Kurschus: Habe nie Waffenlieferungen begrüßt

Annette Kurschus  im Talar

© epd-bild/Paolo Galosi

"Viele möchten einfache Antworten, am besten im Ja-Nein-Schema. Ich mache da nicht mit", erklärt Theologin Annette Kurschus ihre Haltung zu Waffenlieferungen in die Ukraine.

Positionierung zum Ukraine-Krieg
Kurschus: Habe nie Waffenlieferungen begrüßt
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, warnt vor einfachen Positionierungen zum Ukraine-Krieg.

Sie könne Krieg nicht grundsätzlich gutheißen, "auch keine Waffenlieferungen, das habe ich nie begrüßt, auch wenn mir das bisweilen so in den Mund gelegt wird", sagte Kurschus am Dienstag in Brüssel vor EU-Abgeordneten und weiteren Gästen eines Empfangs der EKD. Es gebe in dieser Frage kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Die oberste Repräsentantin der deutschen Protestanten hatte Waffenlieferungen in Interviews als vertretbar anerkannt.

"Viele möchten einfache Antworten, am besten im Ja-Nein-Schema", sagte Kurschus, und ergänzte: "Ich mache da nicht mit." Auch die Kirche müsse Antworten geben, aber anders als die Politik. "Wir verfügen nicht über ein Wissen christlicherseits, das es uns erlauben würde, einzelne politische Optionen direkt aus der Bibel abzuleiten." Wer politisches Handeln zum Willen Gottes erkläre, begebe sich auf gefährliches Terrain.

In diesem Zusammenhang warf die EKD-Ratsvorsitzende dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, erneut Gotteslästerung vor, weil dieser den Angriffskrieg als gottgewolltes Mittel darstelle.

Die EKD komme zu dem Schluss, dass es für und gegen Waffenlieferungen jeweils gute Gründe gebe. Dilemmata müssten benannt werden. "Es ist nicht immer hilflos, wenn man sagt: Ich weiß es nicht. Das ist manchmal das einzig angebrachte", sagte Kurschus. Auch die Bibel würde offensichtliche Widersprüche nebeneinander stehen lassen und in einer größeren Wahrheit aufheben.

Mehr zu Ukraine-Russland-Krise
Christen demonstrieren auf Ukraine Friedensdemo
Sollen Christ:innen Waffenlieferungen an die Ukraine befürworten? Oder sind sie vielmehr zu einer Feindesliebe aufgerufen, die die Gewalt ganz ausschließt? Unser Ethik-Experte Dr. Alexander Maßmann (Universität Cambridge) nimmt Stellung.
Ukrainische Soldaten bergen einen gefallenen Kameraden in einem Leichensack
Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) fordert Unterstützung für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer aus Russland und der Ukraine. Die Teilmobilmachung Russlands verschärfe ihre Lage.