TV-Tipp: "Theresa Wolff: Nebel"

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29. November, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Theresa Wolff: Nebel"
Zum Finale geht es für Gerichtsmedizinerin Wolff um den rätselhaften Tod eines jungen Mannes. Wurde ihm sein Drogenmissbrauch zum Verhängnis, auch wenn die Mutter betont, er habe damit nichts zu tun gehabt?

"Willkommen in meinem Leben": Der Satz würde zu nahezu allen Figuren dieses Krimis passen. Trotzdem ist "Nebel" in erster Linie ein Abschied: Titeldarstellerin Nina Gummich sagt als eigenwillige Jenaer Rechtsmedizinerin nach sieben Filmen ebenso adieu wie Kommissar Lewandowski. Von ihm stammt der Eingangssatz, er ist an eine Kollegin vom LKA gerichtet und enthält den unausgesprochenen Subtext "Da sehen Sie mal, womit ich es jeden Tag zu tun habe", als sich Theresa Wolff wieder mal im Ton vergriffen hat. In Wirklichkeit schätzt er die Ärztin natürlich über alle Maßen, und garantiert mag er auch ihre verschrobene Art, zumal sie ihm bei der Aufklärung kniffligster Fälle mit Expertise, Scharfsinn und nicht zuletzt großer Hartnäckigkeit stets eine Hilfe war.

Da schon vorher bekannt war, dass sich Nina Gummich und Aurel Manthei in Zukunft anderen Aufgaben widmen wollen, ergibt sich die Spannung des Films nicht zuletzt aus der Frage, wie die Handlung enden wird. Tatsächlich hängt nicht nur Wolffs Leben schließlich an einem sehr, sehr dünnen Faden, auch Praktikant Jost (Anton Giuseppe Arnold) hat sich in erhebliche Gefahr begeben, weil er ähnlich wie seine Chefin auf eigene Faust ermitteln wollte.

Während ihn vermutlich in erster Linie die Freude am Kriminalisieren antreibt, wird sie von Schuldgefühlen geplagt: Ausgerechnet der Perfektionistin ist ein tödlicher Fehler unterlaufen. Den kann sie nicht mehr gut machen, aber sie kann Jost retten; und koste es ihr eigenes Leben. "Der Tod ist für mich keine Bedrohung", sagt sie beim klärenden Gespräch mit Janine Behrend (Angelina Häntsch), die sie zuvor mit ihrer Dienstwaffe bedroht hatte. Außerdem befand sich die Streifenpolizistin in einer Ausnahmesituation: Bei der Leiche, die am Morgen irgendwo zwischen Garagen gefunden worden war, handelte es sich um ihren Sohn. Weil dessen bester Freund Eric (Henning Flüsloh) in der Nähe herumlungerte, war Janine überzeugt, er habe den 21jährigen Finn auf dem Gewissen; sie war drauf und dran, den jungen Mann zu erschießen, als sich Wolff dazwischen gestellt hat.

Diese brenzlige Situation ist der Auftakt zu einem Krimi, der auf zweiter Ebene ein Mutter/Sohn-Drama ist: Finn ist bereits das dritte Opfer der synthetischen Droge "Moonshadow", deren Wirkung die von Heroin deutlich übertrifft und bei überhöhter Dosierung tödlich ist. Janine beteuert, ihr Sohn habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt. Das weiß sie deshalb so genau, weil sie ihn regelmäßig heimlich testet. Auch sonst scheint die Frau ihre mütterliche Fürsorgepflicht etwas zu genau zu nehmen.

Vermutlich haben die Kollegen das gewusst; jedenfalls hat niemand einen Finger gerührt, als sie Finn zwei Tage zuvor als vermisst gemeldet hat. Angesichts der Ausstattung seines "Kinderzimmers" ahnt Lewandowski, dass hier irgendwas nicht stimmt, und tatsächlich zeigt sich später: Finn hat ein Doppelleben geführt. Zunächst konzentrieren sich die Ermittlungen jedoch auf Eric, denn die Bilder einer Überwachungskamera belegen, dass sich die Freunde unmittelbar vor Finns Tod getroffen haben; Finn hat auch zweifelsfrei die tiefen Kratzer an Erics Körper verursacht. Der wiederum ist psychisch sehr labil und füllt Erinnerungslücken gern mal mit seiner Fantasie. Als Zeuge ist er entsprechend unbrauchbar, als Täter kommt er dagegen in Frage; aber welches Motiv könnte er haben?

Die Vorlage stammt erneut von Hansjörg Thurn und Carl-Christian Demke, die bis auf den Auftakt (2021) alle "Theresa Wolff"-Drehbücher verfasst haben. Auch die Umsetzung durch Nathan Nill (Regie) und Peter Drittenpreis (Kamera) bewegt sich auf hohem Fernsehfilmniveau. Die Hauptdarstellerin muss sich ihre Szenen diesmal allerdings mit einem "Co-Star" teilen: Eric hat ein nach seiner Verhaftung verwaistes Kaninchen, um das sich Wolff fortan rührend kümmert. Tiere sind ihr offenkundig näher als Menschen.

Wie sorgsam durchdacht das Drehbuch ist, zeigt sich während der Obduktion, als sich Wolff bei Finns Leiche für ihr Husten und Schniefen entschuldigt; erst gegen Ende wird dieser zunächst völlig nebensächlich wirkende Moment einen tödlichen tieferen Sinn bekommen. Davon abgesehen ist früh klar, dass die Handlung eine Tragödie ist: Janine muss als zweiten Schock verkraften, dass ihr Sohn exakt zu der Person geworden ist, vor der sie ihn beschützen wollte.

Der Ausstieg von Gummich und Manthei bedeutet keineswegs das Ende der Reihe: Sie wird unter dem Sammeltitel "Thüringenkrimi" mit Emily Cox und Golo Euler in neuen Rollen, aber gleichen Funktionen fortgesetzt.