Wenn eine Kirche nicht mehr als Kirche genutzt wird, ziehen Kulturzentren, Buchläden oder Kletterparks ein. In der Harburger Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße werden es viele kleine Kinder sein. Am historischen, denkmalgeschützten Kirchenstandort baut der Hamburger Kita-Betreiber "KMK kinderzimmer" seine neue Kita Schlossmühle. Im Herbst soll endlich eröffnet werden, zwei Jahre später als geplant.
"Es ist keine 0-8-15-Baustelle: Wir wussten nicht, was uns hinter oder unter alten Mauern erwartet", sagt Bauleiter Matthias Ferwing, der insgesamt 80 beteiligte Bauarbeiter koordiniert hat. Das Ensemble mit barockem Eingangsportal, Hofplatz, Glockenturm und Bauten aus den 1960er Jahren steht unter Denkmalschutz. Die Ruinen der Dreifaltigkeitskirche stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die alte Kirche wurde im November 1944 durch Bomben zerstört, von ihren Außenmauern ist heute noch die Westwand mit dem Portal erhalten. Ein Mahnmal des Krieges, das Risse bekommen hat.
"Auch das Portal wird restauriert", erklärt der Bauleiter, der viel Fingerspitzengefühl brauchte. Die Gehwegplatten, die er wegen eines Rückhaltebeckens entfernen ließ, wurden im originalgetreuen Muster wieder gepflastert. Leitungen wurden umgelegt, Gebeine mussten umgebettet werden, immer wieder waren Archäologen auf der Baustelle.
Historische Schätze
Im September 2023 wurde die evangelische Kirche in einem Gottesdienst entwidmet und der Bauzaun aufgestellt. Mittlerweile ist das Kreuz längst abgehängt, die Kirchenbänke sind raus, die Orgel zog in eine andere Kirchengemeinde. Religiöse Symbole und auch die Christusfigur werden eingelagert. "Vielleicht finden sich ja noch Menschen, die Interesse an den historischen Gegenständen haben", sagt Kathrin Stojakovic, Geschäftsführerin von "KMK kinderzimmer".
Im Gebäude bleiben Ziegelwände und Schieferplatten erhalten, die alten Lampen des Altarraums wurden einfach hochgehängt. "Da kommt kein Ball ran", schmunzelt die 44-jährige Geschäftsführerin. Im ehemaligen Kirchenschiff wurde nach dem Haus-im-Haus-Prinzip ein Kubus eingesetzt: Ein Raum für die Garderobe, wo die Kinder ankommen sollen. Das ehemalige Gemeindehaus wurde entkernt und um eine zusätzliche Etage für die Gruppenräume ergänzt.
Über 170 Kita-Plätze
Gerade werden die letzten Holzleisten, Trägerprofile und Kabel weggeräumt. Im April soll das Gebäude an die Kita übergeben werden. "Dann wird alles noch bunt bemalt und schön eingerichtet", sagt Stojakovic. Wenn alles fertig ist, können rund 100 Kinder zwischen drei und sechs Jahren betreut werden, dazu kommen 70 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren.
Dass mit den sinkenden Geburtenzahlen der Bedarf an Kita-Plätzen zurückgeht, hat auch Stojakovic im Blick. Natürlich werde die Kita nicht ab dem ersten Tag ausgelastet sein. Trotzdem ist sie optimistisch: "Wir wollen die Eltern mit unserem Konzept und unserer Qualität überzeugen." Mit insgesamt über 40 Standorten ist "KMK kinderzimmer" der drittgrößte Kita-Träger in Hamburg.
Kinderbibliothek für alle
Stojakovic kann es kaum erwarten, bis große pinke Elefanten, blaue Wale, grüne Vögel und orangene Affen die Wände bevölkern. "Wir wollen hier einen schönen Ort des Miteinanders schaffen", sagt die Mutter von drei Kindern. Dabei denkt sie nicht nur an Teddys, Bauklötze, Kaufmannsladen und die Schaukel im Garten. Im ehemaligen Küsterhaus wird eine Kinderbibliothek ("kiziThek") einziehen.
Über 1.300 Bilderbücher, Klappenbücher oder Vorlesegeschichten werden dort in Regale geräumt. Die Förderung von Sprache und Motorik seien Schwerpunkte der Kita. Das Besondere: Die Bibliothek soll nicht nur Kita-Kindern, sondern nachmittags möglichst allen Harburger Kindern offenstehen.
Nach jahrelangem Leerstand und Baustelle, wünscht sie sich, dass das Gelände ein Ort der Begegnung im Stadtviertel wird. Damit knüpfe man an seine Tradition an, schließlich sei die Kirche früher auch ein solcher Ort gewesen. Stojakovic: "Wir wollen ihn wieder lebendig machen." Das dürfte mit Kindern überhaupt kein Problem sein.


