Westfälische Synode nimmt Arbeit auf

Kirchen Dach mit Solarzellen

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Der Klimawandel ist für die Kirche eine Herausforderung. Wie Klimaneutralität in der Kirche gelingen kann, darüber berät die aktuell tagende Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Klimakonzept im Fokus
Westfälische Synode nimmt Arbeit auf
Wie kann die Evangelische Kirche von Westfalen mit ihren über zwei Millionen Mitgliedern bis 2040 klimaneutral werden? Diese Frage beschäftigt die aktuell tagende Landessynode. Auch Präses Kurschus will sich zum Thema äußern.

Mit Appellen aus Kirche und Politik zu mehr Klimaschutz hat in Bielefeld die Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche von Westfalen begonnen. Der Klimaschutz sei "eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Sonntagabend in einem Video-Grußwort an das Parlament der viertgrößten deutschen Landeskirche. An diesem Montag wollte sich die leitende Theologin, Präses Annette Kurschus, in ihrem traditionellen Bericht unter anderem zu diesem Thema äußern.

Mit Spannung wurde angesichts der aktuellen Krisen der Bericht von Kurschus, die auch Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, zu aktuellen Themen in Kirche und Politik erwartet. Außerdem wollte am Montag die Präsidentin von "Brot für die Welt", Dagmar Pruin, über internationale Klimagerechtigkeit sprechen.

Kirchen sollen Vorreiter beim Klimaschutz sein

Wüst sagte, beim Klimaschutz gehe es "um nichts Geringeres als um die Bewahrung der Schöpfung auch und gerade für die kommenden Generationen". Auch sie sollten alle Chancen auf ein Leben in Sicherheit und Wohlstand haben. Deshalb sei es "ein Generationenprojekt, Industrie und Klimaschutz miteinander zu versöhnen". Dabei müsse der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Nach Ansicht des rheinischen Präses Thorsten Latzel sollten die Kirchen beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Sie seien lange Zeit mit ihren Leitideen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung vorangegangen, sagte er am Sonntagabend vor der westfälischen Landessynode. Bei der aktuellen Klimabewegung dürften sie nun nicht nur "nachvollziehen, was andere tun", unterstrich der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland in seinem Grußwort.

Gebäude und Mobilität stehen im Fokus

Die Bielefelder Bürgermeisterin Karin Schrader (SPD) hob hervor, das Ziel der Klimaneutralität sei nur mit gemeinsamem und engagiertem Handeln aller Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Bis Mittwoch beraten die rund 190 Delegierten schwerpunktmäßig darüber, wie Klimaneutralität für die 2,1 Millionen Mitglieder zählende Landeskirche mit ihren 27 Kirchenkreise und 454 Gemeinden erreicht werden kann.

Schlüsselbereiche sind nach den Worten des Umweltexperten Klaus Breyer der Gebäudebestand und die Mobilität. Allein die westfälische Kirche besitze insgesamt etwa 4.500 Gebäude, sagte der Leiter des westfälischen Instituts für Kirche und Gesellschaft dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchengemeinden müssten mit einem Sofortprogramm für Energie-Einsparungen und die Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt werden.

Die Evangelische Kirche von Westfalen ist die viertgrößte der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Die Landessynode ist das oberste Organ. Sie tagt erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder in Präsenz. Neben dem Hauptthema Klimaschutz befasst sich das Kirchenparlament auch mit ehrenamtlicher Arbeit, mehr Beteiligung junger Leute in Leitungsgremien, Schutz vor sexualisierter Gewalt sowie weiteren Vorlagen, Berichten und Kirchengesetzen. Finanzfragen werden überwiegend auf einer zweitägigen Herbstsynode im November behandelt.

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