Warum Schornsteinfeger als Glücksbringer gelten

Symbolbild Glücksbringer
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Schwein, Kleeblatt, Marienkaefer, Hufeisen - und natürlich Schornsteinfeger: Alle gelten sie als Glücksbringer und sind besonders zum Jahreswechsel wieder gefragt.
Kaminkehrerin klärt auf
Warum Schornsteinfeger als Glücksbringer gelten
Warum speziell Schornsteinfeger Glück bringen und ob sich wirklich alle Menschen über ihr Kommen freuen, erzählt Laura Katharina Anneser (26) vom Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie wurde 2020 zur besten Nachwuchs-Gesellin im Kaminkehrer-Handwerk in Bayern gekürt und legte 2021 ihre Meisterprüfung ab.

epd: Frau Anneser, warum gelten Schornsteinfeger als Glücksbringer?

Laura Katharina Anneser: Der Aberglaube stammt aus dem Mittelalter. Vor allem in Städten wurden Häuser eng aneinander gebaut. Wenn der Kamin eines Hauses wegen Rußablagerungen darin gebrannt hat, hat sich das Feuer super schnell vom Haus auf ganze Stadtviertel ausgebreitet.

Schornsteinfeger werden daher als Glücksbringer gesehen, weil sie den Ruß aus dem Kamin entfernt und damit den Brand vom Haus ferngehalten haben. Kaminkehrer - so werden Schornsteinfeger in Bayern genannt - gelten übrigens in vielen Ländern als Glücksbringer.

In Italien gibt es jedes Jahr in Santa Maria Maggiore das Internationale Schornsteinfegertreffen mit einem großen Umzug. Da kommen Tausende Menschen aus aller Welt zusammen.

Warum speziell Schornsteinfeger Glück bringen und ob sich wirklich alle Menschen über ihr Kommen freuen, erzählt Laura Katharina Anneser.

Also freuen sich die Menschen, wenn Sie zu ihnen nach Hause kommen und ihnen aufs Dach steigen?

Anneser: Ja, die meisten schon. Viele sehen in uns einen Glücksboten und wollen uns berühren oder den goldenen Knopf vom Koller - also unserer Jacke - drehen. Die Kinder lassen wir gern mal mithilfe eines Spiegels von unten durch den Kamin schauen.

Wenn sie oben Licht sehen, wissen sie, dass wir den Ruß entfernt haben und dass der Schornstein sauber ist. Zum Schluss machen wir den Kindern, wenn sie es mögen, mit unserem Ruß die Nase schwarz. Das soll auch Glück bringen. Es gibt aber auch einige Menschen, die sich nicht so freuen, wenn wir kommen.

Man darf nicht vergessen, wir haben ja auch eine Verantwortung: Wir müssen laut Gesetz regelmäßig die Heizvorrichtungen überprüfen. Und natürlich müssen wir auch Mängel beanstanden, die dann beseitigt werden müssen.

Hilft das positive Image des Schornsteinfegers eigentlich für die Nachwuchsgewinnung?

Anneser: Auf jeden Fall. Wir hatten im letzten Jahr so viele Auszubildende wie noch nie: 180 junge Leute in Bayern haben einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, in diesem Jahr waren es 139. Der Beruf ist total vielseitig. Es geht um viel mehr, als nur auf Dächern herumzuklettern. Wir überprüfen unter anderem die gesamte Heiztechnik und beraten in Energiefragen. Aber klar: Wer Schornsteinfeger werden will, darf keine Angst vor Höhe und auch nicht vor Schmutz haben.