Heinrich sieht Gesprächsbedarf bei Thema Friedensethik

gezeichnete Taube als Symbol für den Frieden

© Laura Rosina/iStockphoto/Getty Images

Die Friedensethik sucht nach Antworten auf die Frage, wie in bestimmten Situationen friedvoll gehandelt werden sollte.

Präses mit Blick auf EKD-Synode
Heinrich sieht Gesprächsbedarf bei Thema Friedensethik
Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, rechnet damit, dass die Kontroverse innerhalb der evangelischen Kirche über die Friedensethik auf der Jahrestagung des Kirchenparlaments erneut eine Rolle spielt.

"Da ist Gesprächsbedarf", sagte Heinrich am Freitag in Berlin. Bei der Synodentagung Anfang November in Magdeburg steht ein Bericht des EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer auf der Tagesordnung.

Der mitteldeutsche Bischof Kramer hatte mit seiner Haltung gegen Waffenlieferungen in die Ukraine eine kontroverse Debatte in der evangelischen Kirche über die Friedensethik angestoßen. Von anderen leitenden Geistlichen erntete er Widerspruch. Auch die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus rechtfertigte Waffenlieferungen mit Verweis auf das Recht auf Selbstverteidigung.

Heinrich sagte, Kramer wolle mit seinem Bericht vor der Synode einen neuen Prozess zur Auseinandersetzung über die Friedensethik anstoßen. Die Grundannahmen der EKD zur Friedensethik seien nicht überholt, sie müssten aber stärker an der Praxis ausgerichtet durchdacht werden. Dazu sei ein breiter Konsultationsprozess geplant.

Die Synode der EKD kommt vom 6. bis 9. November in Magdeburg zu ihrer Jahrestagung zusammen. Das Kirchenparlament, dem Geistliche und Laien angehören, entscheidet über den Haushalt der EKD und beschließt Kirchengesetze. Die Synode wird alle sechs Jahre neu zusammengesetzt. Die Amtszeit in der jetzigen Zusammensetzung begann 2021 mitten in der Corona-Pandemie. In Magdeburg kommen die 128 Delegierten erstmals in Präsenz und nicht nur digital zusammen.

Die Synode tagt erstmals auch in etwas kürzerer Form. Das hat Heinrich zufolge auch Auswirkungen auf die traditionellen politischen Empfänge am Rande der Synode. Künftig werden nach ihren Worten der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU (EAK), die SPD und die Grünen jährlich wechselnd einen Empfang ausrichten. In diesem Jahr lädt der EAK zu einem Empfang ein, zu dem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erwartet wird. In der Vergangenheit hatten sowohl Union wie auch SPD an zwei verschiedenen Abenden der Synodentagung Empfänge ausgerichtet, die Grünen bislang nicht.

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Stichwort: Evangelische Kirche in Deutschland

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 19,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 128 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus.

Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen. Die einzelnen Landeskirchen sind selbstständig, die EKD koordiniert jedoch das einheitliche Handeln. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Beziehungen zu den Partnerkirchen im Ausland. Zudem ist die EKD zuständig für die Herausgabe der Lutherbibel und des Gesangbuchs. Sie veröffentlicht regelmäßig Denkschriften zu ethischen, sozialen, politischen und theologischen Themen.

Die Teilung Deutschlands hatte 1969 auch für die evangelische Kirche eine organisatorische Trennung zur Folge. Nach der politischen Wiedervereinigung schlossen sich 1991 die evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland wieder zusammen. Anfang 2007 wurde eine Strukturreform wirksam, die auf eine enge Verzahnung der Organe und Dienststellen von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen der Lutheraner und Unierten abzielt. Seit 2009 tagen daher EKD-Synode, die lutherische Generalsynode und die Vollkonferenz der unierten Kirchen zeitlich und personell verzahnt am gleichen Ort.

Stichwort: Konfessionelle Bünde in der EKD

Unter dem Dach der EKD gibt es zwei konfessionelle Bünde: In der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sind sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund acht Millionen Gläubigen verbunden. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) wird von zwölf Landeskirchen gebildet, zu denen mehr als zehn Millionen Christen gehören.

Diese überwiegend unierten Kirchen gingen aus dem Zusammenschluss reformierter und lutherischer Kirchen im 19. Jahrhundert in Preußen und anderen deutschen Ländern hervor. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist Mitglied in beiden Bünden.

Seit einigen Jahren verzahnen die EKD und die beiden konfessionellen Zusammenschlüsse ihre Organe und Dienststellen miteinander, um Kräfte zu bündeln und Doppelstrukturen zu vermeiden. Das sogenannte Verbindungsmodell wurde 2007 wirksam. Seit 2009 tagen die Kirchenparlamente von Lutheranern und Unierten sowie die EKD-Synode jeweils örtlich und zeitlich verbunden sowie personell verzahnt. Auf der Synode 2016 stimmten die Delegierten auch für die Zusammenführung der drei Kirchenämter in Hannover.

Eine Vertiefung der gemeinsamen theologischen Arbeit soll überdies zu einer stärkeren evangelischen Profilierung führen, ohne die Bekenntnisunterschiede zwischen lutherischen, reformierten und unierten Christen in Deutschland zu verwischen. Die Vereinbarungen betreffen die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen den Kirchenbünden zum Beispiel in den Bereichen Theologie, Liturgie und Ökumene sowie Rechtsangleichungen wie bei den Pfarrdienstgesetzen.