die evangelische Kirche klimaneutral sein. Das gilt auch für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in deren Klimaschutzgesetz von Oktober 2020 es heißt: "Die Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2045 auf null gesenkt werden (CO2-Neutralität)."
Das heißt, unter dem Strich darf dann kein klimaschädliches Gas mehr in die Atmosphäre gelangen. Aber wie kann Kirche das erreichen, mit ihren riesigen Gebäuden und zahllosen weiteren Immobilien? Ein Bericht auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat im November in Dresden aufgezeigt, woran es noch hakt.
Der Bericht schätzt, dass durch die Nutzung kirchlicher Gebäude pro Jahr knapp 520.000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden, 83 Prozent davon durch die Beheizung, 17 Prozent durch die Art der Stromerzeugung. Noch liegt der Anteil fossiler Energie beim Beheizen kirchlicher Gebäude je nach Landeskirche zwischen 73 und 97 Prozent. Um den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern, wird die Kirche also vor allem andere Heizungen brauchen.
In der evangelischen Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg ist es angenehm warm an diesem Wintertag: Draußen ist es um den Gefrierpunkt, drinnen weist das Thermometer 19 Grad Celsius aus. Und das in einem Kirchenraum mit 14.835 Kubikmetern Volumen - die zweitgrößte Kirche Berlins nach dem Dom, wie Ajna Nickau betont, Vorständin des Evangelischen Immobilienwerks in Berlin. Bis zu 1.200 Menschen passen bei den vielen Konzerten dort hinein.
Die Wärme braucht es also. Außerdem ist die Kirche ein Ort im "Wärmewinter", einer Hilfsaktion der Diakonie und der EKD. Früher bollerte die alte Gastherme im Keller, erinnert sich Ajna Nickau. Und davor seien "tonnenweise Kohlen in den Keller geschippt" worden. Viele Einnahmen aus den Konzerten seien dann für die Betriebskosten draufgegangen, wie eben die Heizung, heißt es aus der Gemeinde. Noch immer ist die alte Gasanlage unter dem Altar zu finden, aber nur noch als Ersatz für das neue Blockheizkraftwerk.
Denn seit zwei Jahren kommt aus der alten Gasleitung Biomethan von der Gasag, dem örtlichen Versorger. Dieses speist das Blockheizkraftwerk, das nun im Keller unter dem Altar vis-à-vis der alten Gastherme steht. Die Anlage funktioniere "wie ein Motor", sagte Ajna Nickau. Strom und Wärme werden gleichzeitig produziert, dank Kraft-Wärme-Kopplung.
Der Weg dorthin war keinesfalls einfach. Unter anderem musste ein Weg für einen Abgasschacht durch das denkmalgeschützte Gebäude gefunden werden. Das machte Untersuchungen der Statik nötig, aber auch enge Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden.
Alle Varianten geprüft
Die Apostel-Paulus-Kirche im Schöneberger Akazienkiez nennt sich nun seit zwei Jahren selbstbewusst "die erste klimaneutrale Großkirche in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz". Kann es so einfach sein? Architektin Nickau vom kirchlichen Immobilienmanagement bremst die Euphorie. Sie ist für 205 Immobilien zuständig, Kirchen, Pfarrhäuser, Kitas, Wohnungen: "194 davon sind in einem desaströsen Zustand." Und: "Uns fehlt an allen Ecken und Enden das Geld."
Die Anlage in der Apostel-Paulus-Kirche hat 260.000 Euro gekostet. Der Superintendent des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg weiß, dass es ohne Gasag und die Stiftung Denkmalschutz Berlin noch lange nicht geklappt hätte mit der Klimaneutralität. Alle möglichen Varianten habe man damals durchgespielt, sagt Michael Raddatz: Aber Fernwärme lag nicht an, für eine Wärmepumpe war der Raum zu groß, Solarpaneele schieden aus Gründen des Denkmalschutzes aus.
Nun aber könne man dank Gasag und Denkmalschutz "ohne schlechtes Gewissen gegenüber den Kindern und Enkeln Gottesdienst feiern". Und: "Mit der Apostel-Paulus-Kirche sind wir für die gesamte Landeskirche zu einem Pilotprojekt geworden."


