Manchmal male ich ein Haus für uns
In diesem Buch kommen Kinder aus dem Flüchtlingscamp Kara Tepe zu Wort.
"Ein perfekter Tag in der Zukunft wäre, wenn ich eine eigne Hilfsorganisation hätte. […] Was immer Menschen brauchen, ich würde versuchen, es ihnen zu geben", sagt Alireza (13) aus Afghanistan, der im Kara Tepe Camp auf Lesbos lebt. Wie alle Kinder und Jugendlichen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrem Leben im Camp, von den Dingen, die sie vermissen, die ihnen Freude oder auch große Sorgen bereiten.
Einige ihre Träume unterscheiden sich nur wenig von denen anderer Kinder: Astronautin oder Fußballstar werden, ein eigenes Haus oder eine Rutsche. Doch dann sind da noch die anderen Wünsche: warm duschen zu können, zur Schule gehen zu dürfen, wieder mit der Oma vereint zu werden, die in ein anderes Camp geschickt wurde, fair behandelt zu werden … Sie erzählen von ihrer Flucht, vom Brand in Moria, von Tagen ohne Zelt und ausreichend Wasser.
Vom Nichtgewolltsein, von der Gefangenschaft im Camp und von Eltern, die versuchen, die Hoffnung auf ein besseres Leben aufrechtzuerhalten. Das Buch zeigt in Text und Bild, was es bedeutet, Flüchtlingskind zu sein, es gibt den individuellen Schicksalen hinter den inzwischen selten gewordenen Nachrichtenbildern eine Stimme. Der Verlag bietet auf seiner Website pädagogisches Begleitmaterial an. Ab 8 Jahren mit erwachsener Begleitung.
Wiebke Mandalka
Horst, Alea: Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder. Alea Horst. Vignetten von Mehrdad Zaeri. Leipzig: Klett Kinderbuch 2022. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm.
ISBN 978-3-95470-263-3, geb.: 16,00 €
Von Null auf Held
Spannende Geschichte über Flucht, Freundschaft und Mut.
Als sein Mitschüler Amin spurlos verschwindet, weiß Johnny gar nicht, wer das überhaupt ist. Zwar soll Amin am Tag seines Verschwindens noch an seiner Haustür geklingelt haben, aber Johnny hat genug eigene Probleme, um sich auch noch um einen fremden Jungen zu scheren.
Doch dann findet er Amins Tagebuch und erfährt, dass Amin die Pausen allein auf dem Klo verbracht hat, dass er toll malen und noch toller Fußball spielen kann, dass er morgens vor der Schule gearbeitet hat und dass er in einer Unterkunft für Geflüchtete lebt – ganz allein, denn seine Eltern und seine Geschwister hat er auf der langen Flucht aus Afghanistan verloren und niemand weiß, wo sie sind oder ob sie überhaupt noch leben. Ein sehr einfühlsames Buch um einen Jungen, der nach und nach lernt, was wahre Freundschaft und echter Mut bedeuten.
Die Perspektive bleibt zwar die gesamte Geschichte über bei Johnny, durch Amins Tagebucheinträge erfahren Johnny und die Lesenden trotzdem viel von dessen Vergangenheit in Afghanistan, seinen Erlebnissen auf der Flucht, seinem Ankommen in Deutschland und auch seinen Ängsten und Träumen. Eine Geschichte, die nicht nur durch die besondere Vermittlung der Themen Flucht und Asyl überzeugt, sondern auch durch Spannung, Witz und einem tollen Protagonisten mit großer Entwicklung! Ab 10 J.
Miriam Weinrich
Raymond, Mirjam: Von Null auf Held. oder Wer ist eigentlich Amin?. Mirjam Raymond. Ill. von Maja Bohn. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer 2025. 234 S. : Ill. ; 22 cm.
ISBN 978-3-7373-4393-0, geb.: 12,90 €
Zwischen Hass und Haltung
Wie kann es unserer Migrationsgesellschaft gelingen, in demokratischem Diskurs, die uns verbindenden Werte zu leben?
Eine Gebrauchsanweisung für eine funktionierende Migrationsgesellschaft, die andere Kulturen begreift, wertschätzt und Vielfalt lebt, entwirft Dervis Hizarci, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, aus seinen profunden Kenntnissen und Erfahrungen in interkultureller und interreligiöser Bildungsarbeit. Die Terroranschläge des 11. September 2001 und des 7. Oktober 2023 stellen für ihn eine Zäsur dar, in der die deutsche Mehrheitsgesellschaft Muslime kollektiv zu antisemitischen Staatsfeinden erklärt hat.
Eine solch rassistische und stigmatisierende Ausgrenzung befördere eine Radikalisierung und gefährde unsere Demokratie. Nur durch eine kontinuierliche antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem begreife und eine lebendige Erinnerungskultur als unverzichtbares Element deutscher Staatsräson einschließe, sei es möglich, gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz auf der Basis unseres Grundgesetzes zu leben.
Für politisch Interessierte: Vielfältige Impulse zum Umgang mit alltäglichem Antisemitismus und Rassismus aus der Perspektive eines migrantisch gelesenen muslimischen Pädagogen.
Christine Heymer
Hızarcı, Derviş: Zwischen Hass und Haltung. Was wir als Migrationsgesellschaft lernen müssen. Derviş Hızarcı. Berlin: Suhrkamp 2024. 158 S. ; 22 cm.
ISBN 978-3-518-47447-1, geb.: 18,00 €
Die Sommer
Leben einer Ezidin zwischen Deutschland und Syrien.
Jeden Sommer fährt Leyla mit ihren Eltern von Deutschland zur Familie des Vaters nach Syrien. Während sie anfangs das einfache, fast beschaulich wirkende Leben dort auf dem Land beschreibt und zeigt, wie geschickt gerade Kinder den Spagat zwischen zwei so unterschiedlichen Leben meistern, so dringt sie mit zunehmendem Alter immer weiter in die politische Dimension ihres Lebens vor. Hier nimmt das anfangs etwas träge dahinfließende Buch von Seite zu Seite an Fahrt auf.
Der Vater, Mitglied der KP Syriens, musste fliehen und kann nur mittels Bestechung wieder einreisen. Die Familie – ezidische Kurd:innen – ist zunehmenden Bedrohungen durch den syrischen Staatsapparat und islamistische Terrorgruppen ausgesetzt. Die Erzählerin verfolgt panisch den Bürgerkrieg in Syrien und muss erleben, dass dieser ihre deutschen Freund:innen nicht interessiert. Sie ist – abgesehen von ihren Eltern – allein mit den furchtbaren Nachrichten und ihrer Angst um die Familie.
Das Buch gibt einen zunehmend erschütternden Einblick in das Leben in Syrien und macht beschämend deutlich, wie wenig man über die politischen Ereignisse und das Leben der ezidischen Kurd:innen in diesem Land weiß.
Für politisch interessierte Leser*innen ein Gewinn.
Wiebke Mandalka
Othmann, Ronya: Die Sommer. Roman. Ronya Othmann. München: Hanser 2020. 284 S. ; 21 cm.
ISBN 978-3-446-26760-2, geb.: 22,00 €
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