Mehr als 30.000 Menschen saßen in Berlin mitten in der Winterkälte ohne Strom, Heizung und verlässliche Kommunikation. Pflegebedürftige, ältere Menschen und Familien waren besonders betroffen. Kirchen und soziale Einrichtungen öffneten ihre Türen, boten Wärme, Tee und Zuflucht. Sie taten, was christliche Nächstenliebe gebietet, weil andere bewusst ein Risiko für Unschuldige in Kauf genommen haben.
Die linksextreme Vulkangruppe hat sich zu dem Anschlag auf die Strominfrastruktur bekannt. Sie rechtfertigt ihr Handeln mit dem Kampf für den Klimaschutz. Doch hier liegt der zentrale Irrtum: Ein guter Zweck ist kein Mittel, um sich von Schuld reinzuwaschen.
Die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung ist berechtigt. Sie ist sogar ein zutiefst christliches Anliegen. Aber wer Infrastruktur sabotiert, weiß, dass nicht abstrakte Systeme leiden, sondern ganz leibhaftige Menschen. Wer in eisigen Temperaturen den Strom kappt, nimmt Krankheit, Angst und Lebensgefahr billigend in Kauf. Das ist kein Kollateralschaden. Das ist moralisches Versagen.
Oft wird argumentiert, linksextreme Gewalt richte sich "nur gegen Dinge". Doch diese Trennung ist in diesem Fall bequem und falsch. Strom, Wärme und Kommunikation sind Lebensgrundlagen. Ihre Zerstörung trifft die Schwächsten zuerst.
Pflegebedürftige werden zu Risiken, alte Menschen zu Zahlen in einer Statistik. Das widerspricht jedem Anspruch auf moralische Überlegenheit. Hinzu kommt die gesellschaftliche Wirkung solcher Taten. Der Anschlag schüttet Wasser auf die Mühlen der AfD. Er bestätigt Ängste, verstärkt Polarisierung und diskreditiert Klima- und Umweltanliegen insgesamt.
Wer glaubt, mit Radikalität Aufmerksamkeit zu schaffen, verkennt, dass er vor allem Ablehnung erzeugt. Und damit genau jenen Kräften nutzt, die ökologische Verantwortung grundsätzlich infrage stellen.


